Die längsten Tage

15.7.2020. Das Foto oben auf jeder Seite hier zeigt den Starnberger See, von Percha aus aufgenommen. Im fernen Hintergrund sieht man die Gebirge der Alpenkette. Es könnte auch sonst wo sein. Abe es ist verknüpft mit der Erinnerung an Ausflüge im Sommer 2014, vor sechs Jahren. Das ging kreuz und quer durch das Voralpenland, nach Andechs, Schäftlarn, Freising und zu anderen Orten im Nahgebiet. Die Sommermonate haben die längsten Tage mit natürlichem Licht. Also gibt es auch am meisten zu sehen.

Aber das ist nicht der einzige Qualitätsmaßstab. Die dunklen Wintertage sind nicht so sehr den wechselnden Attraktionen der Außenwelt verbunden, sondern dem Nachdenken, der Erinnerung an halb vergessene Ereignisse, die ohne Ablenkung durch Hektik und Geschwätz noch besser verarbeitet werden können und dann ganz unerwartete Erkenntnisse aktivieren. Nach einem langen Tagesausflug saß ich anschließend noch lange. mit einem Tagesgefährten zusammen. Draußen war es, Mitte Dezember, um 16.00 Uhr schon stockfinster, nur noch Autolichter und Straßenlaternen schimmerten matt. Drinnen war auch die Raumbeleuchtung des Wirtshauses so gedämpft, dass man die anderen Besucher nur noch schemenhaft erkannte. Aber die Eindrücke des abgelaufenen Tages belebten das Gespräch, auch m Vergleich mit früheren Ausflügen in den letzten Jahrzehnten.

Im Sommer 1989 war das erste Reiseziel außerhalb der Großstadt das nördliche Oberfranken. Zwei Jahre später ging es acht Tage lang kreuz und quer durch die gesamte Region. Jahr für Jahr. Doch seit acht Jahren hat sich das Interesse daran gedämpft. Der dort bekannte Dichter Jean Paul schrieb, „Erinnerungen sind das einzige Paradies,aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Das muss gar kein Paradies sein. Auch ganz andere Orte hatten ihre Spezialitäten. Der Weinort Grinzing in Wien ist im Dezember besonders empfehlenwert, weil es dann keinen Massentourismus gibt. Auch London hat in der Vorweihnachtszeit ganz ausgefallene Überrschungen zu bieten. Zum Beispiel die U-Bahn-Station „Temple“, wo bis zum Mittelalter die mächtige Gemeinschaft der Tempelritter ihr Zentrum hatte. Als sie fliehen mussten, zogen ausgerechnet die Londoner Rechtsanwälte dort auf das Gelände. Dahinter befindet sich das britische Justizzentrum, „The Royal Courts of Justice“, dessen schaurige Verhandlungen den dankbaren Stoff für viele weltbekannte Krimi-Autoren lieferten, für Agatha Christie, Conan Doyle und Edgar Wallace.