Die letzte Rose

1.9.2020. Abschied ist eigentlich eine Belastung. aber vor einem Neuanfang überhaupt nicht. Da wird höchstens der alte Käse zu ranzig.

Bekanntlich hat der Herbstmonat September die besten Lebens-Erinnerungen ausgelöst. Friedrich Nietzsche schrieb: „Das ist der Herbst. Der bricht dir noch das Herz ! Die Krähen schreien und fliegen im schrillen Flug zur Stadt. Wohl dem, der jetzt Heimat hat“. Und den Gipfel dieser Eindrücke erreichte Rainer Maria Rilke. Nach dem ersten Lesen als Schüler habe ich seine Worte auswendig gelernt, und schaue deshalb in keine Nachdrucke: „Herr, es ist Zeit! Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los. Befiehl den letzten Früchten, reif zu sein. Gib ihnen noch zwei südlichere Tage, und jage die schwere Süße in den reifen Wein. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und auf den Alleen wandern, wenn die Blätter treiben.“

Eine Belastung ist jeder Abschied nur für die Klammeraffen, die nicht loslassen können und dabei gewalttätig werden, durch Belästigen, Ausspionieren und Lügen. Stalking ist eine verbotene Strafttat, wird aber oft nicht erkannt oder falsch eingeschätzt. Die Dunkelziffer ist immer noch viel zu hoch.

Ein wunderbares Lied beklagt die verwelkenden Herbstblumen: „Letzte Rose, wie magst du so einsam hier blühen? Deine freundlichen Schwestern sind längst dahin“. Die unvergessene Anneliese Rothenberger hat damit die stärksten Eindrücke hinterlassen:

https://www.youtube.com/watch?v=sV9kDmJFQwU

Der Abschied von einer zwölfjährigen Epoche fand statt, als 1949 zwei neue deutsche Staaten gegründet wurden: Im Westen die Bundesrepublik, im Osten die DDR, die vierzig Jahre später sich freiwillig auflöste und dem vorherigen KLassenfeind im Westen die Hand reichte. Am 10. November 1989 sagte Willy Brandt: „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.“

Die Nationalhymne zur Gründung der DDR hatte Hanns Eisler komponiert. Es ist eine innige, zuversichtliche Musik, die mit den Worten beginnt: „Auferstanden aus Ruinen, und der Zukunft zugewandt.“ Während der Chor singt, kann man einen Videofilm anschauen, der typische Ostberliner Szenen zeigt. Man kann sie mit der Gegenwart vergleichen, dabei aber auf dumme Sprüche verzichten:

https://www.youtube.com/watch?v=bWe6k1F5WKQ

Nach jedem Abschied folgt immer eine neue Zeit. Die Begeisterung darüber hat manchmal Grenzen. Die Ossis reden ganz offen darüber. Wenn man sich dafür interessiert, spürt man nicht nur die Schatten der Vergangenheit. Die Krise der heutigen Situation hat viele ganz neue Namen und kommt nicht zum Stillstand, weil die Ursachen sich nicht ändern, obwohl hier Abschiedsfeiern ganz oben auf dem Programmzettel stehen müssten.

Die Fakten sind ja nicht neu. Zu dem Thema gibt es hier, auf dieser Seite rechts unten, bereits 64 Artikel. „Die Säulen der Gerechtigkeit“ standen tatsächlich schon vor dreitausend Jahren vor dem Tempel König Salomos. Die zwei Säulen hießen „Boaz und Jachin“ Hinter ihnen öffnete sich das Tor zum Inneren des Tempels, dessen Austattung auch das Vorbild für die mittelalterlichen Großbauten der Kathedralen war. Alle Details waren Symbole, also Bestandteil einer uralten Bildersprache, die hier das Paradies abbildete und diejenigen Zeichen der Ewigkeit, die für den Menschen wahrnehmbar sind.

Kurz vor seinem Tod 1949 hat Richard Strauss die „Vier letzten Lieder“ komponiert. Das Finale ist ein Eichendorff-Gedicht: „Im Abendrot. Wir sind durch Nacht und Not gegangen, Hand in Hand. Vom Wandern müde, ruhen wir nun über dem stillen Land.“ Der Komponist hat dabei einen wahren Rausch an Orchesterfarben zum Klingen gebracht. Und auch hier gehört Anneliese Rothenberger (1919 – 2010) dazu :

https://www.youtube.com/watch?v=vXOnr46obh4

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