Das Weltgesetz

25.4.2016. Das Weltgesetz ist nicht verletzlich, doch es wird ständig angegriffen. Der Verstand erkennt und bereinigt die Verstöße. Der Instinkt sendet Impulse, wenn das Gleichgewicht gestört ist.  Zusammen sind Verstand  und Instinkt stärker als ausgeklügelte Pläne, Systeme. Denn so viele Länder, Städte wir von außen  betrachten, im Inneren sind sie verwandt und haben gleiche Regeln.

Die Autorin Donna Leon habe ich ein einziges Mal bei einer Autogrammstunde gesehen. Vorgelegt habe ich dabei keines ihrer Bücher, sondern den zweitausend Jahre alten Militär-Klassiker des chinesischen Generals Sun Tsu, „Die Kunst des Krieges“. Auch das passte zu ihr. Sie schreibt über die schattenhaften Kämpfe hinter der märchenhaften Fassade von Venedig, wo  ein paar Polizisten gegen schlaue Intelligenzverbrecher kämpfen, die zwar reich und mächtig sind, aber die Gesetze nicht ernst nehmen. Das macht sie schwach, und selbst die feinsten Spuren sind noch jahrelang rekonstruierbar. Erkenntnis setzt allerdings Kenntnisse voraus, nicht nur von der materiell sichtbaren Welt, sondern auch von den vielen unterschwelligen Kräften, Antriebsmotoren und ihren Querverbindungen. Sie formen die Energie, die alles Handeln auslöst und steuert, aufgeladen mit den Zeichen ferner alter Zeiten, deren Wurzeln auch die Gegenwart aufbauten, bis zu deren höchsten Säulen und Palästen, an schmalen Flüssen, die durch feine  Marmorbetten gleiten. Alles bewegt sich, nichts bleibt unveränderlich. Die fest gebauten Burgen schützen keine meterdicken Mauern vor der Eroberung und dem Verfall.

Zu den starken Steuerelementen gehört das Unterbewusstsein, die Psyche. Sie spiegelt sich in reiner Form in der Musik. Die Aufzeichnungen des Dirigenten Valery Gergiev mit russischen Meisterwerken sind dabei etwas Besonderes. Beim Moskauer Osterfestival  gab es unter seiner Leitung Prokoviews Fünfte Sinfonie zu hören. Herbe, eigentlich schwer zugängliche Klänge. Doch Gergiev lebt darin, und sein Petersburger Orchester  empfindet mit ihm im Gleichklang. Schroffe Akkorde, durchwogt von Anklängen an melancholische slawische Folklore. Düstere Wucht, durchflutet von Lichtsignalen. Die ständigen kurzen Augenkontakte der Musiker mit den Handbewegungen ihres Chefs zeigen, dass sie ihn genau kennen und auch auf sein wechselndes Mienenspiel reagieren. Die Zeichen werden verstanden. Mittlerweile leitet er auch die Münchner Philharmoniker, die sich immer mehr an ihn gewöhnen und seine Innenwelt erfassen. Noch vor der Entwicklung der menschlichen Sprache waren Klänge die ersten akustischen Erkennungszeichen. Das Meeresrauschen, Blätter im Wind, knisterndes Feuer, Ozeanwellen im Sturm. Daraus entwickelten sich Trommeln und die ersten Instrumente. Flöten, Harfen, Trompeten, mit denen prähistorische Rituale begleitet wurden.

Meisterhaft dirigierte Gergiev auch  Nikolai Rimsky-Korssakovs „Sheherazade“, hier bei den Salzburger Festspielen 2005:

https://www.youtube.com/watch?v=SQNymNaTr-Y

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