Baudelaire, Fleurs du Mal

25.20.2019. Charles Baudelaire hat mit „Fleurs du Mal“ (Blumen des Bösen) eine eindrucksvolle Sammlung von Gedichten hinterlassen, die zeitweise schon zu seinen Lebzeiten verboten wurden. Seine Blumen sind keine Tulpen oder Rosen, sondern Mohn und Hanf, aus denen man Rauschmittel herstellen kann. Wenn man das heute ungekürzte Buch noch einmal anschaut, ist erstaunlich, wie wenig er direkt über das Thema schrieb, sondern es in leidenschaftliche Sprachbilder verwandelte.

Andere haben das gar nicht nötig. Richard Wagner trank in seinem Stammlokal „Ackermann“ ab und zu ein Bier. Von seiner Ehefrau Cosima ist nur bekannt, dass sie gern vor dem Schlafengehen eine Flasche Bier mochte und dabei laut rülpste. Weil ein Papagei im gleichen Zimmer war, überraschte er Besucher deshalb gern mit einem lauten Rülpsen,und so ist die Geschichte überliefert worden.

Wagner konnte allerdings in seiner Musik gewaltige Rauschzustände entfesseln. Man merkt das allerdings nur, wenn die Noten nicht nur korrekt und sauber gespielt werden, sondern durch Tempo, Lautstärke und die aufreizende Mischung des großen Orchesterklangs mehr ausstrahlen als stndenlange Langeweile. Selbst Dirigent Christian Thielemann, der einen romantischen, klaren Klang bevorzugt, erzeugt selbst nicht immer die rauschartige Hitze, die aus der Musik sich auch auf die Zuhörer übertragen kann. In einer Pause habe ich mich einmal, mit ihm als Gast und mit selbst bezahlter Eintrittskarte, über die Schwächen der Akustik in der Münchner Staatsoper unterhalten. Er war natürlich selbst ein unschlagbarer Experte, konnte sich aber nicht erklären, warum er in der achten Reihe Parkett mit der Akustik unzufrieden war, während weiter oben, im seitlichen Rang ich alles hervorragend mitbekam. Das liegt an der Raumakustik, die durch Bestuhlung, Logenräume und Dekorationen verändert wird. Natürlich weiß er das Alles prinzipiell auch, aber beim Hören seiner eigenen CD-Aufnahmen, die damals überhaupt kein Thema waren, hat er einmal eigene Schwächen in einem Interview sehr souverän und offen kommentiert, aber nicht, warum seine Interpretationen überhaupt keine durchschlagende, überwältigende Wirkung haben. Die Sängerin Martha Mödl hat mir einmal erzählt, das ihr Lieblingsdirigent Wilhelm Furtwängler war. Er hatte ein angeborenes Gespür, eine starke Antenne für schwelgende und überragende Klangwirkungen. Selbst seine alte Aufnahme der „Meistersinger“ von 1938 bestätigt das. Sie entstand nach dem Anschluss ganz Österreichs an das Dritte Reich, und auf Befehl Hitlers traten damals in einer Galavorstellung des sonst eher unbekannten Nürnberger ( ! ) Opernhauses der Chor und das Orchester der Wiener Staatsoper auf, mit den besten Solisten der damaligen Zeit. Mann kann sich das jederzeit anhören. Trotz Mono-Klang aus der akustischen Steinzeit gibt es kaum eine bessere Aufzeichnung des Werks.

Dirigenten gibt es in allen Bereichen. Entscheidend ist ihre Wirkung. Die Politik zeigt das, ebenfalls die Betriebsergebnisse großer Firmen. Natürlich sind das ganz andere Situationen, aber die Ursachen sind sich ähnlich. Wer keine Noten lesen kann, bringt auch kein gutes Konzert. Wer die Möglichkeiten der Politik nutzen will, muss ihre Regeln kennen und ausbauen. Oder Reformen durchsetzen. Das kann harte Arbeit sein und viele Widerstände auslösen, aber am Ende zählt nur das Ergebnis, der Erfolg und die vorher dafür angewendeten Methoden.

Wer dabei keinen klaren Kopf hat, erreicht gar nichts. Darum ist es auch richtig, dass in den Nachtlokalen für junge Leute zwischen Maximiliansstraße und Sendlinger Tor immer auch ein paar Gleichaltrige anwesend sein, die genauso schick aussehen und sich benehmen wie die Stammgäste. Sie können mit Smartphones filmen und fotografien wie andere auch. Doch diese Geräte haben einen Alarmknopf zur Polizei, und es ist jederzeit möglich, dass von einer Minute auf die andere alle Besucher durchsucht werden. Es ist ganz sicher, dass Viele nur so davor geschützt werden können, sich selbst zu zerstören.