Das Unsichtbare wird erkennbar

14.5.2017. Was unsichtbar ist, kann man mit den Augen nicht erkennen. Strom zum Beispiel. Aber man kann die Wirkung, Herstellung in konkrete Regeln fassen und erforschen.

Albert Einstein hat mit der Relativitätstheorie alle vorher bekannten Forschungsergebnisse der Physik erschüttert. Sigmund Freud hat mit der Entdeckung des Unterbewusstseins gezeigt, dass der Mensch von Kräften beeinflusst wird, deren Erinnerung er gespeichert hat, die aber darauf warten, noch einmal geweckt zu werden, mit den Mitteln der Psychoanalyse.

Unsichtbar sind auch Geheimnisse. Wenn man sie nicht auflösen kann, nennt man das ein Mysterium. Schon in der Antike war das bekannt und ein wichtiger Teil religiöser Feste. Das Geheimnisvolle war zu allen Zeiten faszinierend.

Es gibt auch Geheimgesellschaften: Die Freimaurer, Rosenkreuzer, im Vatikan der  Opus Dei, die Jesuiten, zu denen auch der jetzige Papst gehört und viele Andere, die schon in früheren Jahrhunderten entstanden.

Aus der Schlagzeilenpresse kennt Jeder auch die Geheimdienste. Sie sind notwendig zum Schutz des Staates, solange sie kein illegales Eigenleben entwickeln und im Machtrausch außer Kontrolle geraten. Auch das wird immer wieder in zahlreichen öffentlichen Hintergrundberichten thematisiert.          

Auf deutschem Boden war nach dem Zweiten Weltkrieg der schlimmste Geheimdienst die angebliche „Staatssicherheit“ der DDR, abgekürzt als „Stasi“ und allseits bekannt. Ihr Hauptziel war die Einschüchterung der DDR-Bevölkerung, die Totalüberwachung auch mit technischen Mitteln. Jeder zehnte Bürger war bezahlter Informant aus staatlichen Geldern. Die anderen sollten als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) gegen Belohnung auch Freunde und Familienmitglieder bespitzeln und weitermelden.  Die Regimekritikerin Vera Lengsfeld hat später bei Durchsicht ihrer Stasi-Akte entsetzt festgestellt, dass ihr eigener Mann, mit dem sie auch zusammenlebte, laufend genaue Spitzelberichte über ihr Privatleben weitergab. Das ist Alles bekannt.

Und wofür dieser Schmutz? Die Nationalhymne der DDR, komponiert von Hanns Eisler, hieß „Auferstanden aus Ruinen“. Mit offiziellen Filmbildern von damals unterlegt, kann man das immer noch als Video anschauen. Hier ist der Crosslink:

https://www.youtube.com/watch?v=bWe6k1F5WKQ 

Auferstanden, nicht als Ruinen, sondern sehr lebendig. Stasi-Chef Erich Mielke konnte sich, erst nach dem Fall der Berliner Mauer, ganz plötzlich an Nichts mehr erinnern. Die medizinische Diagnose, Alzheimer, (altersbedingter Gedächtnisverlust) rettete ihn vor einer langen Gefängnisstrafe.

Aber wo sind seine Mitarbeiter geblieben? Wer beim Untergang der DDR  zwanzig Jahre alt war, ist heute nur wenig älter als Fünfzig, kann also noch lange nicht in Pension gehen. Was hat er in den letzten drei Jahrzehnten gemacht? Die Besten wurden übernommen vom Verfassungsschutz, den Landeskriminalämtern und den Security-Firmen, natürlich möglichst unauffällig. Dort durften sie ihr Expertenwissen weitergeben. Zum Beispiel Videoüberwachung in Privatwohnungen, Installation von nächtlichen Bewegungsmeldern  und Infrarotaufnahmen in der Dunkelheit, auch im Badezimmer. Dazu die Ausspähung von  genauen persönlichen Standorten über das Mobilfunknetz (Handys), Sammlung der Daten in Bewegungsprofilen, also alltägliche Gewohnheiten. Dazu heimtückische Prognose-Computer, deren Auswertungen es bequem ermöglichen, vorauszusagen, wohin genau Jemand geht, wenn er in eine bestimmte Straßenbahn steigt, Am Ziel wird er bereits von einem professionellen „Begrüßungskomitee“ erwartet. Oft verkleidete Schauspieler, die Ärger machen sollen. Derartige Schnüffeleien sind verboten. „Tatprovokationen“ zur vorsätzlichen Erzeugung von Überreaktionen dürfen vor Gericht nicht ausgewertet werden. Die professionellen Planer und die ausführenden Statisten müssen mit hohen Strafen rechnen und saftigen Entschädigungszahlungen. Derartige Exzesse haben nichts mit der Sicherheit des Staates zu tun, sondern mit der Fertigmachung von berechtigten Kritikern und der Annahme von hohen Bestechungszahlungen. Doch bisher unaufgeklärte Fälle können jederzeit ans Tageslicht kommen. Denn die Verschwiegenheitspflicht wird bei den Beteiligten auch auf die leichte Schulter genommen. Die zahllosen Mitläufer und ihr unkontrollierbarer Bekanntenkreis ergeben eine riesige Menge von geschwätzigen Mitwissern, die auch selbst gern reden.

Vor zweitausend Jahren schrieb der chinesische General Sun Tsi: „Das Ziel des Kriegs ist nicht der Sieg, sondern der Frieden.“

Das sehe ich genauso. Deshalb zum Schluss dieses Artikels ein paar Filmbilder, die versöhnlich stimmen.

Francis Ford Coppola beendet seinen bekannten Kino-Dreiteiler „Der Pate“,  über die New Yorker Mafia-Familie Corleone mit folgender Szene: Nach einem Besuch im Opernhaus von Palermo, wo man sich Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ angeschaut hat ( http://luft.mind-panorama.de/die-sizilianische-nationaloper-cavalleria-rusticana/  )

verlässt die Familie Corleone das Musiktheater. Ein falscher Priester erschießt die Tochter. Danach sieht man den alten Boss, Don Michael (Al Pacino) schweigend, nachdenklich allein in seinem Garten. Der Regisseur lässt noch einmal wichtige Bilder seines Lebens vorbeiziehen, begleitet von Mascagnis Musik. Dann  fällt der Stuhl des Alten um, und er ist tot. So hat auch diese Geschichte ein stilles Finale. 

Hier kann man die  Titelmusik des Films hören:

https://www.youtube.com/watch?v=kDjFsUN-QN0