Das Lied vom September

1.9.2015. Wechselnde Bilder bringt der Herbst. Kürzere Tage. Ein Farbenmeer. Hinter umwölkter Stirn die Klarheit der Gedanken, wie flutende Wellen, ein Teil des Ozeans der sichtbaren Dinge.

Kräuselnde Wellen an kleinen Seen auf dem Land, am Deininger Weiher, am stillen Weßlinger See, auf den Terrassen  in Hinterbrühl. Das Laubdach kühlt und gibt den Blick frei bis  zum Horizont, wo schneeweiße Wolken langsam vorüberziehen.

Der Mann aus Honduras spricht fließend Deutsch, ist arbeitslos in Berlin. Er sagt, „Ganz Berlin ist arbeitslos.“ Das stimmt nicht, erklärt sich aus persönlicher Perspektive. Tatsächlich hat Berlin die höchste Arbeitslosenrate bundesweit, die höchste, millliardenschwere Schuldenlast. .

In der Sommerhitze ein junger Mann aus Mühldorf am Inn, lange neunzig Zugminuten von München entfernt. Doch er reist oft an, hat viele Freunde hier. Er kennt die Manipulationen der Internetwelt. Hellwach ist er und wird noch viele Tore der Erkenntnis öffnen, auch die Schatten aufspüren, die immer klarer sichtbar werden…

Zum Beispiel die Machenschaften der geheimen Dienste und bezahlter Auftragsfirmen, die eigentlich nichts als Freiheit und Verfassung schützen sollen, doch außer Kontrolle geraten sind und sogar gegen klare, offene Kritiker hinterlistig kämpfen. Gewissenlose Feinde der Menschenrechte, wie einst die verbrecherische Stasi in der DDR, jetzt ausgestattet mit neuen Mikrofonen, winzigen Kameras, versteckten Lautsprechern und schamloser Überwachung aus dem Schatten..Allmachtsphantasien. Doch alles kommt ans Licht, ist rekonstruierbar, auch die feinsten elektronischen Spuren. .

Als Kontrast das Hofbräuhaus. Pausenlos wälzen sich Stadtbesucher vorbei. Am Nebentisch ganz nahe Fußballfans. Sie fachsimpeln. lachen laut und bellen heftig, prosten mir zu. Sie achten auf den Tonfall des Zuhörers, ob er zu ihren Sprüchen und Themen passt, öffnen sich ohne falschen Zungenschlag.

Der Blick wendet sich zurück, auf  die weiten Landschaften der Erinnerung, auf starren Winterfrost und grelle Sommerhitze, vergleicht Details, bewertet sie nach ihrer Wirkung.Sichtbar wird, wer auf den falschen Sesseln   klebt, den Fortschritt hemmt. Im Hintergrund sind viele wechselnde Bilder: Rauschende Wälder, kühle Flüsse, weite Horizonte, Gipfelhöhen und schwarze, abgründige Schluchten – alle regen an das Feuer der Ideen, türmen höher das Gebirge der Vergangenheit, öffnen große Tore zu den Gärten, die noch keiner sah.

Das ist ein Nachhall, eine Kirchenorgel, die wie ein vielstimmiges großes Orchester schallt, in hohen Gewölben alter Kathedralen mit Echoklang noch mächtiger hallt und wirkt, als magische Zeichen an die Psyche, den Verstand, die Emotionen und damit gewaltige Kräfte weckt, wellenförmig brausend, flutend wie ein Ozean, mächtig hallend, inspirierend, wispernd, flüsternd, mit hohen Engelsstimmen  triumphierend,

So auch am Viktualienmarkt. Die Heilig-Geist-Kirche. Eintritt frei. Der festliche Barockaltar ist gedämpft angeleuchtet. Auf Fragebögen dürfen die Besucher das Programm bestimmen. Sie wählen die bekannten Stücke. Bachs mystische Toccata. Schuberts inniges Ave Marie. Händels festliche Feuerwerksmusik. Mozarts Kleine Nachtmusik.

Der Organist spielt lebhaft, routiniert. Ein paar Besucher schlafen ein. Bei freiem Eintritt bringt ein junges Ehepaar sein Kleinkind mit, das lautstark schimpft und Spielzeug fallen lässt. Drei junge Chinesinnen lauschen kerzengerade, hellwach den Klängen aus Westeuropa, die über Ozeane hallen, zu fernen Kontinenten, wo sie das Bewusstsein bewegen, verändern und erweitern.

Dazu passt das  berühmte September-Lied:

„Oh, it’s a long, long time, from May to December
But the days grow short when you reach September
When the autumn weather turns the leaves to flame
One hasn’t got time for the waiting game
Oh, the days dwindle down to a precious few: September, November
And these few precious days, I’ll spend with you.“

https://www.youtube.com/watch?v=kjiVbaA1-sc

Zum Thema der Gerechtigkeit gehören auch

„Die falschen Zungen“ .

http://luft.mind-panorama.de/falsche-zungen/