Die ganze Welt ist himmelblau

28.6.2019. Der Titel stammt aus einem bekannten Lied. Man versteht es allerdings erst richtig, wenn man weiß, dass ein „blaues Auge“ manchmal die direkte Folge eines energischen Fausthiebs ist. Denn vollständig heißt es, „Die ganze Welt ist himmelblau, wenn ich in deine Augen schau.“ So ein geschwollenes Erinnerungs-„Veilchen“ ist auch blau.

Man erkennt daran, dass einzelne Wörter oft zu Missverständnissen führen, wenn der restliche Zusammenhang weggelassen wird. Selbst eine Halbwahrheit ist immer eine Unwahrheit.

Dass der Tag heute wolkenlos blau beginnt, heißt nicht, dass es am Abend keine Gewitterschauer gibt und man deshalb kalte Füße bekommt, weil man schon wieder die falschen Leute getroffen und mehr als fünf Minuten Zeit mit ihnen verplempert hat. Meine heutige Terminplanung ist klar. Aber manchmal sage ich auch zu den „besten Freunden“, aus berechtigten Gründen, „Ob das ein schöner Abend wird, weiß ich erst, wenn er vorbei ist.“

Auf den ersten Blick hat die Farbe Blau unendlich viele Bedeutungen. Aber man muss nur sortieren. Dann kommt man auf Verbindungen wie der „blaue Mond“ (Blue Moon), der im Amerikanischen ein einsamer Mond ist und viel mit Liebeskummer zu tun hat, mit Melancholie. Genauso wie der „Moon River“, das Zeichen unerfüllter Sehnsucht. Dunkelblau ist auch die Farbe der Könige, deren kostbare Mäntel oft mit Weiß kombiniert wurden, der Farbe des Pelztiers Hermelin. Oder sie wählten als Kontrast die Lilien, deren Weiß als Inbegriff der Reinheit gilt.

Die Ozeane bedecken den größten Teil der Fläche des Planeten Erde. Ihre Farbe spiegelt immer die wechselnde Farbe des Himmels, über dem die Menschen früher Gott vermuteten. Längst ist bekannt, dass dort in Wirklichkeit das riesige Universum sich ausbreitet. Albert Einstein sagte: „Zwei Dinge gelten als unendlich: Das Weltall und die menschliche Dummheit. Bei Letzterem bin ich mir ganz sicher.“

Das Blau gilt auch als die Farbe des Geistes, der alles Materielle durchdringt und mit einer gewaltigen Energie bereichert. Ohne Bewegung gibt es keinen Fortschritt, sondern nur zerfallende Leblosigkeit, wie in Ruinen.

Einer der weisesten Menschen des Alten Testaments war König Salomo. Er ließ einen Tempel bauen, mit zwei Säulen am Eingang: Boaz und Jachin. Wer durch diese Säulen den Tempel betrat, nahm teil an den Ritualen der höchsten Erkenntnis – der Erleuchtung.

Damit sind die Grenzen dieses Artikels erreicht. Er sollte auch zeigen, dass harmlose, nebensächliche Auslöser oft starke Wirkungen haben. Am Anfang dieser Gedanken stand nicht mehr als ein einfacher Blick auf den derzeitigen Sommerhimmel. Dazu fiel dann das bekannte Lied aus dem „Weißen Rössl“ ein. Das Gehirn arbeitet assozativ und schafft ständig neue Verbindungen zu anderen Wortbedeutungen und Themen, die aber auf einer tieferen Ebene zueinander passen. Manchmal landet man dann dort, wo es um letzte und wichtigste Dinge geht. Nicht immer, denn ständige Kraftakte steigern nicht austomatisch die Qualität. Und dann ist man wieder am Anfang der Gedankenkette.

Das Titellied hören wir hier in einer Aufnahme mit Marek Weber und seinem Orchester, aus dem Jahr 1930.

https://www.youtube.com/watch?v=tmAB2NNQwBc