Baker Street

6.4.2017. 19.00 Uhr. Zum Beginn dieses Artikels schallen die Glocken vom nahen Dom, zum Abendläuten. Der Dom ist nicht nur die weltberühmte Frauenkirche in der Innenstadt. Auch am Mariahilfplatz, am Johannisplatz in Harlaching gibt es  himmelragende neugotische Kathedralen.

Auch wenn die Besucher vieler  Kirchenhäuser schon seit langen Jahren immer weniger werden, der Glockenklang bleibt. Ein Zeichen der Meditation, der konzentrierten Gedanken und Erkenntnisse, die aus der Stille entstehen.

Dabei ist der Kontrast zum pausenlosen Großstadtlärm nicht wichtig. Im Gegenteil. Je lauter es an einigen Orten zugeht, desto stärker ist der Eindruck, die Wrkung mehrdimensionaler Energien, wenn man sich darauf konzentriert..

Vorhin war es ganz laut. Wenn sich Stammgäste drängen in kleinen Wirtshäusern, sind überraschende Begegnungen unvermeidlich. Die Leute wollen nicht allein zu Hause sitzen, sondern miteinander reden. Eines  der wirkungsvollsten Medikamente gegen Spannungen aller Art. Und für wechselnde Wahrnehmungen, Erkenntnisse, Bewertungen.

In frühen Jahren ist das Alles nicht so wichtig. Bilder von tausend Orten, Ländern fluten vorbei. Und eines Tages ist die Ernte reif. Alltäglichkeiten verschwinden im Mülleimer der Vergangenheit. Das Wichtigste enträtselt sich von selbst, durch Vergleiche von Systemen, die sich wiederholen.

Das klingt sehr abstrakt, wenig konkret. Genaueres würde den begrenzten Rahmen dieses Textes sprengen. Nur so viel: Gestern traf ich einen alten Freund vom Mittelmeer. In dreißig Jahren gab es zwanzig Jahre lang viel  Harmonie, dann Krisen. Gestern war Alles wieder da, doch nicht wie damals. Die Bewertung früherer Erfahrungen öffnet neue Türen.

Niemals vergessen werde ich das Café in London im Dezember 2003, als plötzlich aus den Lautsprechern Gerry Raffertys „Baker Street“ schallte: „In dieser Straße gibt es so viele Leute, aber sie hat keine Seele. Und es hat so lange gedauert, bis du es bemerkt hast: Du hast dich geirrt. Aber jetzt weinst du. Am Ende der Straße ist ein Licht.“

„Its got so many people but its got no soul
And it’s taken you so long to find out you were wrong
But you’re cryin‘, you’re cryin‘ now
Way down the street there’s a light in his place
He opens the door He’s got that look on his face
And he asks you where you’ve been
You tell him who you’ve seen.
And when you wake up it’s a new mornin‘
The sun is shining it’s a new morning.“

https://www.youtube.com/watch?v=fsLrnylZheE

Das beühmte Saxophon-Solo in diesem Lied hat sogar einmal der frühere amrikanische Präsident Bill Clinton gespielt, und hier kann man das sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=MD8PckQjKx8

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