Die frühesten Treffen

4.8.2020. Die frühesten Ausflüge fanden in einer einzigen Umgebung statt: Elternhaus und Garten. Dort war der sichtbare Horizont begrenzt. Erst mit dem Schulbeginn wurden auch Treffen bei Nachbarn oder Mitschülern erlaubt, also mit sechs Jahren. Direkt vor dem Haus verlief eine Durchgangstraße, und die wenigen ersten Autos galten schon als gefährliche Gefahrenquelle. Erwischt hat es aber nur den treuen Hund, eine schwarzweiß gefleckte Promenadenmischung, der selbst Vertrauen verbreitete, aber damit auch seinen größten Fehler machte. Weil die vorbeikommenden Autos sich bewegten, war er sicher, dass er ihnen entgegenlaufen durfte. Solche Fehler macht man nur einmal, andere lassen sich reparieren. Die älteren Lehrer waren damals unerbittlich. Es hagelte scharfe Vorwürfe, böse Meldungen bei den Eltern. Ein Religionslehrer schlug sogar mit einem Aufgabenheft vor allen Anderen auf den kritisierten Schüler ein. So herrschten strenge Autotitäten, die als Kinder selbst genauso erzogen worden waren. Sie machten später einfach weiter. Erst vor sechzig Jahren hat der Staat solche hemmungslosen Übergriffe ganz verboten, natürlich auch zwischen Berufskollegen oder in Familien. Wer trotzdem schwerhörig ist, muss dafür mindestens eine finanzielle Entschädigung zahlen. Bei solchen überzogenen Auffälligkeiten sind die Gerichte überhaupt nicht zimperlich. Spürbare Denkzettel sind längst automatisch fällig bei allen Vorfällen, die deutlich im Strafgesetzbuch stehen. Der Text ist öffentlich zugänglich, auch die fälligen Strafen kann Jeder nachlesen. Trotzdem geht den überlasteten Staatsanwälten, Richtern und Anwälten nicht die Arbeit aus. Gewissenlosigkeit, Raffinesse, Mitwisser halten die sehr alte Maschine in Schwung, dazu Täuschungsmanöver und durchschaubare Vertuschungsversuche. Jeden Tag sind die zahllosen Medienberichte voll davon, und die gesammelten Daten werden sogar immer mehr, vor Allem in offenen Sozialen Netzwerken, wo die anonymen „Freunde“ und Schwätzer sich täglich vermehren, die Alles über sich selbst erzählen, was Keiner wissen will. Und auch nicht wissen muss. Mittlerweile haben Schwerbrecher solche Fundgruben auch entdeckt.

Die „frühesten Treffen“ im Leben hinterlassen auch die viel späteren Wirkungen. Erinnerungen. Verletzungen. Traumata. Das sind verwertbare Erfahrungen und gehört zum Fundament, als wertvoller Grundstock für zukünftige Jahre. Erschütternd ist es immer wieder, wenn manche vielversprechenden Existenzen trotzdem unerbittlich scheitern, auf eine schräge, schiefe Abwärtsspirale geraten und ihre letzten Lebensabschnitte in Wut und Verzweiflung verbringen. Ausbaden müssen das sogar Unbeteiligte. Deshalb ist es nicht zu vermeiden, entschlossen Abschied zu nehmen, loszulassen oder auch mal die Tür laut hinter sich zuzuschlagen. Klebrige Belästiger machen das trotzdem nicht, sondern verschwenden die Reste ihres Verstandes mit ausgekochten Kampagnen, Lügen und Intrigen. Dagegen sind auch Großkonzerne und Spitzenpolitiker nicht geschützt, sondern sogar immer wieder selbst dabei aktiv, als Anstifter und Mitwisser.

Seit 2007, also nicht erst seit gestern, wird das unverschämte „Stalking“ bestraft: Das hartnäckige Belästigen einer Person, um ihr zu schaden. Neben dem Schadensersatz / Entschädigungen können die Gerichte gegen hartnäckige Wiederholungstäter auch Freiheitsstrafen oder andere spürbare Sanktionen verhängen. Die verbotene Nutzung elektronischer Schnüffelmethoden spielt dabei eine immer größere Rolle, weil sie angeblich keine Spuren hinterlassen. Das ist ganz falsch..

Die Wikipedia bietet zum „Stalking“ umfangreiche, sehr lesenswerte Informationen:

.https://de.wikipedia.org/wiki/Stalking

Jede Bewegung im Leben hinterlässt Spuren. Überwiegend, erfreulicherweise zum nicht aufhaltbaren Fortschritt. Man kann heute die feinsten Spuren Jahrtausende zurückverfolgen. Sogar gelöschte Datenspeicher lassen sich wieder sichtbar machen. Eine verdienstvolle Fernsehsendung wie „Aktenzeichen XY“ konzentriert sich sogar auf ungelöste Fälle. Die Spitzenermittler in schwarzen Anzügen zeigen dazu kleine Spielfilme zum Tathergang. Alle warten gespannt auf Anrufe der Zuschauer: „Ich weiß, wer es war!“ Gelegentlich hilft das, aber das Risiko von Denunziationen und bösartigen Nachbarn ist auch da.

Die allseits bekannte Täterjagd bringt einen harmlosen Bekannten seit vielen Jahren immer wieder zur Wiederholung seiner Überzeugung: „Das ist meine Lieblingssendung!“

Das muss man ernst nehmen. Jeder Versuch, Verbrecher zu erwischen, ist Sache des Staates und wichtig.

Trotzdem muss man vor lauter Begeisterung nicht auch noch in tiefes Schweigen versinken. Kriminalfilme und -reportagen haben sowieso viele begeisterte Anhänger. Manchmal sind es Leute, denen das persönliche Schicksal selbst übel und böse mitgespielt hat. Käufliche Korruption kann ganze Städte zerstören, weil die Einen für ihr Geld zuverlässig arbeiten und die Anderen unbekannte Schlupfwinkel ausnutzen, zum Beispiel Länder mit ganz anderen Gesetzen.

Wenn da nur nicht die diskreten „Whistleblower“ wären! Die pfeifen einsam im nächtlichen Wald. Es sind hoch bezahlte Insider mit internen Spezialkenntnissen, die nicht einmal die übergeordnete Geschäftsleitung hat. Wenn Alle dicht halten, ist eben auch Nichts zu finden.

Leider passiert es immer wieder, dass plötzlich riesige Datenspeicher bei Journalisten oder Finanzbehörden landen, die damit sehr schnell zu handfesten Ergebnissen kommen. Manchmal reichen auch belanglose Kantinengespräche, deren Inhalt die dicksten Wände durchdringt und sich über die ganze Welt verbreitet.

Die US-Amerikanische Lehman-Bank meldete am 15.9.2008 Konkurs an. Nach der Insolvenz entand ein Schaden von mindestens 50 Milliarden Dollar. Der Schuldenbeg steigerte sich noch auf das Vierfache. Daraus entstand eine weltweite Finanzkrise. Viele Kunden verloren ihre gesamten Ersparnisse. Gerichte verhängten riesige Entschädigungszahlungen, die aber nicht alle verursachten Schäden und Lücken schlossen.

Die 1850 gegründete Privatbank erschütterte das Vertrauen in die gesamte Branche. Aber so genau hingeschaut hatte man bis zur Pleite nicht. Die genauen Gründe für derartige Versäumnisse sind noch interessanter.

Denn Computer und eine staatliche Bankenaufsicht überwachen längst haargenau die weltweiten Finanzströme. Meine alte Tante hat als Rentnerin ihr ganzes, mühsam erspartes Privatgeld bei Lehman verloren. Beraten wurde sie von einem professionellen Investmentbanker, der auch noch zu unserem engeren Verwandtenkreis gehörte. Gekannt habe ich ihn schon als Kind. Also gehörte auch er zu den „frühesten Treffen“ im Leben. Man kann sie später nicht aus der Erinnerung löschen. Aber eine Wiederholung und ähnliche Schweinereien vermeiden. Selbst das ist nicht ein Kinderspiel. Aber man kann sich die Mitwirkenden anschauen und das Schmierentheater erkennen. Der Vorhang schließt sich dann manchmal automatisch.

Zum Ausklang gehören immer andere Klänge. Davon gibt es genug, und noch Viel Mehr sind leicht zu finden. Manchmal reicht ein Aufatmen. Ein Zwischenspiel. Zum Beispiel das berühmte „Intermezzo“ in einer dramatischen Geschichte, deren Sehnsuchts-Bilder man hier einfach in die friedliche Toskana verlegt hat:

https://www.youtube.com/watch?v=BIQ2D6AIys8

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