Bright Eyes

17.5.2016. Fällt ein Termin aus, kommt dafür ein anderer. Das gilt für jeden Plan. Selbst die Voraussage des Wetters ist wie Lotto, denn die Elemente wechseln ständig. Temperatur. Windstärke. Luftdruck. Jahreszeit und Klimazone.

Verabredet man sich, kann das platzen. Dann geht man einfach nur die Straße weiter. Und plötzlich ist da ein Gesicht, das lächelt, obwohl es ein paar Wochen vorher Streit gab. Kein Grund für Diskussionen. Man sitzt zusammen, und dann war das Schweigen nur noch eine überflüssige Pause. Ostafrika. Die erste Spur der Menschen fand man in Äthiopien. In Ägypten lebt heute noch die erste Hochkultur der Pharaonen in vielen Zeichen weiter. In Pyramiden, Königsgräbern, deren Spitzen hoch zum Himmel weisen, zu den Galaxien im Weltraum. Vorgestern, am Sonntag, las man in der Presse, dass es neue Super-Teleskope gibt. (ELT – European Extremely Large Telescopes). Jedes davon hat 798 Spiegel-Elemente, 4 cm dick, 1,5 Meter lang). Sie unterscheiden sich im winzigen Nano-Bereich von einem Millionensten Millimeter und passen sich jeder Zielrichtung an. So hoffen die Astronomen, auch noch ganz unbekannte Bereiche des Weltraums ausleuchten und auswerten zu können.

Ähnliches las man vorgestern aus anderen Forschungsgebieten. Doch selbst die feinsten Seismographen stoßen an Grenzen. In Ostafrika hat die starke Sonne die Haut dunkel gefärbt. Doch das ist nur die Fassade, hinter der die Menschen aller Kontinente ähnlichen Naturgesetzen folgen. Die Oberfläche ist zur Wahrnehmung ein unersetzliches, starkes Element, doch zum gründlichen Verständnis weniger wichtig. So war es gestern, mehr als drei Stunden. Wenn Fremde miteinander sprechen, gibt es zunächst nur Mauern, die nicht zugänglich sind. Doch in der Körpersprache, der Mimik, den Veränderungen der Gesichtsmuskulatur, zeigen sich unausgesprochene Reflexe. So wie in einem vielköpfigen Orchester, das durch kurze Augenbewegungen zu den Zeichen seines Dirigenten einen Klang erzeugt. Im Gedankenaustausch, in Gesprächen gilt das Gleiche. Signale werden wortlos ausgetauscht. Stichwörter sorgen für ein Echo. Oder nicht.  Dann geht man besser.

Werden Zeichen wahrgenommen und erkannt, öffnen sich geistige Räume, die kein Messinstrument allein erforschen kann.  Phantasie. Umwelteinflüsse. Erfahrungen. Erlerntes Wissen. Wenn das gelingt, entstehen Emotionen. Die Einsamkeit der Individualkulturen scheint sich aufzulösen. Eine alte Utopie, die in der Realität immer wieder scheitert. Doch es gelingt, nicht nur einmal. Augen können technisch gebaut werden, als Mikroskope, in Kameras. Aber selbst das menschliche Auge reagiert nur in erkennbaren Grenzen auf Außenwirkungen, nicht nur auf die physikalische Energie des Sonnenlichts, sondern auch auf  Bewegungen in der Außenwelt, die von der Psyche verarbeitet werden. Hier ist die Wissenschaft erst am Anfang. Der amerikanische Sänger Art Garfunkel hat das in einem Lied ausgedrückt, dessen Text leicht verständlich ist, aber noch ganz Anderes enthält: „Bright Eyes“ – Helle Augen sind auch ein Mittel der Erkenntnis. Hier kann man das hören:

„Bright Eyes“

https://www.youtube.com/watch?v=a502RejLz8s

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