Verrückte Welt

15.9.2020. Märchenkönig Ludwig II. baute viele teure Märchenschlösser. Das wurde der Münchne Staatsregierung zu viel. Dann fanden sie die Lösung. Der Psychiater Bernhard Gudden sprach zwar nie mit dem König, hörte sich aber das Geschwätz seiner Diener an. Danach erklärte er den Köng für verückt. Er wurde auf Schloss Neuschwanstein verhaftet und eingesperrt im Familienschloss Berg am Starnberger See. Im Angesicht seiner Situation lockte er den Psychiater Gudden zu einem letzten Spaziergang am Ufer des nächtlichen Sees. Dort sprang er ins Wasser. Gudden versuchte ihn aufzuhalten, aber vergeblich. Am frühen Morgen danach fand man diie beiden Leichen. Ludwigs Seelenfreundin, Kaiserin Elisabeth von Österreich, war zufällig nicht weit, am südlichen See-Ufer in Seeshaupt. Sie wusste nichts von dem zeitgleichen, mörderischen Drama, schrieb aber ein Gedicht, in dem sie den Nachfolger, Prinzregent Luitpold, als Anstiftter beschuldigte. Der nahm den Herrscherplatz zwar gern an, aber Verursacher waren die Mitglieder der Münchner Staatsregierung und ihr Gehilfe, der Psychiater Bernhard Gudden, der mit seinem falschen Gutachten Geld verdiente und sich als gehorsamer Untertan wichtig machte.

Das ist kein Einzelfall. Im 19. Jahrhundert schrieb der Engländer William Wilkie Collins beliebte Kriminnalromane, deren Täter rücksichtslose Berufs-Psychiater waren. „Die weiße Dame“ ist eines ihrer Opfer, weil sie eine reiche Erbin ist. „Der rote Schal “ gehört einer Verbrecherin, die mit ärztlicher Hilfe zwei Männer ermorden will. Ein Thema, das immer aktuell bleibt.

Oben links auf dieser Seite sieht man den Starnberger See. Dort gibt es viele weiße Schwäne. Sie waren das Lieblingstier des Märchenkönigs, der auch die mitelalterliche Geschichte vom Schwanenritter Lohengrin sehr liebte. Er begeisterte sich für die gleichnamige Oper seit seiner Jugend. Der Komponisten war damals wieder auf der Flucht vor Gläubigern, seinen enttäuschten Geldgebern. Ludwig ließ energisch nach ihm fahnden: In Stuttgart waren die Jäger tatsächlich am Ziel. Sie brachten den Musiker direkt in die Münhner Königsresidenz, und Ludwig II. sagte zur Begrüßung: „Von jetzt an werden Sie keine finanziellen Sorgen mehr haben.“ Der König spendete auch großzügig für das neue Festspielhaus und nahm als Ehrengast an der ersten Generalprobe teil. Das aufdringliche, aber zahlende Publikum danach wollte er schon nicht mehr sehen.Auch sein damaliger Vertrauter, der streitbare Philosoph Friedrich Nietzsche, fand giftige Worte für die Versammlung der reichen Fabrikanten und schwärmerischen Romantiker. Im „Zarathustra“ schrieb Nietzsche, allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang: „Was mich nicht umbringt, macht mich stark.“

Wenn man auf das einzelne dunkle Gebüsch schaut, links oben auf dieser Seite: Genau dahinter, aber versteckt in vierhundert Metern Luftlinie Entfernung, befindet sich genau die tragische, einsame Uferstelle, wo am 13.6.1866 der verzweifelte König im Wasser Selbstmord begang. Er war überhaupt nicht wahnsinnig, aber ein Träumer, der nur noch für seine Märchenschlösser lebte. Heute bescheren Besucher aus allen Kontinenten dem Staat zuverlässig hohe Einnahmen für Eintrittsgeld, Reisekosten und Hotelübernachtungen. Damals musste der Erbauer wegen der Kosten für seine Bauten sterben.

Eine „verrückte Welt“ hat auch böse, verschlampte Erblasten und ganz neue, anschwellende Probleme. Sie sind längst bekannt, aber keine Hand rührt sich für ihre Beseitigung durch praktische Lösungen, die hier immer wieder vorgestellt werden, ganz konkret, aber nur in Kurzform, weil die hastigen Leute immer weniger Zeit haben, um das Nichts im wachsenden Freizeitangebot auch noch mitzunehmen. Dabei könnten einige arme Länder längst im Geld schwimmen. wenn sie andere, neue Führungskräfte hätten. Das geht ganz ohne blutigen Krieg und Gewalt. Das Wort „Basta!“ (Schluss jetzt, aufhören) reicht, wenn es die Mehrheit gemeinsam ruft.

Über das Leben und den Tod des bayerischen Märchenkönigs hat Helmut Käutner bereits 1955, vor fast siebzig Jahren, einen spannenden Kinofilm gedreht, mit O.W. Fischer in der Titelrolle und Ruth Leuwerik als Kaiserin Sissi, in Farbe an den Originalschauplätzen, zuverlässig auf der Basis der überlieferten Fakten. Der Film wird durchtobt von Wagnermusik, die Spitzendirigent Herbert von Karajan energisch und einfühlsam dazu spielen lässt. Hier ist das Ergebnis, vollständig:

https://www.youtube.com/watch?v=zmPyb_Zq5-U

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