3. Teil: Drei Kreise – Ein neuer Kinofilm

14.11.2019. Und jetzt geht es zur Sache, aber mit ein paar Erläuterungen. Der Film beginnt mit einem Motiv von Alfred Hitchcock. Er sagte: „Ich werfe einen Stein in einen ruhigen See und schaue, welche Kreise im Wasser entstehen.“ Also Ursache und Wirkung. Dieser Film beginnt ebenfalls mit der Luftaufnahme eines stillen, schwarzblauen Sees. Dann fliegt ein Bündel neuer Euro-Banknoten in die Mitte. Die einzelnen Blätter lösen sich voneinander und formen insgesamt drei Kreise.

Im ersten Kreis, der Hauptstadt Rom, sieht man davon Nichts. Es ist zwar viel Geld da, aber Niemand kann es sehen. Dazu hört man feierliche italienische Kirchenmusik, wie sie der Komponist Hans Zimmer für den spannenden Vatikan-FIlm „Illuminati“ mit Tom Hanks tatsächlich mit eigenen Ideen geschrieben hat: Madrigale, Sonaten, Kirchenchöre und die Stimmen des Petersdoms, der Capella Sistina. Alles mit vollem Orchester, aber sehr ernst und feierlich, wie Klänge aus dem Jenseits.

Im zweiten Kreis, der Hauptstadt Apuliens, ist das Regierungsgebäude in keiner Weise dem bescheidenen, einfachen Originalgebäude vergleichbar. Im Film dominiert ein breiter Palazzo Prozzi die Piazza, den größten Platz. Auch hier sieht man keine Banknoten, aber das Gebäude ist vom Feinsten: Echte goldene Türschlösser und Treppengeländer. Drinnen riesige Kitschfiguren aus feinstem Carrara-Marmor. Und schwere Ölgemälde mit dem Porträt des Hausherrn. Überall hängen überdimensionale Kristallleuchter. Das Dach des Hauses ist der von Michelangelo entworfenen Kuppel des Petersdoms sehr ähnlich. Es bedeutet: Wir sind die Stärksten. Die Mächtigsten. Der regionale Ministerpäsident heißt Vito Potente. Vor dem Eingang parkt sein sportlicher Ferrari mit verstärkten Stoßdämpfern, damit sie das Gewicht des Besitzers aushalten. Auf seinem Schreibtisch liegen offene Packungen mit feinen Ferrero-Pralinen, aus denen er ständig naschen mus, um sein dreifaches Übergewicht zu halten. Und eine Spendendose aus Chinaporzellan, mit der Aufschrift „Spenden für Maria“. Gemeintit ist damit allerdings ein deutscher Qualitäts-Weinbrand mit dem Namen „Mariacron“, und eine Flasche davon steht immer griffbereit neben den Ferrero-Pralinen.

Die Musik dazu ist festlich, pompös wie ein Concerto Grosso von Antonio Vavaldi. Es stören lediglich Zwischengeräusche. Sie klingen wie fallende Goldbarren, splitterndes Porzellan einer orientalischen Vase aus 1001 Nacht oder wie das leise Schnarchen übergewichtiger Regionalpolitiker.

Im dritten Kreis der Hölle liegt die bereits erwähnte Kleinstadt Porta d’Oro (Goldenes Tor), wo die Leute überhaupt kein Geld haben, auch kein verstecktes, sondern körperlich hart dafür arbeiten müssen, in den von der Tagesitze ausgetrockeneten Orangenplantagen. Es gibt keine Cafés, keine Sitzbänke, keine Bistros, weil Niemand Geld und Zeit dafür hat. Die Bewohner sind alle schwarz gekleidet. Auch die Häusertüren und Dächer sind schwarz gestrichen. Trotzdem schielt der böse Bürgermeister Sono Casaladro noch nach Stellen, aus denen er Geld machen kann. Vor Allem sticht ihm ins Auge das Privatgrundstück der Familie Innocente (Unschuldig), das sie sich vom sauer verdienten Gastarbeiter-Lohn des Vaters in Duisburgs früheren Kohle-Bergwerken gekauft haben. Der finstere Casaladro hat zu spät gemerkt, dass dieses ehrlich erworbene Privatgelände erdbebensicher ist, eine große Seltenheit in dieser Gegend und deshalb zehn Mal so viel wert ist als der amtliche, vom Bürgermeister unterschriebene niedrige Verkehrswert.

Er will dieses Grundstück unbedingt, aber die Besitzer weigern sich hartnäckig. Vor Allem der Sohn Santo Innocente (Der unschuldige Heilige) will weiter in seinem Elternhaus leben.

Und dann hat Casaladro eine teuflische Idee. Er lässt direkt vor der Haustür seiner Feinde eine neue, völlig überflüssige Straße bauen, damit sie endlich abhauen. Und dann passiert es ! Eine Morgens verabschiedet sich Santo von seiner Schwester Regina (Königin) vor der Haustür und geht zu seinem kleinen Privatauto, einem gebrauchten Fiat 500. Da nähert sich ein unbekanntes Auto, gibt Vollgas und überfährt Regina, die Mutter von drei kleinen Kindern. Von allen Seiten strömen weinende Nachbarn herbei, doch Santo springt in sein Auto und versucht, die flüchtenden Mörder zu erwischen. Aber sie sind zu schnell. Immerhin gelingt es ihm, das Kennzeichen zu fotografiern, aber schnell stellt sich heraus: Es war gefälscht.

Die Musik für den Ort Porta d’Oro soll, als deutlicher Kontrast zur traurigen Handlung, viele traditionelle Melodien des Mezzogiorno zitieren und mit eigenen Ideen des Filmkomponisten anreichern. Aber nicht lustige Schlager wie „Funiculi, Funicula“, sondern die melancholischen Lieder aus Neapel, zum Beispiel „Catari, Catari“,“Non sera Maggio“ oder „Sordato Innamorato“.

Aber wie geht es mit der Handlung weiter? Nach der wilden Verflgungsjagd auf der Autostrada läuft Santo Innocente direkt zum Bürgermeister und schreit ihn an, „Der ganze Ort weiß, dass du dahinter steckst!“ Doch der Bürgermeister sagt nur, „Ich kenne diese Leute nicht.“ Santo geht, völlig verzweifelt.

Doch dann passiert etwas, womit Niemand gerechnet hat. In der Regionalhauptstadt bemerkt Ministerpräsident Vito Potente, dass vor seinem Renaissancepalast immer mehr Menschen aufmarschiern, denn die Schreckensnachricht aus Porta d’Oro hat sich bereits über alle Medien herum gesprochen. Signor Potentge weiß das noch nicht. Er öffnet sein Bürofenster und winkt den Leuten freundlich zu. Sie schreien in lauten Sprehchören, „Banditen ! Verbrecher! Diebe! Basta Pizzo!“ Signor Potente weiß nicht, was „Pizzo“ bedeutet, vieleicht es eine neue Pizzasorte. Aber er ruft bei der römischen Regierung an. Dort erreicht er sofort den Staatsekratär im Innenministerium, einen alten Schulfreund mit dem Namen Tutto Corruzione. Der ist genauso aufgeregt und sagt: „Auf unserem Flugplatz Fiumicino landen ständig ausländische Sonderflugzeuge mit Kameratemas, sogar aus Alaska und von den Fidschi-Inseln. Sie wollen aber nicht zum Vatikan, sondern direkt zu uns und zum Palazzo Chigi.“ Das weitere Gespräch muss verschoben werden, weil der Staatspräsident Amadeo Armani auftaucht, der gern maßgeschneiderte Nadelstreifenanzüge trägt. Er fragt, „Wollen die alle zu mir?“ Sie öffnen die Fenster. Aus allen Teil des Landes, von Südtirol bis Sizilien, sind lange private Autokonvois eingetroffen. Die Insassen steigen aus und schwenken Nationalflaggen, dazu große Schilder mit den Worten “ Basta!“ „Verschwindet!“ oder so ähnlich.

Jetzt gibt es sofort eine Sondersitzung des Parlaments. Alle bereits auf zwanzig Jahre gewählten Abgeordneten und die Regierung treten zurück. Aus Amerika meldet sich Präsident Donald Trump mit einer spontanen, weltweit übertragenen Videobotschaft: „Wir Amerikaner wissen, was Freiheit ist und gratulieren allen mutigen Menschen südlich der Alpen zu einem völligen Neubeginn.“

Danach kommt das schon ausführlich im letzten Artikel beschriebene Finale, bei dem Milva singt, „Freiheit in meiner Sprache heißt Libertà!“

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Unvermeidlich ist leider noch einmal der Hinweis auf das Urheberrecht. Auch in München sind mir Ideen geklaut worden, und den Beifall dafür haben andere bekommen, außerdem eine Menge Geld damit verdient. Das lässt sich in jedem Fall nachweisen. Aber solche Witzfiguren kosten nur Zeit. Vielen Leuten sind die Namen längst bekannt. Mich langweilt das nur noch, bei den bisherigen Fällen. Aber für die Zukunft, nur als Erinnerung: Jedem Erfinder steht ein Beratungshonorar oder eine Lizenzgebühr zu. Ohne die damit verbundene Genehmigung darf kein derartiges Projekt verwirklicht werden, auch keine einzelnen Teile, sonst werden spürbare Entschädigungszahlungen fällig. Der Filmbranche ist das bekannt, aber ein paar besonders schlaue Mitarbeiter kümmert das gar nicht. Nur deshalb noch einmal diese Anmerkung.