Der Tanz mit dem Wolf

18.8.2020. Vor dreißig Jahren tauchte ein neuer Film auf, den Keiner erwartet hatte. Die Zeit der beliebten Cowboy-Abenteuer war längst vorbei. Daran konnte zunächst auch der große Publikumserfolg des neuen Werks nichts ändern. Auch die Geldgeber waren misstrauisch. Da steckte der Hauptdarstller und Regisseur sein eigenes, privates Geld in das Projekt, von dem er auch nicht abzubringen war. „Der mit dem Wolf tanzt“. (Dancing with the wolves). Es hat viele Jahre gedauert, bis ich mir dieses Ereignis angeschaut habe.

Für die Musik sorgte ein klassisches Sinfonieorchester, unter der persönlichen Leitung des berühmten Komponisten John Barry. Er fand wieder eindringliche Melodien, im üppigen Breitwandformat arrangiert. Diesmal dominierten Posaunenchoräle, die im feierlichen Tempo den ausgedehnten Panorama-Landschaftsbildern im Indianer-Gebiet eine heilige Atmosphäre gaben. Die starke Licht-Regie hatte ihre lebendige Quelle in alltäglichen Naturerscheinungen, die mit suggestiven Farbwirkungen vertieft wurden. Nicht nur Hauptdarsteller Kevin Costner bekam einen verstärkten Gesichtsausdruck durch die wechselnden Naturfarben zu allen Tageszeiten, vor allem im flammenden Zwielicht der Abenddämmerung und endlos dahinmarschierender Reiterzüge.

Eine Kurzfassung der Handlung reicht. Der Soldat John Dunbar (Kevin Costner) will allein auf einem verlassenen Außenposten auf seine Kameraden warten, im besetzten Land der Sioux-Indianer. „Ich will den Westen sehen, so lange es ihn überhaupt noch gibt.“ Damals waren viele Indianer, die ersten Ureinwohner, bereits aus ihren Wohngebieten verjagt und in separate Reservate zwangsweise umgesiedelt worden. John Dunbar wird bei seiner Ankunft zunächst misstrauisch beobachtet. Seine militärische Verstärkung verzögert sich. Aus der räumlichen Nähe mit den Indianern werden erste Kontakte und dann Freundschaften, auch mit einem Anführer. Dazwischen sieht man die Jagd großer Büffelherden, den Kampf mit einem anderen Indianerstamm, bis nordamerikanische Soldaten aus Dunbars eigener Garnison auftauchen. Er wird als Hochverräter verhaftet, kann aber fliehen. Zu Beginn des Abspanns, am Ende erfährt der Zuschauer, dass auch die bisherige Freiheit der Sioux-Indianer gewaltsam zerstört wurde. Damals das Ende des Wildens Westens.

Der Wilde Westen ist heute noch ein Stichwort für moderne Gesetzlosigkeit und räuberische Verbrecherbanden, die ganze Städte mit Gewalt beherrschen. Im Klassiker „High Noon“ (Zwölf Uhr mittags) lassen sich die anständigen Bürgen sogar von drei Gangstern so einschüchtern, dass sie sich in ihren Häusern verstecken und dem Sheriff (Gary Cooper) jede Unterstützung verweigern. Als er trotzdem gesiegt hat, wälzen sich die Bewohner als große Masse dankbar auf ihren Retter zu. Aber er reißt sich sein Polizei-Abzeichen, den Stern aus Metall, schweigend vom Hemd und wirft ihnen das Abzeichen verächtlich vor die Füße.

So ging es nicht nur im vorletzten Jahrhundert zu. Im Lauf der Jahre kommt es immer noch zu Auftritten und Situationen, für die der „Wilde Westen“ immer noch das richtige Schlüsselwort ist. Die Methoden haben sich verfeinert, sind raffinierter geworden und versuchen, unauffällig, unsichtbar zu bleiben.

Der zeitweise Erfolg dabei kommt nicht nur vom technischen Fortschritt, sondern vom Kenntnisstand der Beteiligten. Daten gibt es sowieso genug und immer mehr. Aber man muss sie richtig auswerten können, Schäden im klappernden Getriebe rechtzeitig erkennen. Solange das nur schlampig, nachlässig oder absichtlich geschieht, lebt auch der „Wilde Westen“ immer weiter.

Zur Belohnung winkte damals die Beute aus Banküberfällen und einsamen Geldtransporten durch die Wildnis. Bei hohen Gewinnen machen Viele gern mit. Aber selbst das spricht sich immer schneller herum.

Erstaunlich ist dabei die Geringschätzung und Missachtung berechtigter hoher Gewinne, auf legalem Weg. Ein Filmproduzent sagte mir vor zwei Jahren, „Wir haben die neueste Technik. Aber uns fällt nichts mehr ein.“

Das war voll daneben. Denn die beiden genannten Ursachen, Material und Verstand, sind eigentlich sehr wirkungsvoll. Doch nicht mehr in der schleppenden Dauerkrise der Filmbranche. Das Internet und andere Methoden haben dort einen heftigen Kahlschlag erzeugt, der gar nicht mehr zu ändern ist. Die Arbeitsplätze werden weniger. Die Arbeitslosen werden immer mehr. Wer sich nur noch als hampelnder und strampelnder Statist durchschlägt, landet im Nichts. Mit Betroffenen habe ich oft gesprochen. Sie machen einfach weiter.

Wo sind die echten Chancen, die realistischen Alternativen? Darüber habe ich viele Artikel geschrieben, für Jeden nachlesbar.

Vielleicht liegt es an der Grundeinstellung. Bequemlichkeit. Geringe Lernbereitschaft. Dabei gibt es Angebote genug. Hier wird zwangsläufig oft über Probleme geschrieben. Kurz und deutlich. Aber immer mit dem Angebot, der Analyse von Lösungen. Damit verdienen einige professionelle Branchen viel Geld. Nur kein Neid! Wenn die Methoden in Ordnung sind.

Die Vereinigten Staaten haben nicht nur Kriege mit den Indianern geführt. Sie haben damals auch für die wichtigen Güter- und Personenzüge wetterfeste Stahlschienen vom Atlantik im Osten bis zum Pazifik im Westen gebaut, mit denen viele Arbeiter ihr ganzes Leben beschäftigt waren. Die langsam entstandene Weltmacht ist stolz auf diese Monumente der Vergangenheit. Über die Misserfolge kann man offen reden, aber für pauschale Schwarzmalerei ist die Zeit zu schade, die dringend für die Zukunft gebraucht wird.

Außer den zuverlässigen Stahlschienen wurden auch die langen Fernstraßen immer wichtiger, die Lastwagen und andere Autos rasch durch das ganze Land transportierten. Diese gut ausgebauten Straßen nannte man „Highways“ (Hochstraßen). Beruflich benutzt wurden sie von „Highway Men“, Lastwagenfahrern, die auch die Erinnerung an die gute alte Zeit der Cowboys schätzten und, unterwegs zum legendären Westen, eine eigene Musikrichtung liebten: „Country and Western“ (Land und Westen) .

Im Jahr 1990 gaben die „Highwaymen“ ein umjubeltes Konzert. Die Stars Willie Nelson, Jonny Cash, Kris Kristofferson standen gemeinsam auf der Bühne und sangen Lieder wie „Good Morning, America, how are You?“, „Ghost Riders in the Sky“ und viele andere:

https://www.youtube.com/watch?v=RnGJ3KJri1g

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