Die entschleunigte Zeit

12.2.2016. Die Zeit verlangsamen kann eigentlich Niemand. Sie wird von präzisen Atomuhren auf das Genaueste gemessen. Doch Einsteins Relativitätstheorie bewies, dass auch scheinbar unveränderbare Konstanten von anderen abhängen, also auch veränderlich sind. Das kann man laufend im Alltag erleben. Geht man über einen öden, zubetonierten Autoparkplatz, können dreißig Minuten sehr lang sein. Verbringt man die gleiche Zeit bei einem Spaziergang durch eine blühende Naturlandschaft mit ihrer Überfülle an lebhaften Details, registriert das Wahrnehmungsvermögen eine viel kürzere Zeitspanne.

Als Jugendlicher hält man die Zukunft für unendlich groß, voller Träume und Hoffnungen, Ziele. In späteren Jahren ist es umgekehrt. Dann sind die wesentlichen Aufgaben erledigt oder als nicht erfüllbar abgehakt, Aber der Blick zurück bringt ständig Neubewertungen, neue Perspektiven und die Erkentnis von Fehleinschätzungen, Irrtümern und Aktivitäten, die zu nichts führen. Die gedämpften Zwischenwelten des Wartens und Verweilens, der Meditation, werden immer wichtiger, wie ein Atemholen vor den nächsten großen Toren der Erkenntnis, die sich öffnen.

Die entschleunigte Zeit, die nach Einstein sogar gekrümmt ist, bietet die größten Entdeckungen, mehr als die Datenflut im Internet. Vor hundert Jahren konnte Niemand in die tiefsten Abgründe der Weltmeere schauen. Mittlerweile sind dort Unterwasserkameras im Einsatz, die ständig Bilder senden von einer farbenprächtigen Welt im Dunkeln, die immer deulicher sichtbar wird. Das gilt für alle Bereiche, und Niemand kann es aufhalten, auch wenn es immer noch versucht wird, mit politischer Macht und viel Geld.

Die Flamme der Inspiration und die Kälte des Hasses sind schlechte Verbündete, weil sie die  Regeln verletzen, in einer ewigen Weltordnung, die alles durchdringt. Hinterhältige Komplotte, Intrigen, verdeckte Seilschaften mit ihren Querverbindungen hinterlassen Datenspuren im Internet und werden immer schneller enttarnt. Die Säulen der Gerechtigkeit dulden keine Schändung.

Der erste Tempel Salomos entstand im sechsten Jahrhundert vor Christus. Salomo gilt als Inbegriff der Weisheit. Vor dem Tempel  standen zwei bronzene Säulen, Boaz und Jachin, die Säulen der geistigen Kraft und Stärke. Und der Gerechtigkeit, die alles regiert, auch wenn vorübergehend das Chaos ausbricht.

In Händels Oratorium „Judas Maccabäus“ heißt es: „Falscher „Weisheit Truggespinste täuschen uns mit arger Lust. Doch kein Reiz der Zauberkünste heilet unsere kranke Brust.“ Ein wirkungsloses Medikament oder ein unfähiger Arzt heilen gar nichts. Doch da gibt noch viel Wirkungsvolleres. Das Nachdenken über Ursachen und die Entdeckung von Lösungen. Georg Friedrich Händel konnte mit seinen musikalischen Einfällen selbst dunklen Ereignissen den festlichen Glanz der Hoffnung geben. Dazu hier ein Besipiel:

Janet Baker singt ein Lied aus „Judas Maccabäus“:

https://www.youtube.com/watch?v=nb7WaqcLL5E

Und so sieht es draußen aus: Vorn ein Arbeiterlokal, im Hintergrund der Kirchturm. Zwischen beiden Polen spielt sich die ganze Welt ab.

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