Aton und Echnaton

10.9.2020. „Aton“ bedeutet einfach „Sonne“. Wie schon aus dem Namen zu vermuten ist, hatte der ägyptische Pharao Echnaton (Regierungszeit, schon als 18Jähriger ca. 1351 – 1336 v. Chr.) eine starke Verbindung zu der universalen Energiequelle – Sonne. Er verbannte alle anderen Götter, zum Ärger der mächtigen, zuständigen Amun-Priester. Seine Frau war die berühmte Nofretete, deren farbige Kopfbüste in einem Berliner Museum steht. Ihr Lebensmittelpunkt war für Beide die neue Haupstadt Amarna, fünfzehn Jahre lang. Dann kehrten die Amun-Prester rachsüchtig zurück und zerstörten möglichst alle Erinnerungen an Echnaton, waren dabei aber nicht restlos erfolgreich. Andere Quellen ergeben tatschlich ein sehr detailreiches Bild.

Über Aton, die Sonne, schrieb Echnaton ein eigenes, starkes Gedicht, dessen vollständiger Text als Hymne erhalten ist. Auszug: „Du lebendige Sonne, die das Leben bestimmt! Du bist aufgegangen am Osthorizont. Die Fische im Strom springen vor deinem Angesicht. Wie zahlreich sind deine Werke, die dem Angesicht verborgen sind. Selbst alle fernen Fremdländer erhältst du am Leben. Du schaffst die Jahreszeiten – den Winter, um sie zu kühlen, die Sommerglut, damit sie dich spüren. Seitdem du die Welt gegründet hast, erhebst du sie für deinen Sohn, der aus deinem Leib hervorgegangen ist, den König beider Länder Ägyptens, den Herrn der Diademe, Echnaton.“

Das ist ein sehr früher Beweis, ein zuverlässiges historisches Zeichen für einen einzigen wahren Gott, während vorher viele menschenähnliche Götter in der Phantasie den Himmel bevölkerten. Der Monotheismus, also der Glaube an einen Einzigen, hat auch den Staatsgründer Moses (ägyptisch „Musa“) geleitet, als er sein eigenes Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft befreite und es weit weg, zum Roten Meer führte, das einen breiten Weg im Wasser für die Wanderer öffnete und sie weiter zum brennenden Dornbusch brachte, in dem Moses persönlich zwei Schrift-Tafeln mit den Zehn Geboten bekam, die noch heute die wichtigste Basis aller weltlichen Gesetze sind.

Sein letztes großes Werk schrieb Sigmund Freud 1939 über „den Mann Moses und die monotheistische Religion“. Zwölf Jahre vorher, 1927, hatte er die Religion noch ausführlich als Hirngespinst bezeichnet, unter dem nüchternen Abschieds-Titel „Die Zukunft einer Illusion“. Er beschrieb sie darin als Phantasie, als Wunschvorstellung wie die aufgeheizten Symptome seiner psychoanalytischen Kundschaft. Im Schlusswerk vom „Mann Moses“ differenziert er jedoch ausführlich und durchleuchtet das Phänomen aufmerksam, in einer bilderkräftigen Sprache.

Freud hin und her, das Thema existiert auch ohne ihn. Es ist ja keine Gedankenspielerei, sondern fester Bestandteil des längst vegangenen Alltags, schon in der Frühzeit. Für die ersten Menschen waren religiöse Rituale, Versammlungen mit Trommeln, Flöten, Pauken ein Mittelpunkt ihrer Existenz. Vor dem Beginn heftiger Kriege, nach der Ernte und an Feiertagen war das Gebet ein wichtiges Element.

Der Experte Albert Schweitzer schrieb vor hundert Jahren sein umfangreiches Standandwerk über „Johann Sebastian Bach“. Die Wörter „Alpha und Omega“, „Anfang und Ende“ aller Musik, waren darin reserviert für Bach und Richard Wagner.

Ton Koopman aus Amsterdam, der selbst ein eindringliches, lesenswertes Buch über Bach geachrieben hat, dirigiert hier Musik der damaligen Barockzeit :

https://www.youtube.com/watch?v=rCUjvUXyFAk

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