Animalische Wucht

21.5.2019. Das Wort „animalisch“ hat unterschiedliche Bedeutungen. Im Alltag versteht man darunter eine wilde Leidenschaft. Aber das ist nicht Alles. Die „Anima“ bedeutet auch „Seele / Geist“. Im Italienischen nennt man „Buon’anima“ die verstorbene Mutter, also einen Menschen mit einer wichtigen persönlichen Bedeutung.

Eine ähnliche Qualität hat das Wort „vulkanisch“. Wenn plötzlich siedend heißes, flüssiges Gestein aus der Erde hervorbricht, kommt es zu Katastrophen wie in Pompeji bei Neapel, wo im Jahr 79 nach Christus, gleich zwei Städte bei einem Vulkanausbruch verschwanden. Gleichzeitig wurden die Häuser und sogar die farbigen alten Wandmalereien konserviert und der heutigen Forschung zugänglich gemacht, mit erstaunlichen Entdeckungen über die damalige Lebensweise.

Es handelt sich also nicht um künstliche Theatereffekte, die der Musikdramatiker Richard Wagner einmal verächtlich als „Wirkung ohne Ursache“ abkanzelte. Gleiches gilt heute für viele Kinofilme, die vor Allem aus Lärm, Hektik, schnellen Bildschnitten und dummen Dialogen bestehen. Näheres dazu habe ich hier beschrieben: „Neues vom Kino – Bavaria Film“

http://luft.mind-panorama.de/neues-vom-kino-bavaria-film/

Das Wort „animalisch“ findet man vor Allem im Bereich der Tiere, wenn sie nicht sehr intelligent sind und von ihren Ur-Instinkten angetrieben werden: Fressen und gefressen werden.

Aber auch im Denken des Analytikers C.G. Jung spielt das eine große Rolle. „Anima“ nannte er die Psyche als weit umfassenden Oberbegriff. Näheres dazu kann Jeder selbst im Internet nachlesen. Vieles davon wirkt spekulativ und undeutlich. Wichtiger ist seine Prägung des Begriffs „Archetypus“. Er meinte damit alte Ur-Bilder, die seit frühesten Zeiten in der Erinnerung aller Menschen gespeichert sind Diese Idee haben viele bedeutende Künstler aufgegriffen, zum Beispiel der Surrealist Salvador Dali, dessen fotorealistisch genaue Bilder tief in das verborgene Innere der menschlichen Eigenarten schauen lassen.

Lauter ernste Themen. Vielleicht passt zum „Animalischen“ trotzdem ein Witz, den ich mir spontan ausgedacht habe. Vielleicht auch als Satire, als lächerliche Verzerrung der Wirklichkeit. Die kurze Handlung ist völlig frei erfunden, bis auf ein paar Stichwörter.

Über den italienischen Innenminister Matteo Salvini hört man im privaten Bekanntenkreis öfter kritische Bewertungen. Angesichts der Europawahl am kommenden Wochenende saß er gestern schon wieder vor den Fernsehkameras, mit grimmiger Miene und schlagkräftigem Körperbau. Manche nennen ihn einen „Rechtspopulisten“. Oder Schlimmeres. Dabei befindet er sich in einer viel wichtigeren Situation. Genaueres dazu habe ich vor ein paar Tagen hier geschrieben: „Mamma mia“.

http://luft.mind-panorama.de/mamma-mia/

Und wo bleibt der Witz? Weil Salvini, auch mit lauter Stimme und energischen Handbewegungen oft Klartext redet, würde ich gern mal mit ihm in ein Münchner Arbeiterlokal gehen, in Freizeitkleidung natürlich. Englisch versteht er wahrscheinlich. Und dann könnte es zu folgender Szene kommen: Er bestellt ein Bier und sagt: „Buon Giorno.“ Ich antworte: „Du bist also ein Italiener. Euer Staat hat zu viele Schulden.“ Matteo: „Du hast keine Ahnung. Alle Italiener sind fleißig und ehrlich.“ „Ich kenne ein paar ganz Andere.“ Matteo: „Willst du mein Land beleidigen? Hier hast du die Antwort.“ Er schüttet dem Krittiker sein Bier ins Gesicht. Als Antwort bekommt er ein volles Glas ganz langsam über den eigenen Kopf geschüttet, und ich gehe. Vor der Ausgangstür gibt es dann noch einen kräftigen Arschtritt von Matteo.

Frei erfunden. Aber war das „rechtspopulistisch“ ? Nein, die richtige Antwort, natürlich nur in einer Satire. Ich selbst lehne jede Art von Handgreiflichkeiten ab. Im Lauf der Zeit gab es immer wieder Freunde aus Italien, Respektspersonen, mit denen man nur ausnahmsweise schlechte Erfahrungen hatte. In der Politik kann man öffentlich kräftig auf die Pauke hauen, damit die Leute nicht einschlafen, wenn dahinter ein echtes Problem steckt und keine Krawallmacherei von schlechten Schauspielern.

Was das bedeutet, kann man in einer gewaltigen Dokumentation nachlesen, die nach Angaben des Verfassers wörtlich „mit Genauigkeit und der Kraft der Sprache“ jahrelang aufgebaut wurde. Hier ist der Crosslink:

http://www.uricchio.de/

Von einem Extrem ins Andere – das wird der großen Bandbreite des Worts „animalisch“ nicht gerecht.

Es wird auch bei der Erotik verwendet. Das ist eine der Hauptantriebskräfte des Menschen. Und die Liebe war immer ein Thema der Musik.

Nicht Italiens Minister Salvini, sondern einen ganz anderen „Matteo“ gibt es in der Oper „Arabella“. Dieser glücklose Held ist zwar Soldat, aber auch ein Verehrer der attraktiven Titelheldin, und da nützt ihm seine militärische Kraft überhaupt nichts. Denn sie hat überhaupt kein Interesse an ihm, und sie hat auch genug andere Bewunderer in Wien. Dafür träumt sie vor sich hin: „Aber der Richtige, wenn’s Einen gibt für mich auf dieser Welt, der wird auf einmal da stehen.“ Und so kommt es auch. Im Jahr 1963 sangen das an der Münchner Staatsoper die besten Sängerinnen: Lisa della Casa und Anneliese Rothenberger. Hier ist der Crosslink:

https://www.youtube.com/watch?v=q2Hpvsuo9Ko