Der Sonntag, kein Feiertag

11.10.2020. Der Sonntag gilt als Feiertag. In einer anderen Denkweise ist das aber der Samstag. Das wurde gestern hier genau erklärt. Aber keineswegs unbedingt als Tag für ausgelassen Partys, sondern für die Freude über das bisher Erreichte. Die muss überhaupt nicht laut sein.

Der Sonntag ist etwas ganz Anderes. Ein Ruhetag. Die Wochenarbeit, dazu gehört auch das Treffen mit gedanklich Verwandten und echten Freunden, ist erledigt. Jetzt kommt das Nachdenken, ohne störende Ablenkungen, Rummel und Hektik. Das hat sich in der Realität längst verändert. Alle Feiertage sind eigentlich als Gedenktage festgelegt. Aber sie werden für etwas ganz Anderes verwendet. Träge Gewohnheiten. Tagesausflüge. Fressereien. Veranstaltungsbesuche mit Massenandrang. Politische Großversammlungen und kämpferische Aufrufe, wie der Erste Mai.

Also einfach weiter – die werktägliche Unruhe, nur mit ganz anderen Namen. Gedacht war das aber als Ruhepause, als Zeit für die Meditation, für das Nachdenkern über das Wichtigste: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Was das früher war: Vor Allem Krisen und Kriege. Heute: Unsicherheit über weltweite Störungen, seit Ende März, aus den bekannten medizinischen Gründen. Das geht jetzt schon ein halbes Jahr und hatte radikale Folgen. Ausgerechnet das öffentliche Zusammenleben ist schwer beschädigt. Schärfere Verbote für beliebte Treffpunkte. Aber immer noch kein Heilmittel. Kinos und Theater sind geschlossen oder laufen auf Sparflamme. Darüber wachen überall Sicherheits- und Ordnungskräfte, mit Strafandrohungen. Die besten Sänger und andere Theaterkünstler sitzen nicht auf der Bühne, sondern zu Hause, statt dass man sich an die unvermeidlichen Änderungen anpasst und aktiv wird, mit ganz neuen Ideen. Einige Musiker sind jetzt auf dem Höhepunkt ihres Könnens und begeisterten vorher ihr Publikum Doch oberstes Gebot zwischen Fremden ist jetzt der Sicherheitsabstand. Denn die verursachenden Tröpfchen-Infektionen werden übertragen, durch Husten, Niesen und feuchten Atem. Das muss aber nicht Alles lahm legen, sondern nur die natürlichen Aktivitäten verlagern. Auf andere Themen, Techniken im elektronischen Bereich und damit zur Unterhaltung oder gedanklichen Weiterbildung. Der Spielraum wird größer, für die gezielte Nutzung des Internets, für eine freiwillige, weltweite Produktivität und Kommunikation, ohne ständige Unruhe und Hektik.

Es ist wie ein Warnsignal. Zu Vieles ist, schon seit Jahren, in die falsche Richtung gelaufen. Die Mehrheit hat lachend dabei mitgemacht, aber jetzt geht es nicht mehr, vermutlich nicht nur für ein paar kurze Monate.

Man spart viel Geld dabei, statt es zu verplempern. Man trifft weniger Schwätzer und schwarze Übelkrähen, die Unheil wollen und verbreiten., mit Grinsen und bester Laune. Dieser Spaß hört mittlerweile auf. Das allgemeine Tempo hat sich verlangsamt. Aber das ist keine Schlafmützigkeit, sondern eine neue Chance. Besseres zu finden. Man braucht dafür nicht, immer mehr neue, ständig abwechselnde Leute, sondern eine gesteigerte Qualität. Das ist für Jeden etwas ganz Anderes und wird begrenzt durch Dummheit, Schlechtigkeit und böse Einflüsse aus der nächsten Umgebung. Familie, Freunde. und der Beruf. Dort warten Zeitgenossen, die man sich nicht selbst ausgesucht hat. Manchmal geht das gut. Zu oft gibt es aber Machtkämpfe, gute Belohnungen für heuchlerische Schleimer, buckelnde Untertänigkeit unter unfähigen Herrschergestalten. Mobbing gegen berechtigte Kritiker. Und dann gemeinsam, lachend in die unvermeidliche Pleite. Denn irgendwann kommt die Schlussrechnung für Alle. Das Jüngste Gericht. Und vorher der Weltuntergang.

In der Johannes-Apokalypse, geschrieben vom Lieblingsjünger des ermordeten Christus, spielt die Zahl Sieben eine große Rolle. Das ist die Summe der Wochentage, die mit dem Sonntag enden. Dem Ruhetag zum Nachdenken, zur jahrelang vernachlässigten, notendigen Reue und Einsicht.

Johannes verbreitete seinen berühmten, bildgewaltigen Text an sieben frühe christliche Gemeinden in Griechenland, dort aus dem kleinen Ort Patmos. Er sagt: Vor dem Altar Gottes stehen drei Fackeln und vier Lebewesen: Löwe, Stier, Mensch und Adler. Die sieben Siegel eines schweren Buchs werden geöffnet, mit den dunklen Zeichen bevorstehenden Unheils. Dann erschallen sieben Posaunen. Sie verkünden die Schrecken des bereits kurz bevorstehenden Weltuntergangs. Satan kämpft gegen die Gerechten. Ein Drache und eine Frau treten auf. Die Hure Babylon. Sie sitzt auf einem Tier mit der dreifachen Ziffer 666, das ist der Satan. Sie ist betrunken vom Blut der Heiligen.

Es folgen Ernte und Weinlese. Die Früchte des Zorn Gottes über die verdorbene Welt verwandeln sich in Blut. Die sieben Engel mit den sieben letzten Plagen zerstören die Welt und leeren die Schalen mit dem Zorn Gottes. Flüsse und Berge verschwinden. Die Mutter aller Huren (die Göttin Roms), betrunken vom Blut der Heiligen, sitzt auf dem scharlachroten Tier mit der Ziffer 666. Sie und der Satan werden von zornigen Engeln vernichtet. Im Weltgericht wird das Buch des bisherigen Lebens aufgeschlagen. Die Sünder werden in den Abgrund der Hölle gestoßen. Die Gerechten leben an der Seite Gottes, im neu erstandenen Paradies. Er schafft eine neue Welt: „Seht, ich mache Alles neu.“ Von ihm geht das Wasser des neuen, fruchtbaren Lebens aus, an dem die Bäume des Lebens stehen.

Der Baum des Lebens hat zehn Zweige, die neuen Regeln, in zehn Ebenen. Sie sind an der Wurzel ganz breit und werden dann kleiner, weil ihre Kraft sich konzentriert und immer stärker wird. Ganz oben ist die Krone: Lateinisch „Corona“. Das ist Gott selbst.

Das ist deutlich, muss aber nicht wortwörtlich stimmen. Die Symbolik ist eine ganz alte Bildersprache, noch vor der Erfindung der Buchstaben, der Schrift. Schreckensbilder kann man übersetzen wie Vokabeln. Und deuten. Wer sich heutzutage umschaut, weiß schnell, was gemeint ist. „Buona Domenica“, das ist ein Gruß zum „guten Sonntag“. Der kann auch Probleme bringen, aber es ist die beste Zeit zum Nachdenken, zum Meditieren, für den Dekalog, die zehn Gespräche mit Gott über seine Weltordnung und die Universalgesetze, die Zehn Gebote.

Am Ende dieses Tags kann Jeder eine eigene Bilanz ziehen. Eine positive oder eine negative. Sie ist immer die Basis für die nächste Woche. Für eingefrorenen Stillstand oder für notwendige, neue Projekte.

Immer wieder hörenswert: Händels „Eternal Source of Light Divine“. Die ewige Quelle des göttlichen Lichts:

https://www.youtube.com/watch?v=YW1GM0mxp7A

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