Die goldenen Tempel der Ökonomie

23.6.2016.  Kein Spielplatz für träumende Phantasten ist das klare wirtschaftliche Denken, die Ökonomie. Ihre strengen Gesetze findet man im Handelsgesetzbuch (HGB), aber selbst wenn man das nicht kennt, wirken die Regeln trotzdem. Zum Beispiel: Der möglichst geringe Aufwand führt zum größten Erfolg.

Wenn man nicht nur die juristischen Texte liest, sondern mit direkt betroffenen Menschen spricht, erkennt man die Rgegelverletzungen. Im reichen München schlagen sich einfache Menschen durch, indem sie nach jeder rettenden Hand greifen, auch wenn sie schmutzig ist. Allein in den letzten 24 Stunden, als es keine festen Termine gab, gab es dafür ständig konkrete Beispiele. Kellner, die für einen Hungerlohn schuften. Sicherheitspersonal, das einschüchternd, uniformiert in Museen und bei Fußballspielen für Ordnung sorgt. Spricht man mit ihnen, werden die Nutznießer im Schatten sichtbar, die daran das dicke Geld verdienen.

In solchen schwarzen Sümpfen wuchert auch die Korruption, Bestechlichkeit. Sie vergiftet das Klima und attackiert auch alte Freundschaften. Dann prassen die Drahtzieher, Verursacher in goldenen Palästen. Doch jedes Kartenhaus stürzt ein, wenn sich der Wind dreht.

Gerade gab es ein Gespräch mit einem Opfer von korrupten Medizinern. Und gestern Abend eine andere Perspektive. An einer Theke, wo die ärmsten Leute sich mit Bier und an Spielautomaten betäuben. Doch dann geschag das Unerwartete. Ein älterer Herr, ein gründlicher Opernkenner, der auch die politische Hochkultur in München ganz klar erkannte. Am Ende war es keine Überraschung: Ein früherer Redakteur der angesehenen Süddeutschen Zeitung, der sehr kenntnisreich den Gedankenaustausch ergänzte, sich von offiziellen Vertuschungen nicht blenden ließ. Zwei Stunden lang.

Und über jedem Einzelschicksal herrschen unsichtbar Gesetze. Wer stiehlt, betrügt und unterschlägt, muss ständig mit Enthüllungen rechnen, die ihm die Suppe endgültig versalzen. Volkswagen, Fußball-FIFA. Andere sind jetzt schon erkennbar.

Kanzlerin Merkel, Finanzminister Schäuble, Wirtschaftsminister Gabriel schwingen dazu leere Phrasen-Reden. Und deshalb ändert sich vorerst gar nichts.

Emotionale Aufregung nützt da nichts, sondern nur Geduld. Auch die nicht schriftlich überlieferten Gesetze wirken schon seit den ersten Tagen der Menschheit.

Der temperamentvolle, durchaus auch jähzornige Johann Sebastian Bach hat das in Klänge umgesetzt. Nicht nur die Geduld. Noch mehr die Hoffnung. Hier kann man das hören. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“.

https://www.youtube.com/watch?v=NHhuyhlSSiA 

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