Die Isarbrücke in Großhesselohe

12.8.2020. Die große Isarbrücke in Großhesselohe war mal ein Geheimtipp. Sie liegt weit weg vom Stadtzentrum im ländlichen Süden, aber von der steilen Eisenbahnbrücke kann man die Türme der Münchner Frauenkirche sehen. Als ahnungsloser Neuling in den Abendlokalen der Altstadt erfuhr Jeder rasch, was dort los war. Dort sah man trampelnde Radfahrer und wandernde Familien, aber am Ufer ging es nur hüllenlos zu. Die sonnenbadenden Familienväter hatten ihre kompletten häuslichen Mitbewohner zu Hause gelassen, und dichte, blühende Büsche verhinderten aufdringliche Blicke. Wer spätabends an überfüllten, halbdunklen Biertheken die Zeit vertrödelte, war oft am späten Morgen zur Entspannung an der Isarbrücke und blieb lange. Seit vielen Jahren hat die Stadt Alles von Gärtnern abholzen lassen. Die freie, urwüchsige Natur liebt es, wenn die braven Leute einfach weitergehen. Die nächsten Ausflugslokale sind nicht weit.

Der zweite Geheimtipp war in Wolfratshausen. Ein wild wucherndes Landschaftsschutzgebiet, vor allem an der Stelle, wo die Flüsse Isar und Loisach zusammenfließen. Dort wucherten dichtes Gras und Bäume, ohne dass Jemand daran mit der Messlatte herumgärtnern durfte. Dort tauchten oft ganze Gruppen auf, sogar in der Größe von Fußballvereinen, sportlich und lebhaft. Wegen der Entfernung mit Autos. Bei der Rückfahrt waren Mitfahrer willkommen. Der Grundstein für neue Bekanntschaften und spätere Freundschaften. Doch dann entdeckten kassierende Aufpasser der Stadt, dass der rechtmäßige Eigentümer des Parkplatzes weniger als die amtlichen Nutzungsgebühren bezahlte. Angeblich ! Aus Wut über die kleinliche Geldschneiderei im einsamen Urwald hat dr Mann dann den Parkplatz abgesperrt. Basta, und für eine kleine Tüte Katzenfutter gab es auch keine bequemen Abstellplätze mehr. Selbst wenn links und rechts das amtlche Chaos blüht: Alles muss seine Ordnung haben, und die verdächtigen Besucher waren auch weg. Das soll sich längst wieder entspannt haben. Aber wenn der spannende Film aus ist, gehen die Gäste in ein anderes Haus. Solche Verschiebungseffekte sind ganz alltäglich, aber die Stadt merkt es nicht immer.

Man soll sich nicht täuschen lassen. Der jetzige Hochsommermonat August bietet nicht nur kühle Getränke und Rekordtemperaturen, sondern hat auch ganz andere Farben. Grelles Licht sorgt nicht für mehr Erkennbarkeit, sondern für Blendungsefekte, Täuschungen, Irrtümer und Planungsfehler.

Beruflich habe ich das über vierzig Jahre lang erlebt. Aber es ist sinnlos, alte Wäsche zu reinigen, wenn sich am Zustand nichts mehr ändert. Es ergibt keinen Sinn, ist Zeitverschwendung und Wasser auf die knirschenden Mühlen, die ausgeleiert sind und ins Freilichtmuseum gehören. Museen bewahren wertvolle Erinnerungen auf, kosten nur wenig Eintritt, auch Archive und Datenspeicher. Große Geheimnisse werden immer weniger. Sie schaden dem Fortschritt.

Etwas ganz Anderes ist ein Mysterium. Ein Rätsel, das sich nicht auflösen lässt, aber die mächtige Bildersprache der Symbolik anwendet, für die es hier – rechts unten – bereits eine eigene Abteilung mit über hundert Artikeln gibt.

So dachte wohl auch Ottorino Respighi (1879 – 1936). Er schuf eine körperlose, eindringliche Musik. Er fand seine stärksten Eindrücke in Rom. Dort ging er durch die Straßen und komponierte danach „Die Pinien von Rom“. „Die römischen Brunnen“. „Römische Feste“. Drei Bildern des Malers Sandro Botticelli widmete er ein impressionistisches Tryptichon: „Trittico Botticelliano“. 1926 inspirierten ihn „Vetrate di Chiesa“(Kirchenfenster), mit den Teilen: „Flucht nach Ägypten. Erzengel Michael. Frühmesse der Heiligen Klara. Gregor der Große“. Wenn man nachschaut, was die Titel bedeuten, versteht man auch die Musik:

https://www.youtube.com/watch?v=tS9lREC1AG4

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