2. Teil: Drei Kreise – Ein neuer Kinofilm.

13.11.2019. Nach dem allgemeinem Überblick im ersten Teil wird es jetzt konkret. Aber zu diesem Zeitpunkt müssen auch noch ein paar Erklärungen beigefügt werden.

Der vollständige Titel „Die drei Kreise der Hölle“ meint eine geographische Region. Sie ist aber austauschbar. Weil außerdem einige Betroffene nichts mit diesem Projekt zu tun haben wollen, sind auch alle Namen, Städte und Hauptpersonen völlig verändert worden. Das Ganze kann sich sowieso in jedem Land der Welt abspielen, aber dann wird es nur unklar.

Willkürlich ausgewählt ist zum Beispiel der Name des ersten Kreises: Rom, die Hauptstadt. Der zweite Kreis ist eine der vielen Regionen im südlichen Mezzogiorno und dessen Hauptstadt. Hier ist es Apulien.

Der dritte Kreis ist am größten, weil er – beispielhaft – die Millionen von Betroffenen abbildet, was selbst in einem Monumentalfilm gar nicht möglich wäre. Das Ganze gehört nicht in Filmstudios, sondern an Originalschauplätze, wo die Einheimischen mitspielen, in ihrem Dialekt. Synchronisiert wird gar nichts. Es gibt auch keine Untertitel. Nur die klare Stimme eines Sprechers meldet sich gelegentlich und erklärt in kurzen Stichworten die Situation. Das kann dann auch in alle Sprachen der Welt ohne viel Aufwand übersetzt werden. Das Projekt kostet vergleichsweise wenig Geld und bringt berechtigte Gewinne denen, die dabei mitgewirkt und eine gute Sache unterstützt haben.

Der Film hat unterschiedliche Geschwindigkeiten, wie ein klassisches Musikstück, also nicht eine einzige, einschläfernde Lautstärke. Überwiegend in einem ruhigen Tempo, wechselt die Handlung sich innerhalb der drei Kreise ab und steuert nach vielen Abenteuern auf das gute Ende zu, das man sonst Happy End nennt. Aber es ist ja kein Hollywoodfilm.

Jeder Kreis beginnt mit einer Luftaufnahme, die ohne irgendeinen hektischen Schnitt zur Hauptsache kommt. Am Anfang sieht man die berühmten Monumente von Rom, aber alle als verwitterte, bröckelnde Ruinen und kaputte Mauern, so wie das jeder Tourist kennt.

Der zweite Schauplatz in Apulien zeigt weite ausgetrockente Landschaften, in den selbst die Landwirtschaft nur mühsam eine überschaubare Ernte schafft. Straßen, die aus Finanzmangel in halbfertigem, abbruchreifem Zustand keine Autos weiterbringen. Badeorte, zu deren Stränden sich keine Torirten verirren und die Einheimischen deshalb dort nicht zu finden sind, weil sie den ganzen Tag körperlich schwere Bauernarbeit leisten und trotzdem wenig verdienen.

Der dritte Schauplatz könnte auch in Kalabrien, der Basilicata oder Sizilien liegen. Aber man mus sich für einen entscheiden, damit kein Chaos ausbricht. Vorbild ist auch hier Mascagnis Oper „Cavalleria Rusticana“ (Bauernehre), die einen einzigen Ostersonntag zeigt, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Catania. Handlung und die leidenschaftliche Musik drücken eigentlich Alles aus, was man über die ganze Region sagen kann.

Aber die Entscheidung ist hier für Apulien getroffen. Dort gibt es einen kleinen – in Wirklichkeit nicht existierenden – Ort namen Porta d’Oro (Goldenes Tor ). Die Menschen dort jdoch sind arm, und Viele sind schon vor sechzig Jahre in das deutsche Ruhrgebiet gezogen, weil die Einheimischen dort gern Gäste für solche Arbeiten in den staubigen Kohlebergwerken hatten, die sie selbst äußerst ungern machten. Die Gäste sparten immer ihren vergleichsweise guten Lohn und schickten ihn in die Heimat, wo die gesamte Verwandtschaft immer auf Post aus Duisburg wartete. Manche Familien haben sich dann sogar eigene Häuser gebaut, nicht um daran zu verdienen, sondern um selbst darin zu wohnen. Wenn es schöne Grundstücke waren, erregten sie natürlich Neid. Im Film ist es der böse Bürgermeister, mit dem Namen Solo Casaladro, Don Solo genannt, owohl er natürlich nicht allein war, um das Beste daraus zu machen, nämlich Geld. Das führt dann im Film zu dramatischen Ereignissen. Streit und Neid beherrschen bald die ganze Stadt. Doch die Einzelheiten dieses unrealistischen, also unglaublichen Dramas folgen im nächsten, dritten Teil dieses Artikels. Da geht es dann auch um Action, Verfolgungsjagden auf der Autostrada. Aber alles bleibt im Rahmen.

Das Finale wird dann besonders lustig. Im Münchner Olympiastadion versammeln sich Tausende von arbeitssuchenden Statisten. Jeder bekommt eine schwarze, schlecht sitzende Lockenperücke und eine Mandoline. Damit brechen sie zu einem langen Fußmarsch über die Alpen auf, um in die Stadt Porta d’Oro zu kommen, weil man ihnen erzählt hat,dass am Badestrand überall echte Goldbarren versteckt sind, die sie nur ausgraben müssen.

Zu Beginn dieses langen Marsches schweigt das große Filmorchester, und die unvergleichliche Milva singt, „Die Gedanken sind frei ! Wer kann sie erraten? Sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen. Und sperrt man mich ein in finstere Kerker, das alles sind doch vergebliche Werke. Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken und Mauern entzwei. Die Gedanken sind frei !“

Endlich am Ziel, in Porta d’Oro, werden die vekleideten Statisten bereits von den Ortsbewohnern empfangen, die ihnen zeigen, wie man Orangen und Zitronen anbaut. Die Ortsbewohner legen sich dann in Hollywoodschaukeln an den Strand und trinken eisgekühlte Aranciata. Man sieht nur noch glückliche Gesichter !

Und das letzte Wort gehört wieder Milva. Sie singt ohne Orchesterbegleitung, während der Vorhang sich schließt: „Freiheit in meiner Sprache heißt Libertà. Gibt es ein schöneres Wort als Libertà? Doch nicht nur in Italien – überall wo Menschen leben, stehst du an erster Stelle: Libertà.“

Hier singt Milva das selbst:

https://www.youtube.com/watch?v=gEt31pOl-F4

Der dritte Teil dieses Artikels ist bereits erschienen und steht zur Verfügung.