Der zweite Untergang der Dinosaurier

15.10.2019. Vor Millionen Jahren verschwanden die riesigen Dinosaurier, die wegen ihrer Stärke keine natürlichen Feinde hatten. Von ihrer Existenz wissen wir nur durch die Knochenskelette, die in vielen Museen ausgestellt sind. Die BBC hat schon vor Jahrzehnten sehr echt wirkende Dokumentarfilme hergestellt, in denen die untergegangenen Riesen der Urzeit mit Haut und Knochen, zusammen mit ihrer damaligen Umgebung, bis ins feinste Detail wieder lebendig wurden. Heute ist das kalter Kaffee. Vor Allem die Horror- und Abenteuerfilme haben die technischen Möglichkeiten immer raffinierter ausgebaut, und trotzdem gähnt man nur noch, weil Monumentalfilme wie „Gladiator“ vor allem in ihren Massenszenen sofort erkennen lassen, dass sie am Computer entstanden sind. Roland Emmerich hat in seiner Shakespeare-Verfilmung zwar dessen Londoner Globe-Theater mit traditionellen Aufbauten gezeigt, aber beim gewaltigen London-Panorama sieht man sofort, dass es am Laptop entstanden ist. Demnächst will er mit seinem Kollegen Wolfgang Petersen (gemeinsamer Künstlername: Wolfland Peterich ) dessen alte Erfahrungen mit der „Unendlichen Geschichte“ und dem „Millionen-Spiel“ nutzen und die täuschend echt virtualisierten Abenteuer eines kleinen Jungen zeigen, der aus einem verlassenen Haus mit Hilfe des Zauberdrachens Fuchur in die weite Welt hinausfliegt und dabei von einer riesigen Menge an verkleideten Fernsehzuschauern mit immer neuen Gruseleien überrascht wird. Leider kann man jetzt schon ahnen, dass angesichts der großen Konkurrenz an identischen Produkten der Film nach ein paar Tagen wieder aus den Kinos verschwindet, weil die Leute sich längst für die neuesten Netflix-Filme begeistern.

Die Filmbranche ist wegen der jahrzehntelangen hohen Nachfrage längst überbesetzt, weist aber Nachwuchsschauspieler und andere Spezialisten nicht deutlich genug darauf hin.

Dinosaurier nennt man alle Organisationsformen, die zu alt und groß geworden sind und trotzdem sich nicht verändern. Auch sie müssen untergehen, obwohl sich das frühzeitig verhindern lässt. Die Kunst der Voraussage mit Prognose-Computern ist zum Beispiel bei Security-Firmen immer wirkungsvoller entwickelt worden. Ein einfaches Beispiel: Wenn ein Unschuldiger überwacht werden soll, kann man mit Hilfe des Mobilfunknetzes und leicht zugänglicher Spezialprogramme jederzeit seinen Standort ermitteln. Hat er Stammlokale, macht das Programm ein Profil seiner täglichen Gewohnheiten. Das ist zwar für Privatleute und Detektivüros streng verboten, wird aber trotzdem gemacht. Natürlich nur von den Schwarzen Schafen, die es in jeder Branche gibt. Mit dem vollautomatischen Bewegungsprofil kann man arrangieren, dass der ahnungslose Mensch in die Straßenbahn nach Grünwald steigt, unterwegs an den Bavaria-Filmstudios vorbeikommt und am Ziel bereits von einem Begrüßungskomitee verkleideter Provokateure erwartet wird, die sich am Nebentisch mit dreifacher Lautstärke unterhalten oder sonstige unheimliche Bewegungen vortäuschen. Manchmal hilft dann eine Bemerkung, in gleicher Lautstärke, „Bitte schreien Sie doch noch lauter. Ich bin schwerhörig und will kein Wort von Ihnen verpassen.“ Wenn das nicht hilft, muss man sich einfach etwas Anderes einfallen lassen.

Dinosaurier gibt es überall. Große Unternehmen, die nicht mehr konkurrenzfähig sind, aber trotzdem weitermachen. Bis zur Pleite. Politische Parteien, die jahrzehntelang erfolgreich waren und dann plötzlich massenweise Wähler und damit ihre Existenzgrundlage verlieren.

Die Gegenmittel sind zwar erkennbar, werden aber ignoriert, weil Provinzkönige, außerdem unfähige Schleimer, Intriganten und Betrüger sich fest an ihre goldenen Thronsessel klammern.

Die Heilmittel lassen sich auch in Kurzform deutlich beschreiben, aber das ersetzt nicht eine gründliche sehr zeitaufwändige Beschäftigung mit den Ursachen und deren Lösungen, die offen auf der Hand liegen, aber trotzdem nicht umgesetzt werden. Zum Beispiel die frühzeitige Untersuchung teurer Projekte auf ihre späteren Erfolgsaussichten. Die Einhaltung von Sparsamkeitsregeln. Den Hinweis an neue Mitarbeiter auf alternative Möglchkeiten. Die Vermeidung zu oft gesehener Wiederholungen, auch bei den Zuschauertests durch Statisten in der Innenstadt, bei denen die Opfer oft gar nicht gefragt werden, sondern in Smartphone-Videos als Schulungsmateral missbraucht werden. Hier ist die rote Grenze zur Straftat längst überschritten, und trotzdem machen Viele dabei mit.

Von Wunschphantasien hat Keiner etwas, sondern nur von einer realistischen Einschätzung der Gesamtsituation, auch in anderen Arbeitsbereichen. Das Thema ist längst eine unendliche Geschichte, aber kein Märchenfilm. Wenn bei einem sehr begabten, sympathischen Schaupieler mittleren Alters geklaute Papierservietten aus der Hosentasche hängen, dann fehlen ihm in fortschreitenden Alter längst die gut bezahlten Hauptrollen. Wenn man solche, teilweise sehr interessanten Leute zu einer Pizza einlädt, lehnen sie manchmal sogar das ab. Aber falsche Scham ist in der Medienbranche sonst gar nicht so oft zu sehen. Und wer arm ist, hat auch das Recht, sich einladen zu lassen. Eine Lösung auf Dauer ist das allerdings nicht.