Die Jagd nach dem Albatros

9.9.2020. Der Albatros lebt in der Südsee, an Meeresstränden. Sein auffälliger, großer Schnabel ist so geformt, dass er aussieht wie eine tiefe Schale, damit er Fische im Wasser jagen und erbeuten kann.

Charles Baudelaire (1821 – 1867) schrieb folgendes Gedicht: „Oft kommt es vor, dass das Schiffsvolk zum Vergnügen die Albatrosse – die großen Vögel – fängt, Die sorglos folgen, wenn das Schiff sich durch die schlimmen Klippen zwängt. Kaum sind sie gefangen, unten auf des Deckes Gängen, wenn sie – die Herren im Azur – ungeschickt die grossen weissen Flügel traurig hängen lassen und an der Seite schleifen wie geknickt. Er, sonst so flink, ist nun der matte Steife. Der Lüfte König duldet Spott und Schmach von den Matrosen: Der eine neckt ihn mit der Tabakspfeife. Ein anderer ahmt den Flug des Armen nach. Der Dichter ist wie jener Fürst der Wolke. Er haust im Sturm. Er lacht dem Bogenstrang. Doch hindern drunten, zwischen frechem Volke, die riesenhaften Flügel ihn am Gang.“

Baudelaire, der auch bei der rauschhaften Pariser Tannhäuser-Uraufführung im Publikum sass, die von einem feindseligen, tobenden Adeligen-Club mit Trillerpfeifen zusammen gepfiffen wurde, bekam wegen seines Buchs Ärger. Denn mit den „Blumen des Bösen“ meinte er Haschisch und Opium, also Rauschgift, verkleidete das Verbotene zwar sprachlich, aber seine Gedichte waren zeitweise verboten.

Sein „Albatros“ hatte mit dem Thema nichts zu tun. Darin geht es nur um die Einsamkeit des Dichters und sein dummes Publikum, das ihn verlacht..

Die Jagd nach einem seltenen Vogel wie dem Albatros ist Stoff für alle Abenteuergeschichten. Und für Fahnder, bei der Suche nach den schnellsten, meist gesuchten Halunken auf dieser Welt. Damit verdienen Millionen Menschen Geld, die einen als private Gehaltsempfänger, die anderen als unkündbare Beamte. Die Grenzen verwischen sich manchmal, werden undeutlich, wenn nicht nur die gesuchte Zielperson Dreck am Stecken hat. Skandale auf beiden Seiten füllen die Schlagzeilen und deren Verkauf, seitdem es Zeitungen gibt.

Im amerikanischen Thriller von 1983, „Scarface“ (Narbengesicht), von Brian de Palma treffen sich in Südamerika die wichtigsten Mitglieder eines verschwiegenen Netzwerks, das aus hohen Politikern, Polizisten und Militärs seine Energie aufbaut. Sie tauchen mit vollem Namen in einer Fernsehserie auf, trotz aller Geheimhaltung, zu ihrem Ärger. Den Autor jagen sie, aber das misslingt. Die Handlung sollte in Florida für das Kino verfilmt werden, aber die Nachbarn vor Ort beschwerte sich erfolgreich: „So sind wir nicht!“ Der fertige Film wurde zum Welterfolg. Vor Allem in armen Ländern ist er bei Jugendlichen ohne Arbeitsplatz sehr beliebt. Vorbild für die frei erfundene Hauptfigur des „Scarface“ im Film, Tony Montana (Al Pacino), war Al Capone (1899 – 1947) in Chicago. Trotz zahlreicher Morde, die Stadtgespräch waren, konnte man ihm nie etwas nachweisen, bis Präsident Roosevelt der Geduldsfaden endgültig riss. Er beauftragte einen Steuerfahnder, der nachwies, dass der offensichtlich reiche Capone kaum Steuern zahlte. Dafür gibt es in Amerika Gefängnisstrafen. Dokumentarfilme zeigen, wie er mit seinen teuren Rechtsanwälten im Gerichtssaal sitzt. Am 24.10.1931 wurde er verurteilt und landete im Gefängnis, wurde erst am 6.1.39 vorzeitig entlassen. Zu seiner Beisetzung durften nur die Familie und deren persönliche Freunde kommen.

Er war Vorbild für Billy Wilders preisgekrönte Filmkömödie „Manche mögen’s heiß“. Dort hat er den Spitznamen „Kleiner Bonaparte“. In einer Szene befragt ihn der Polizeikommissar: „Wo waren Sie gestern Abend?“ „Bei Rigoletto.“ „Wie heißt er, wo wohnt er! “ „Das ist eine Oper, Sie Banause!“ Hier kann man noch mehr sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=nz_q8hYjvyk

Das ganze Thema ist wie ein Schachspiel. Die Beteiligten brauchen Geduld und müssen über ihre Strategie nachdenken. Gewinner ist nicht der Stärkste, sondern der Planer, der sich an die Regeln hält. Welche Regeln das sind, und was für Methoden er anwendet, muss er den tatsächlichen Abläufen anpassen. Rechthaberei nützt da gar nichts. Aber strategische Fähigkeiten, bisherige Erfahrungen und Kenntnisse. Auch da entscheidet nicht die Menge, sondern die Auswahl. Die Beschränkung auf das Wichtigste. Und die Kenntnisse aus anderen Sportarten, ausgefallenen, ganz anderen Forschungsbereichen und deren rasche Anwendung.

Einen echten Albatros muss man nicht jagen, sondern in Ruhe lassen. Dann hat die ganze Welt mehr davon. Mehr wichtige Erfolge. Mehr Gerechtigkeit für die Wehrlosen. Und weniger Krisen und Spannungen.

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