Commissario Brunetti

1.4.2016. Die Bücher der in Venedig lebenden Krimi-Schriftstellerin Donna Leon spielen an ihrem Wohnort. Sie hat es allerdings verboten, dass Veröffentlichungen in der italienisches Landessprache  erscheinen. Grund könnte die hohe Realitätsnähe der Handlungen sein. Erfundene Romane brauchen keinerlei Beweise zu liefern. Das ist ein juristischer Kunstgriff, um teure Verleumdungsklagen abzuwimmeln. Für die Verfilmungen hat sich das Deutsche Fernesehen die Rechte gesichert. Sämtliche Hauptrollen werden von deutschen Schauspielern gespielt, die mit schwarzgefärbten Haaren, dunkel getönter Gesichtsfarbe, echter ialienischer Alltagsmode und den blauen Polizei-Uniformen der Carabinieri sehr authentisch wirken. Die Optik der Filme ist raffiniert. Ein Postkarten-Venedig in strahlendem Sonnenschein, mit alten Palästen und lauschigen Gassen am Canale Grande. Doch hinter der leuchtenden Fassade lauert das Böse in allen Varianten, von mörderischen Erbschleichern bis zum Organisierten Verbrechen mit geschmierten Beziehungen und bewährten Querverbindungen zur Polizei, Behörden, Millionären und Spitzenjuristen, die sich ihren Anteil am großen Kuchen gesichert haben. Doch der ermittelnde Commissario Brunetti ist selbst als Einzelkämpfer tatkräftig gegen alle Schattenfiguren im Einsatz und kommt ihnen auf die Schliche. Zum Finale gehört es dann oft, dass eine reiche Signorina vor den Augen ihres Hauspersonals verhaftet wird oder der Gastgeber einer üppigen Terassen-Party sich vor seinen feiernden Freunden anhören muss, in welche krummen Geschäfte er verstrickt ist.

Die Phantasie ist kein Luftgebilde, sondern ein starkes Instrument, um Lücken zu schließen, wenn die Grenzen des Beweisbaren erreicht sind. Wenn tausend bunte Glassteine zueinander passen, dann entsteht ein großes Mosaikbild, das im ersten Morgenlicht seine Farben verstärkt.  Wenn draußen die Straßen heller werden, folgt der Nacht  ein unruhiges Gewimmel, das chaotisch wuchert, wenn es nicht gebändigt wird durch klare Regeln, Offenheit und Transparenz. Die nächtlichen Sumpfblüten müssen damit rechnen, dass Antennen immer feiner werden und den Sperrmüll deutlich sichtbar machen. Schon in ferner Vergangenheit, in frühen Zeiten waren es selbständig arbeitende  Elemente der Natur, die im Schlaf, in Träumen die Erfahrungen, Erinnerungen verknüpften, verarbeiteten und neue Erkenntnisse auslösten. Neue Messmethoden unserer Zeit haben unendliche Möglichkeiten, natürlich auch bei folgenschweren Irrtümern. Grenzenlose Fälschungstricks bei Dokumenten, Fotos, Videos sind das Hauptgeschäft von Spezialfirmen. Die Methode der Nachbearbeitung (Postproduktion) kann sogar in bewegten Filmbilder alle Details total verändern und mit einer detaillierten Pseudo-Realität austauschen, die es am Original-Ort gar nicht gibt. Solche Manipulationen lassen sich anwenden bei Konkurrenzkämpfen, politischen Kampagnen, privaten Streitereien oder unbequemen Denkern.

Die Atmosphäre der Schatten im Halbdunkel wird zum Klang in Nino Rotas Musik zum Kinofilm „Der Pate“:

https://www.youtube.com/watch?v=1aV9X2d-f5g
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