Das Auge der Isis

18.3.2016. Über Nacht war er wieder da, vor drei Tagen; Der weiße Schnee verpackte mit einer lückenlosen Hülle die Straßen, Häuser, mit einer Farbe, die alle anderen verschwinden lässt. Silberglitzernd in der Sonne. Doch heute ist schon Alles wieder weg. Denn unter den weißen Flächen schläft die Farbenpracht der nächsten Jahreszeit, so wie im Schlaf neue Gedanken früh erwachen für den nächsten Tag. Das gefällt nicht Allen. Doch das stärkste Licht ist da. Wenn es erlischt, bewegt sich gar nichts mehr.

Werden Pflanzen nicht richtig versorgt, verdorren sie. Sind die Schalen einer Waage nicht auf einer Ebene, einer Höhe, dann entstehen starke Spannungen. Die Welt ist im Ungleichgewicht. Behandelt man, wie die Berliner Regierung, die Staatsfinanzen schlecht, verschwinden sie und fehlen für die Reparatur von alten Brücken, Krankenhäusern und für die sozial Schwachen, die schon lange hier leben. Zahnräder müssen ineinander greifen, sonst stottern auch die größten Maschinen. Nicht nur das Messbare, zur Wechselwirkung gehören auch Psyche, Phantasie und Emotionen, die nicht vorherzusehen sind, auch nicht mit Computer-Prognose-Programmen. Wie beim Wetter – da verändern sich ständig die auslösenden Elemente Luftdruck, Windgeschwindigkeit, Temperatur und Feuchtigkeit. Noch komplexer sind biologische Gebilde. Eine Pflanze, ein Tier bestehen aus unendlich vielen Einzelheiten, die jede für sich selbst aktiv ist, doch erst im Zusammenspiel der Kontraste ein wirkungsvolles Eigenleben, Energie entfesseln.

Das Auge der Isis war im Alten Ägypten ein Zeichen des Schutzes vor Gefahren, Sie war die Göttin der Geburt, der Wiedergeburt, der Magie, aber auch Totengöttin.

Etwas Ähnliches findet man in alten christlichen Kirchen. Dort stand der Altar im Osten, wo die Sonne aufging, und dahinter sah man ein Dreieck, dessen Spitze nach oben zeigt, zum Firmament, mit einem goldenen Strahlenkranz. Mittendrin wachte ein Auge. Das Auge Gottes, der Alles sieht.

Das stärkste Auge unserer Zeit ist das Internet, das auch die feinsten Datenspuren nach vielen Jahren findet. Beispiele dafür sind Sepp Blatters Weltfußballverband FIFA und die manipulierten Abgasprogramme bei Volkswagen, die noch Milliarden Folgekosten hinter sich herschleppen. Jeder Nutzer auf der ganzen Welt kann solche Entdeckungen machen, wenn er die Datenfluten zu bändigen weiß, Zusammenhänge, Hintergründe und Ursachen erkennt und das Wissen mit anderen teilt. Facebook und Mails enthalten Schatzkammern, die noch gar nicht geöffnet wurden. Der  Gläserne Mensch, erzeugt durch tausend Augen von Big Data, ist nicht mehr originell, schafft keinen Fortschritt, keine neuen Welten, lässt Alles ganz allmählich verdorren. Der Untergang der südamerikanischen Maya-Kultur vor tausend Jahren geschah auch deshalb, weil sie Raubbau und Zerstörung an der Landschaft betrieben, die sie ernährte.

Musik hat eine eigene starke Energie. Vorlage sind exakte Notenzeichen, doch erst im Klang entsteht Dynamik. Das Dionysische, Rauschentfesselte, mit eigenen Fehlervarianten, wird bei nüchternen Sachthemen oft nicht beachtet und führt deshalb zu Fehleinschätzungen, so wie alles Andere, was man nicht sieht und nicht erkennt.

So wie zum Beispiel die „Sphärenmusik“

https://www.youtube.com/watch?v=evRtecaHj1w