Das Heilige Russland

9.9.2016. Der Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks ab 1990 traf Russland besonders hart. Das Riesenreich zerbrach.

Wladmir Putin will seinem Land zu neuer Größe verhelfen. Aus westlichen Quellen wird das heftig diskutiert. Bequemerweise unterlässt man es, sich gründlicher hinein zu versetzen in die Perspektive, die Sichtweise des Kreml. Deren Fundament ist das vor hundert Jahren untergegangene Zarenreich und die Veränderungen danach. Neben den politischen Erdbeben gibt es eine Überlieferung, die mit der Literatur von Puschkin, Dostojewski und anderen verbunden ist, mit Malern wie Ilja Repin, der Mussorgsky zur Klang-Kathedrale der „Bilder einer Ausstellung“ inspirierte, die der archaischen Architektur alter Gotteshäuser nachempfunden ist.

Den Stolz auf diese Vergangenheit muss man nicht kritiklos, aber respektvoll einschätzen, also ernstnehmen.

An solchen Einsichten scheint es der westlichen Politik zur Zeit zu fehlen. Doch Schuld an Krisen haben nicht immer die Anderen.

Morgens um 8.00 Uhr, in einem Straßencafé am Wiener Platz, werfen die alten Häuser lange Schatten. Die Farben des Sonnenlichts glühen intensiver. Nachtschwärmer, die den beginnenden Tag durchgezecht haben, trinken ihren ersten Kaffee. Und wen man dann trifft, kann eine Atempause wert sein. Ein junger Mann mit heller Gesichtsfarbe gab sich nach einigem Hin und Her als Russe aus Moskau zu erkennen. Keiner der alten Geistesriesen, aber der Gegenwart hell aufgeschlossen, mit kritischem Kopf und stolz auf sein Land. Ein einfacher Arbeiter, also „das Volk“, das Lenin und Marx als Idealbild des Staatsbürgers entwickelten. Wie unter einem Brennglas bündelten sich die Einflüsse der großen Welt, hatten zwar keine weltbewegende Wirkung, aber ließen viele Rückschlüsse zu. Die antike Tabula Smaragdina überlieferte: „Das Große ist wie das Kleine.“ Oder: Der Makrokosmos hat die gleichen Regeln wie der Mikrokosmos.

Unterwasserkameras leuchten die Tiefen der Ozeane aus und entdecken farbige, lebendige Welten mit ganz eigenen Gesetzen, denen man sich nur behutsam nähern darf, wie einem fremden Denken, das der Dummheit sich verweigert und der Unkenntnis. So wie ein Instrument.

Tschaikowskys „Ouvertüre 1812“ vermischt eigene Ideen des Komponisten mit überlieferter Volksmusik und der Zarenhymne:

https://www.youtube.com/watch?v=VbxgYlcNxE8

.