Der Traum vom welkenden Herbstlaub

2.9.2020. Den Traum vom welkenden Herbstaub gibt es nicht. Naturerscheinungen sind als Detail nichts Besonderes, aber sie dominieren keinen einzigen Traum als Alleinunterhalten, sondern nur als Teil einer chaotischen Bilderschau, einer Revue.

Dafür ein anderes Beispiel. Ganz stark in Erinnerung ist ein einzelner Traum, schon seit Jahren. Ich war im Auto eines alten Freundes der einzige Mitfahrer bei einer Reise durch Spanien. Dort waren wir tatsächlich noch nie gemeinsam, Das Land kenne ich nur als – einmaliges – Urlaubsziel vor vierzehn Jahren. Aber nicht die menschenleeren Gegenden in der Wildnis. Im Traum fuhren wir durch eine unbewohnte, ausgetrocknete Landschaft. Am Straßenrand tauchten, in kurzen Abständen, immer mehr Tankstellen auf, ohne Kundschaft. Wir hielten aber an jeder einzelnen, bis ich mich beschwerte, dass es zu viele wären. Beim nächsten Halt stieg ich aus. Plötzlich war der Fahrer verschwunden. Nur das Auto war noch da. Und dann wurde ich wach.

Monatelang danach war es nur erstaunlich, dass der Traum mit allen Einzelheiten immer wieder im Gedächtnis auftauchte. Aber dann war die Lösung auf einmal da. Man musste die einfachen Bilder nur in einen anderen Zusammenhang bringen. Damals habe ich mich gern in der Freizeit an Wirtshaustheken mit unbekannten Gästen unterhalten. Die Gespräche gerieten manchmal so in angenehme Bewegung, dass laufend „nachgetankt“ werden musste. Beim Fortgehen hat mir aber oft der korrekte Endbetrag der Abechnung nicht gefallen. Solche Alltagsgewohnheiten kann man ändern. Danach ist der Traum von der Tankstelle in der spanischen Einöde verschwunden und nicht mehr aufgetaucht.

Das Unterbewusstsein hatte Warnsignale abgegeben. Der Kostenfaktor wurde gesenkt, die Gewohnheiten geändert. Das Problem, die Ursache spielte keine ernsthafte Rolle mehr. Im Gegenteil: Wenn man nette Leute trifft, kann man auch mit ihnen gemeinsam anstoßen. Aber der Körper meldet selbst und rechtzeitig, wenn Feierabend ist. Einer neugierigen Ziege habe ich mal nur kurz erzählt, dass ich nichts gegen einen entspannenden Umtrunk habe. Da hörte sie gar nicht mehr auf, vorwurfsvoll ihren Kopf zu schütteln, ruckartig, als Zwangsreflex. Das ist als zur Bewertung völlig ausreichend. Ein Warnsignal, um solchen Leuten ausnahmslos aus dem Weg zu gehen. Ich war froh, dass ich die Gurke nicht näher kennengelernt habe. In diesem Fall ist das eine Empfehlung für den Rest der Welt. Das Belauern, Kontrollieren und Herumschwatzen hat seit Jahren extreme Formen angenommen. Die sehr sinnvollen Mobiltelefone werden immer mehr für heimliche Passantenfotos missbraucht, als eingeschaltetes Mithörgerät für beste Freunde und zur Standortfeststellung für Zielpersonen, deren Nase zu kurz ist. Solche verbotenen Fotos kann man in eine Suchmaschine eingeben, die dann das ganze Internet nach Doppelgängern durchsucht. Plötzlich tauchen sie auf, immer noch ahnungslos, auch bei Facebook, und dort gibt es dann noch mehr exklusive, vertrauliche, aber frei verfügbare Informationen über fremde Gäste in Stammlokalen, denen man immer schon mal die Meinung sagen wollte.

Die ernsthafte Traumforschung ist ein wertvolles Instrument, um problembelasteten Menschen zu helfen. Ein älterer Facharzt sagte mir einmal, dass er den Eid des Hipokrates nicht kenne und ihn gar nicht unterschrieben habe. So etwas unterschreibt man auch nicht. Der Grieche Hippokrates ( 460 – 370 v. Chr.) war der berühmteste Arzt des Altertums. Seine Eidesformel verpflichtete jeden anderen Arzt, seine Kenntnisse ausschließlich zum Wohl, also zur Heilung der Patienten zu verwenden, für ihre Gesundheit. Die historischen Skandale wurden danach trotzdem noch viel heftiger. Im Dienst von Alleinherrschern haben Ärzte wie Sklaven Befehle ausgeführt. Einige besonders verbrecherische Figuren sind nach dem Zweiten Weltkrieg ins Ausland geflüchtet. Aber die menschenverachtende Denkweise ist aktiv und lebendig. Im Wikipedia-Lexikon findet man die ganz alten und die ganz aktuellen Fälle. Jeder kann sich dort informieren. Aber offensichtlich werden die Wissenslücken immer größer.

Computerspiele haben einen großen Freundeskreis. Sogar Musikinstrumente lassen sich damit erlernen. Spezialkenntnise über Arbetsabläufe und die Organisation großer Konzerne auch.

Wer bei den Compterspielen Fehler macht, bezahlt meisens nur mit wertlosem Spielgeld. Doch der ganze Zeitvertreib kommt direkt aus der harten Wirklichkeit, wo Firmen durch schwere Managementfehler Pleite gehen und selbst die besten Mitarbeiter anschließend beim Arbeitsamt landen. Die Spiele werden immer schlauer und realistischer, als hätte man sie mit versteckten Kameras gedreht. Aber das ist überflüssig. Jedes Detail in einem Videofilm kann so verändert werden, dass es täuschend echt aussieht. Das nennt man „Virtual Reality“. Immmer mehr Firmen verdienen Geld damit, aber damit wird der zu verteilende Gesamtkuchen auch immer kleiner. Ein Wachmann aus der Security-Familie erzählte mir schon vor Jahren, dass alle Ampeln auf Rot springen, wenn seine Chefs sich um einen neuen Sicherheits-Auftrag bewerben. Denn die Konkurrenz will auch mitmachen. Zitat: „Bei denen bricht dann der Dritte Weltkrieg aus.“ Die notwendigen Arbeitswerkzeuge sind bereits vorhanden. Pech ist nur, wenn ein Kandidat dami unangenehm auffällt. Dann bekommt er überaupt keine wertvollen Aufträge mehr, und die bisherigen werden fristlos gekündigt. Auf einem begrenzten Arbeitsmarkt, der ständig schrumpft.

Bei deratigen Wettkämpfen entscheidet die Qualität der Mitarbeiter. Dumme und faule Kollegen erkennt der Chef selbst. Oder böse Neidlinge flüstern es ihm ins Ohr. Aber manchmal herrscht auch Dunkelheit, wenn es um schlechte Erfahrungen mit der Justiz geht. Selbst wer berechtigten Zugriff auf den Polizeicomputer hat, kann auffällig werden, wenn Informationen aus seinem Bereich bei den falschen Leuten landen.

Wieder geht es hier keinefalls um negative Pauschalurteile. Die Mehrzahl der Staatsdiener arbeitet hart und zuverlässig. Meine Eindrücke stammen aus der öffentlich zugänglichen Presse und dergleichen. Die persönlichen Erfahrungen sind Zufallsgespräche, die ich fast nur in guter Erinnerung habe. Wirtshaustheken sind traditionell eine beliebte Möglichkeit, bei persönlichen Sorgen heißen Dampf abzulassen. Eingemischt habe ich mich dabei nicht. Unvergesslich ist der einfach gekleidete Mann, der sich darüber freute, auch über die Zitronenplantagen in Alaska sprechne zu können. Bei der Verabschiedung sagte er, dass er gern unser Gespräch an einem anderen Tag fortsetzen wollte. Ich sagte nur, „Das werden deine Chefs nicht erlauben.“ Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber seitdem grüßt er nicht mehr, ist aber keineswegs unfreundlich. Das ist wichtig, in allen Situationen des Lebens: Man darf Niemandem ein Gespräch aufdrängen. Mit Belästigern sollte man kein einziges Wort reden. Mithörer gibt es zwar überall, manche auch mit heimlich eingeschalteten Handy-Mikrofonen. Derartige technische Fallenstellereien lehne ich ab, würde niemals eine andere Person überwachen. Zu Ergebnissen kommt man auch ohne Perücken und schwarze Sonnenbrillen. Der wertvollste Erfolg ist mit Geld nicht bezahlbar: Wenn das Alltagsgeschwätz an Wirtshaustheken, das sonst Alles durchkaut, ausnahmsweise Lücken hat.

Vom anfangs erwähnten „welkenden Herbstlaub“ muss man nicht träumen. Man sieht es erst Mitte Oktober. Das berühmte „Septemberlied“ hat Kurt Weill komponiert, von dem auch die Lieder in Bert Brechts „Dreigroschenoper“ stammen. Der Text ist eindeutig: „Es ist eine lange Zeit, von Mai bis September. Doch die Tage werden kurz, wenn du den September erreichst.“

Wenn Frank Sinatra ein Lied übernahm wurde es sein eigenes, also unverwechselbar. Hier kann man das hören:

https://www.youtube.com/watch?v=GgJssY-WX2Y

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