Der Zeiger der Uhr dreht sich rückwärts

21.9.2016. Jeden Tag kann man sie hautnah sehen: Menschen aus den fernsten Kontinenten. Was früher nur in Fernsehbildern sichtbar wurde, ist ganz nah. Es kommen immer mehr Chinesen. Zunächst als Touristen. Dann als Investoren. Und dann bleiben sie.

Die fernen Länder sehen ganz anders aus. Auch deren Einwohner. Doch hinter bunten Oberflächen, vielen Hautfarben sind sie nah verwandt. Das merkt man rasch, wenn man mit ihnen spricht. Nicht nur die Flüchtlinge haben Viel zu sagen. Doch insgesamt sind es zu viele. „Willkommenskanzlerin“ Angela Merkel bekam am letzten Sonntag bei den Berliner Wahlen die deutliche Quittung der Wähler: Ihre Partei CDU stürzte ab auf ein Rekordtief von 24 Prozent.

Das Gegenteil habe ich vor drei Jahren selbst erlebt. In einem jahrelang besuchten Lokal habe ich gesagt, „Zu viele Menschen sind auf der Titanic.“ Die Wirtin schrie „Ein Ausländerfeind!“ Dann setzte es ein Lokalverbot, trotz aller Erklärungsversuche.  Das macht nichts. Seit meinem 21. Lebensjahr war ich immer mit Ausländern befreundet, die mittlerweile auch so ähnlich denken. Bei der aktuellen Flüchtlingspolitik rasen die Staatsausgaben tagtäglich in steile Höhen von Milliarden Euro, während die Staatskasse kaum noch Geld hat für Rentenerhöhungen, Sozialausgaben, Altersheime, überfällige Renovierungen von Straßen und Städten.

Man muss sich nicht wichtig machen, wenn man ganz andere Zeichen setzt. In meinen Stammlokalen gibt es Deutsche aus allen Gesellschaftsschichten, von abgehobenen Opernfreunden und Handwerkern, die keine Bücher lesen. Wer jedoch hier im Land gar nicht aufgewachsen ist und erst seit ein paar Jahren da lebt, bietet tiefe Einblicke in eine völlig andere Denkweise, die Wirkung der Vergangenheit und eigener Erfahrungen. Von einem Russen kann man mehr aus seinem Land erfahren als jeder kluge Zeitungskommentar. Ein Ostafrikaner weiß, warum er nicht zurück will. Chinesen freuen sich, dass ihr selbstbewusster Staat sich langsam immer weiter öffnet.

Das Alles verknüpft sich mit den eigenen Erfahrungen. Der Zeiger der Uhr dreht sich rückwärts, in der Erinnerung. und zeigt ein Riesenpanorama von Bilder und Gesichtern, die immer noch ein Echo und Signale senden.

An langen Sommertagen, bei vielen Eindrücken im hellen Licht, läuft die Zeit schneller ab. Der Lebensweg vieler Menschen läuft manchmal parallel, nach dem Kalender und den Aufenthaltsorten. Doch nicht nach dem Inhalt. Der Verstand sammelt Eindrücke, sammelt und ordnet. Gefühle sind das Fundament, doch wie Schaum von Wasserwellen, die verfliegen, Impulse senden und verlöschen. Albert Einstein wusste: Die nachprüfbaren Formeln der Wissenschaft sind relativ, verändern sich nach ihren Einzelteilen, Eigenschaften, Elementen.

Zur Zeit ist der September kühl, morgens bei zwölf Grad plus, wie im November. In der Wahrnehmung beschleunigen sich auch die Jahreszeiten. Eine Energie, die ahnungslose Wichtigtuer nicht verstehen und nutzen können, wenn sie nicht gebändigt wird von Meistern, die im Schatten träumen, denken.

Solche Ideen findet man auch in leicht verständlichen Texten, deren herbstliche Bilderfülle noch ganz andere Erkenntnisse enthält.

Frank Sinatra sang im Jahr 1965 dazu eines seiner besten Lieder:

„It was a very good year“

https://www.youtube.com/watch?v=C7ur8VXAXv8

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