Die Bach-Stadt Coethen in Sachsen-Anhalt

7.10.2020. 1717 bis 1723 arbeitete Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) in Coethen, wohl die kreativste Zeit seines Lebens, als Hofkapellmeister, im Dienst des Landesfürsten Leopold, mit dem er sich gut verstand.

Seine überragende Kunst besteht darin, dass er streng logische Noten schrieb, dazu einen passenden Kontrast, den Kontrapunkt, der gleichzeitig, als zweite Melodie zu hören ist. Das Gesamtergebnis ist aber nicht kühl, sondern tief vergeistigt. Eine weltferne Meditation, mit der ständigen Annäherung an die geheimnisvoll Mystik und deren Verbindung zur transzendenten Dimension des Religiösen, die in seinen allermeisten Werken die Hauptrolle spielt. Die Zeitlosigkeit der geistigen, grenzenlosen Unendlichkeit.

Bach verwendet oft kindliche, also gar nicht wichtige Texte, in seinen zahlreichen Kantaten und in den großen musikalischen Passionen zur Leidensgeschichte von Christus. Vor Allem steigerte er sich darin, in seiner besten Passion, nach dem Apostel Matthäus. Da es außerdem noch die drei anderen Verbreiter der christlichen Botschaft gab, die Apostel Markus, Lukas und Johannes, der im fortschreitenden Alter auch das Ende der Welt beschrieb die Apokalypse, den kommenden Weltuntergang. Deshalb bekam Bach sogar den ehrenvollen Spitznamen „Der fünfte Evangelist“. Und mehr noch: „Das ist kein kleiner Bach, sondern ein Ozean“, notierte Richard Wagner (1813 – 1883). Und seine eigene Meistersinger-Ouvertüre enthält sogar einen dreifachen Kontrapunkt: Gleichzeitig werden drei Haupt-Melodien der „Nürnberger“ Musik gespielt. „Das ist angewandter Bach!“, freute sich der Komponist. In den Meistersingern werden die Regeln, die alten Gesetze der Gesangskunst, für die anwesenden Handwerker, im Stil einer strengen Bach-Kantate erklärt. Die nächtliche Prügelei der Nürnberger Bürger erschallt im zackigen, hämmernden Tonfall einer Bach-Fuge.

Bach war jähzornig. Dazu gibt es einige überlieferte Anekdoten. Streit ging er nicht aus dem Weg. Aber seine Musik vereint alle Gegensätze, auf einer viel höheren Ebene.

Seine Musik war zwischendurch halb vergessen, bis Felix-Mendelssohn-Bartholdi (1809 – 1847) seine privaten Einkäufe, ausgerechnet bei einem Leipziger Metzger, in Papier eingepackt wurden. Er entdeckte darauf Noten von Bach. Danach kümmerte er sich sehr um die Wiederbelebung der zeitlosen Werke.

Bachs sechs berufliche Stationen, nach der Kindheit, bis 1695 in der späteren Lutherstadt Eisenach, waren danach Ohrdruf, Lüneburg, Arnstadt, Mühlhausen, Weimar und Coethen, 1717 bis 1723. Große Weltreisen machte er nicht.

Nach der Zeit in Coethen, Sachsen-Anhalt, aber nur zwei Leidens-Jahre lang, bis 1725, übernahm er, im fortschreitenden Alter, eine feste Stelle in Leipzig. Dort unterschrieb er, aber nur als Dirigent. Als bekannten Komponist wollten, ausgerechnet ihn, die seltsamen Leipziger Stadträte nicht. Deshalb gab es immer wieder Streit, weil Bach einfach immer weiter machte. Die kleinlichen Stadträte zankten und schimpften, auch einfach immer weiter. Immerhin ist er, aus heutiger Sicht, der bedeutendste Komponist der Barockzeit, unverändert hoch bewundert. Albert Schweitzer nennt ihn in einem Atemzug mit Richard Wagner, „Alpha und Omega“. Anfang und Ende der Musik. So ist es.

25 Jahre nach der dunklen Zeit in Leipzig, am 28.7.1750, starb er. Seine Musik ist unsterblich. Glasklar und gleichzeitig sehr meditativ.

Im Festsaal des barocken Schlosses der Bach-Stadt Coethen spielt jetzt das Freiburger Barockorchester, die sechs Konzerte von Bach, mit denen er berühmt wurde. Die konzentrierten Musiker sind lebhaft, aber ganz genau, und sie schaffen gleichzeitig das Wichtigste: Ein Signal aus der Mystik. Im Konzert Nr. 3 werden von Bach, also vom „Fünften Evangelisten“ die vier wichtigsten Solo-Instrumente, Violine, Oboe, Trompete und Flöte, einzeln vorgestellt, im Gleichklang mit dem ganzen Orchester:

https://www.youtube.com/watch?v=uw2dlZ8V4-0

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