Das Drama um Peter Hofmann

12.8.2020. Der Sänger Peter Hofmann (1944 – 2010) wurde 1976 schlagartig bekannt. Er überzeugte mit großen, schweren Opernrollen, war Zehnkämpfer, sang mit schwarzer Lederkluft amertikanische Rockmusik. Viele Aufzeichnungen davon gibt es. 1986 sah ich ihn auf der Musikbühne als „Tristan“. Die äußerst anstrengende Partie brachte er, auch darstellerisch eindringlich, in bewundernswerter Höchstform, mit erstklassigen Kollegen und in einer märchenhaft romantischen Inszenierung, wo ein riesiger silberner Baum im zweiten Akt die ganze Bühne ausfüllte.

Doch das Glück blieb ihm nicht treu. Seine zweite Ehe mit der Sängerin Deborah Sasson scheiterte 1990. Die Hintergründe wurden damals immer wieder in der Presse breit getreten. Der Wahrheitsgehalt lässt sich von außen nicht überprüfen, aber es muss schrecklich gewesen sein. Ab 1992 sang er fast nur noch in Musicals oder machte Filmaufzeichnungen mit Rockmusik. 1994 verschlimmerten sich gesundheitliche Störungen, von denen er sich nicht mehr erholte.

Künstler-Tragödien können auch wegen Kleinigkeiten beginnen. Am kleinen Stadttheater Münster sang ein befreundeter, führender Solist eine Mozart-Rolle, als pötzlich ein wackeliges Dekorationsteil von der Decke stürzte. Trotz einer begleitenden Staubwolke direkt vor seiner Nase machte der Sänger einfach weiter. Danach war die Stimme weg, und er trat nie mehr auf.

Ein Musikfreund erzählte mir: Als Joseph Keilberth am 20.7.1968 in der Münchner Staatsoper „Tristan und Isolde“ dirigierte, gab es mitten in der großen Liebesszene einen lauten Knall. Das Orchster hörte auf zu spielen. Die Vorstellung wurde wegen des plötzlich verstorbenen Dirigenten abgebrochen. Ein paar Gäste sollen danach zur Abendkasse gegangen sein und ihr Eintrittsgeld zurückverlangt haben. Wer eine solche Karte nicht aufbewahrt, war sicher im falschen Film oder hat gemeint, er wäre gegenüber, im nahegelegenen Hofbräuhaus.

Die Tragödien spielen sich manchmal viel unauffälliger ab. Mit einem langjährigen Freund habe ich 1998 den Bayreuther „Parsifal“ besucht. Rechts neben mir saß eine vornehm aufgedonnerte ältere Dame. Ihr Bedürfnis, eizuschlafen, wurde immer stärker. Eine halbe Stunde vor der zweiten Pause nähert sich dann unvermutet, ganz langsam ihr teuer frisierter Kopf und blieb auf meiner Schulter liegen. Man kann tatsächlich dreißig derartige Minuten in totaler Bewegungslosigkeit verbringen. Aber dann bin ich einfach weggegangen. Die musikalische und optische Darbietung war nicht mehr auszuhalten. Eine Stunde später tauchte auch mein Begleiter auf, der eisern durchgehalten hatte. Er erzählte, „Als du nicht mehr zurück kamst, wurde die alte Dame gefragt, was sie dir denn getan habe.“ Sie hatte gar nichts, aber die richtigen Reflexe ausgelöst.

Zehn Jahre später war es der gleiche Ort. „Siegfried“. Diesmal kündigte, schon während der ersten Pause, der Begleiter seinen sofortigen Aufbruch an. „Du brauchst mir nie mehr eine Eintrittskarte mitzubringen.“ Das ist auch geschehen.

Solche Erlebnisse sind ja keine überraschenden Zufälle. Die Gründe dafür entwickeln sich ganz langsam. Die Ursachen werden jahrelang ganz offen, öffentlich diskutiert. Aber es ist wie in der Politik oder in großen Konzernen; Der geschäftsführende Vorstand, das Management muss wachsam sein und beweglich, frühzeitig reagieren. Jede größere Firma hat zusätzlich einen kontrollierenden Aufsichtsrat. Das kann eine Wirtschaftsprüfungsfirma mit gutem Ruf sein oder eine Stiftung, die Steuergelder, Spenden und Sponsorengeschenke verwaltet und deren notwendige Ausgaben im Detail vorher genehmigt, natürlich nach laufender Bewertung der Kassenbücher und der zulässigen Buchungen, Einnahmen und Ausgaben. Ist das nicht selbstverständlich? Nein.

Manchmal geschen dann Wunder. Bei der Zuteilung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 für Deutschland („Sommermärchen“) sollen verbotene Zahlungen geleistet worden sein. Bei den genauen, computergesteuerten Abgasmessungen bekannter deutscher Autofirmen sollen die Ergebnisse absichtlich falsch gewesen sein.

Zunächst war das ein großes Problem für die beteiligten Sportsfreunde, deren verärgerte Anhänger und die professionellen Förderer des Autofahrens. Doch vor ein paar Wochen gab die Justiz bekannt: Alles ist verjährt! Dafür gab es eine medizinische Begründung. Die Diagnosen waren aber falsch. Ein paar Opfer haben auch schon gemerkt, dass ihnen Entschädigungen zustehen. Schadensersatz. Das darf sich aber nicht herumsprechen. Die Presse hält sich aber trotzdem nicht daran. Ungelöste Probleme sind das Thema von jedem Kriminalfilm. Oder stundenlanger Diskussionsrunden, wo Alle das Selbe erzählen, bis Keiner mehr zuhört. Anders geht es offensichtlich nicht. Das beweisen unsere Nachbarländer, auch die fremdsprachigen Bewohner ferner Kontinente.

Und es gibt trotzdem viele Erfahrungen, die so gut und fehlerlos waren wie die faszinierende „Tristan“-Aufführung 1986 mit Peter Hofmann. Zwei Jahre später sang er „Music was my first Love“, damals in Bestform. Auch optisch passte er sich seiner Rolle an:

https://www.youtube.com/watch?v=zQJ8NxdVfSI

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