Am Anfang: Kein Bach, sondern ein Ozean

24.9.2020. Albert Schweitzer schrieb ein dickes Buch über Johann Sebastian Bach. Immer wieder verglich er ihn darin mit Richard Wagner und nannte Beide: Alpha und Omega der Musik. Anfang und Ende des Klangs. Der Endzeit-Mann selbst schrieb über Bach (1685 – 1750), innerhalb seiner eigenen Lebenszeit (1813 – 1885): „Das ist kein Bach, sondern ein Ozean.“ Also kein harmloses Geplätscher, sondern ein Weltmeer.

Erstaunlich ist, das Bach nur über ein begrenztes Barockorchester verfügte, aber mit klaren Formen tiefe Wirkungen erzielte, auch noch einen Kontrapunkt anwendete. Eine zweite Melodie, die gleichzeitig mit der Hauptmelodie erklang und den Gesamteindruck vervielfachte, dessen innige und meditative Klangsprache immer ein starkes Echo suchte: Die Mysterien der einen Kraft, deren allmächtige Energie die ganze Welt erschaffen und immer weiter ausgebaut hat.

Das war auch Wagners Hauptthema, aber er schuf ein verästeltes Universum aus Klang, Sprache und magischen Bildern für große Zuschauerzahlen. Damit erzielte er vorher unbekannte optische und akustische Wirkungen bis an die Grenzen des Möglichen. In seinen zehn Hauptwerken fällt niemals der Name Bach, aber die späten „Meistersinger“ sind voller Anspielungen darauf: Die Verlesung der harten Meister-Regeln vor einfachen Handwerkern im fränkischen Nürnberg hört sich an wie eine strenge Fuge von Bach. Wenn sich nachts die aufgeschreckten Bürger prügeln, tun sie das im harten, rhythmischen Takt einer achtstimmigen „Prügel-Fuge“. Und die einleitende Ouvertüre lässt gleich drei Haupt-Melodien gleichzeitig hören. Der Komponist freute sich: „Das ist angewandter Bach !“ Er selbst fand seine endgültige Heimat in der Nähe von Nürnberg, das er persönlich kaum besuchte. Der ortskundige Dichter Jean Paul schrieb, „Bayreuth ist eine schöne Stadt. Wenn nur die Bayreuther nicht wären!“ So pauschal stimmt das nicht. Aber ich war von 1989 bis 2012 jedes Jahr mehrmals in der Stadt, nicht nur wegen der Festspiele. Jean Paul hatte im Geburtsjahr Richard Wagners, 1813 die sehnuchtsvolle Idee, das die Welt auf einen Künstler warte, der Bild, Text und Musik zu einem „Gesamtkunstwerk“ vereinigte. Dieser Begriff wurde später auch schon vom jungen Wagner, meistens für seine eigenen Werke verwendet.

Von Anfang an kreisen sie um die Mystik, das Geheimnis des unsichtbaren Gottes, des Weltgeists, des Allmächtigen Baumeisters aller Welten (ABAW), der nur duch ein paar Zeichen erkennbar ist. Wagner verwendete dafür die Bildersprache der Symbolik. Schon die alten Ägypter kannten keine abstrakten Schriftzeichen, sondern gebrauchte die Hieroglyphen, magische Bilderzeichen, die in ihren vielfachen Verknüpfungen unglaubliche Erknntnisse über die Struktur der Welt enthielten. Heute findet man gut geschriebene Bücher dazu, mit vielen Abbildungen, wie Gabriele Wenzels spannende „Hieroglyphen“.

im Jahr 1951 eröffneten die ersten Nachkriegs-Festspiele in Bayreuth mit der genialen Bildersprache von Wieland Wagner (1917 – 1966). So etwas hatte man noch nie gesehen: Keine mit naturalistischem alten Plunder vollgestopfte, überladene Bühne, sondern abstrakte Symbole, dazu eine aktive Farb-Regie und eine sparsame, hoch dramatische Personenführung.

Das weltweite, stürmische Echo auf das revoliutionäre „Neue Bayreuth“ erreichte noch einmal Spitzenwerte mit Wielands frühen Tod am 17.10.1966, in der Münchner Nussbaumklinik. Damals war ich weit weg, lebte in einer westfälischen Kleinstadt, an der holländischen Grenze. Aber das war der Paukenschlag, mit dem das große Interesse für Richard Wagner erwachte, das niemals verstummt ist, auch wenn die Realität immer bitterer wurde. Im August 2011besuchte ich zum letzten Mal dort eine Vorstellung. Das ist jetzt über neun Jahre her, und es gab danach niemals mehr einen Gedanken, dort noch einmal in eine Vorstellung zu gehen. Das Alles ist ausführlich, schon seit Jahren begründet, auch in meinen zwei anderen Blogs, die man hier oben links, auf der „Startseite“, finden kann.

Es macht ja nichts, wenn man sich auf gute Filmaufzeichnungen beschränkt, die längst ganze Schränke füllen. Die Erfahrungen mit den Wagnerwerken sind unzerstörbar und habn sich immer weiter vertieft.

In Gedanken verbunden bleibe ich, unbeirrbar, seinen Ideen und seiner Musik.

Ideen für eine Aufwertung des Ortes und eine erfolgreiche Steigerung der ganzjährigen Besucherzahlen gibt es genug. Man findet sie hier, rechts unten, in der ganzen Abteilung über die „unsichtbare Weltuhr“, und sie schlafen nicht ein. Da die Festspiele in diesem Jahr abgesagt werden mussten, sind sie keinesfalls wertlos und können realisiert werden. Aber wegen schlechter Erfahrungen erinnere ich an das gesetzliche Urheberrecht, nach dem be einer Nutzung immer ein marktübliches Beratungshonorar fälig ist, das auch als angemessene Spende für einzelne Projekte verwendet werden kann.

Vorrangig wäre eine gute Dauer-Ausstellung über Wieland Wagners glanzvolle Jahre. Darüber gibt es bereits einen eigenen Artikel hier,

„Die goldenen Jahre 1951 bs 1966“ :

http://luft.mind-panorama.de/die-goldenen-jahre/

Platz für dieses Projekt ist im ersten Stock des „Siegfried-Anbaus“ auf dem Wahnfried-Grundstück. Dafür gibt es weltweit zahllose, erstklassige Medien-Dokumente, und auch ich könnte mich mit meiner Privatsammlung daran beteiligen. Alte Feindschaften sind mittlerweile wertloser Schnee von gestern. Es zählt nur noch die Zukunft.

Zum vergleichenden Blick passt gut auch Bachs Orchestersuite Nr.3 :

https://www.youtube.com/watch?v=FuMtEof9MWs

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