Die Macht der Farben

17.7.2020. Der Himmel war heute morgen zunächst grau. Um 9.00 Uhr gab es draußen dreizehn Grad. Ungewöhnlich wenig für den Hochsommer. aber in diesem Jahr bisher nichts Besonderes. Das Wetter besteht aus so vielen wechselnden Elementen wie Luftdruck, Temperatur, Windgeschwindigkeit, die sich ständig ändern, unabhängig voneinander, das selbst alle wissenschaftlichen Wettervorhersagen nur Vermutungen sind. Spekulationen.

Natürliche Farben entstehen in einem sauberen Glasprisma durch die schräge Brechung des Lichtwinkels. Frühmorgens und in der Abenddämmerung sieht es so aus, als wären die Farbtöne besonders stark und leuchtend. Aber die Materie, das Licht, bleibt immer das Gleiche.

Entscheidend ist aber auch hier die Wirkung. Gelb wirkt belebend wie die Sonne, von der Pflanzen und alle anderen Lebewesen abhängig sind. Rot erzeugt Spannung wie ein Vulkanausbruch. Blau gilt als Zeichen des Geistes, der kostbaren Herrschermäntel, der Ruhe und Ausgeglichenheit, ist das Merkmal der Ozeane, wenn sich ein wolkenloser Himmel darin spiegelt. Mischt man die drei genannten Grundfarben, bekommt man aus den unterschiedlichen Mengen unendlich viele Unterschiede.

Das Licht gilt aber auch als Zeichen der Erkennnis. Das ist die Summe einer großen gespecherten Datenmenge und die Fähigkeit, darin Zusammenhänge und Querverbindungen zu erkennen. Auch wenn die Gesamtmenge sehr groß und nicht geordnet ist, lassen sich trotzdem Regeln und unveränderliche Gesetze darin erkennen.

Die höchste Stufe der Erkenntnis ist die Erleuchtung. Das ist die Vereinigung mit den Zeichen Gottes, die der Mensch erkennen kann. Die Unio Mystica.

Komplizierte Forschungsergebnisse sind sind nicht nur die Aufgabe von Computerprogrammen. Unverzichtbar ist die Bewertung der Fakten durch Menschen, die nicht nur ein begrenzte Spezialwissen haben, sondern auch Kenntnise in Bereichen, die angeblich nichts miteinander zu tun haben. Doch Mikrokosmos und Makrokosmos sind untrennbar miteinander verknüpft. „Das Große ist wi das Kleine.“ (Tabula Smaragdina)

Am stärksten ist das Licht um zwölf Uhr mittags, gleichzeitig sind die Farben ganz blass und dunstig. Die Sonne wurde schon vom altägyptischen Pharao Echnaton als einziger Gott anerkannt. Die mittelalterliche Gemeinschaft der Katharer in Südfrankreich verehrte nur das Licht als höchsten Maßstab. Weil diese freie Denkweise gegen die autoritären Dogmen der damals allmächtigen katholischen Kirche verstieß, verleumdete und verfolgte man die Katharer als „Ketzer“. Ein eigener Kreuzzug vernichtete sie. Vor ihrer letzten Zufluchtstätte, der Burg Montsegur, wurden sie von einem großen Soldatenheer belagert, bis sie aufgaben. Sofort danach wurden sie auf Scheiterhaufen direkt vor den Burgtoren verbrannt. Doch die Niederlage nützte den Siegern nichts. Montsegur gilt seitdem als Quelle für „Monsalvat“, die Gralsburg der in ganz Europa sich imme mehr ausbreitetenden Tempelritter und der geheimnisvollen Parzival-Legende des Minnesängers Wolfram von Eschenbach.

Diese alte Sage ist das Thema von Richard Wagners Musikdrama „Lohengrin“. Darin heißt es: “ In fernem Land, unnahbar euren Schritten, liegt eine Burg, die Monsalvat genannt. Ein lichter Tempel steht dort. Drinnen, ein Gefäß von wundertätigem Segen wird dort als höchstes Heiligtum bewacht. Es heißt der Gral. Vom Gral wurde ich zu euch gesandt: Mein Vater Parzival trägt seine Krone. Sein Ritter – ich bin Lohengrin genannt.“

Im Jahr 1958 schuf der geniale Regisseur Wieland Wagner dazu eine lichtdurchflutetete Ausstattung. Der damalige Sänger war Sandor Konya. Hier kann man das erleben:

https://www.youtube.com/watch?v=PKh9XN4OY3I

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