Das Warten auf den Anfang

27.11.2019. Das Warten auf den Anfang ist immer eine spannende Zeit. Vor einem Fest, vor einer Reise oder einer Prüfung. Vorhersagen gelten gar nichts, schlauer ist man erst danach. Am Wochenende beginnt die Adventszeit, man wartet auf das Weihnachtsfest, und vorher wird jeden Sonntag eine neue Kerze angezündet, bis das Licht so hell ist, dass es von den Feiertagen überstrahlt wird. Am ersten freuen sich Alle über die Geschenke, am zweiten kommt die Verwandtschaft, und dann geht es erst richtig rund.

Der Anfang einer neuen historischen Epoche geschieht nicht über Nacht. Es gibt Vorzeichen, die immer stärker werden, und dann ist die Spannung zwischen altem und neuen Denken so groß, dass eine ganz neue Welt entsteht. Nicht im materiellen Bereich, sondern in der Betrachtung und Neubewertung des bisher Erreichten. Als die antiken griechischen und römischen Weltmächte ihre Aufgaben erledigt haten, verschoben sich die Machtzentren vo selbst nach Nordeuropa, wo im Mittelalter das Frankenreich dominierte.

Nach dem Mittelalter kam die Renaissance (Wiedergeburt der Klassik), und in Deutschland löste ein einziger Mönch, Martin Luther, eine völlige Erneuerung der Kirche aus. Vorher war er nach Rom gepilgert und fand den Kirchenstaat in einem derart hässlichen Zustand vor, dass er seine Stimme dagegen erhob. Selbst der Papst und der Kaiser konnten ihn nicht zum Widerruf bewegen. Er wurde offiziell als „vogelfrei“ bezeichnet. Jeder durfte ihn töten, ohne Strafe befürchten zu müssen. Gerettet hat ihn sein Landesherrscher, Kurfürst Friedrich der Weise. Er versteckte ihn auf der Wartburg im thüringischen Eisenach. Dort übersetzte Luther in Rekordzeit die gesamte Bibel in die deutsche Sprache. Seine Ideen vom Protestantismus verbreiteten sich dann über die ganze Welt.

Luther hatte die theologische Welt aus ihrem damaligen Chaos befreit und eine ganz neue Ordnung gefunden. Doch die Wirkung der einst mächtigen Kirche hat immer mehr nachgelassen.

Stattdessen herrschen auf der ganzen Welt andere gefährliche Spannungen, mit ganz anderen Ursachen. Die Industrialisierung im neunzehnten Jahrhundert stellte erst einmal die vorherige Arbeitswelt auf den Kopf. Und die Folgen des Internets drohen mittlerweile den verantwortlichen Politikern, Gesetzgebern und Behörden immer mehr außer Kontrolle zu geraten.

Alle warten auf einen neuen Anfang. Und der ist längst erkennbar, kann weiter entwickelt werden und große, überlebensnotwendige Fortschritte auslösen.

Es gibt überflüssige Gesetze und Regeln. Aber prinzipiell lebt und wächst das Universum davon, dass wichtige Regeln beachtet werden, die zwar von den Naturwissenschaften erforscht wurden, aber ignoriert oder nicht erkannt werden, aus Unkenntnis oder vorsätzlich. Viele Pressekommentare handelm täglich davon, bewirken aber nichts. Galileo Galilei (1564 – 1641 ) erforschtee durch nachprüfbare Messungen, dass die Sonne sich nicht um die Erde dreht, sondern umgekehrt. Damit widersprach er einem zentralen Dogma der katholischen Kirche und wurde als Ketzer von der Inquisition verhört. Deshalb widerrief er seine zutreffenden Erkenntnisse. Durchgesetzt hat er sich trotzdem.

Der Reformator MartinLuther ist auch Komponist und Textdicher des berühmten Weihnachtsliedes „Vom Himmel hoch, da komm ich her.“ Die Melodie wurde orchestriert von Johann Sebastian Bach, den Albert Schweitzer immer wieder in einem Atemzug mit Richard Wagner nannte: „Alpha und Omega“, also Anfang und Ende der Musik. Im Text heißt es: „Und wenn die Welt voll Teufel wär, und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr. Es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, so sauer er sich stellt, tut er uns doch nichts. Denn er ist schon gerichtet. Ein Wort nur kann ihn fällen.“

Hier kann man das hören:

https://www.youtube.com/watch?v=3GwvIdV6vbA