Die Regierungen lösen sich restlos auf

2.10.2019. Jeder Staat hat eine Regierung. Im antiken Griechenland war „Polis“ die Stadtgemeinschaft, und wer sich aktiv um das Wohl der Mitbewohner kümmerte, war Politiker. Die Griechen haben das schon vor zweitausend Jahren demokratisch geregelt. Zum Beispiel mit freien Wahlen. Spätere Jahrhunderte haben die unterschiedlichsten Staatsformen ausgebrütet. Unter den römischen Cäsaren gab es die zerstörungswütigen Wahnsinnigen (Nero) und die friedfertigen Philosophen (Marc Aurel). Er hat trotzdem seine Kriege führen müssen.

Später wurden die selbstgefälligen Monarchien der absolutistischen Alleinherrscher immer mächtiger, bis 1789 ein paar Denker wie Rousseau spürten, dass es so nicht weiterging und darüber nachdenkliche Bücher verfassten, bis eine große, heftige Welle von Paris ausging und den König zum Tode verurteilte.

Kurz vorher war die Zeit reif für die Gründung der Verenigten Staaten am 4. Juli 1776. Die neue Verfassung versprach jedem Einwohner den „Pursuit of Happiness“. Er hatte das Recht, auf eigene, individuelle Art sein Glück zu finden, musste sich aber an die übrigen Gesetze der Allgemeinheit halten. Die Freiheitsstatue im Hafen von New York begrüßt noch heute alle Einwanderer aus fremden Ländern mit einer lodernden Fackel, dem Zeichen des Kampfes für Unabhängigkeit.

Die Welt bietet heute ein ganz anderes Schauspiel. Nur an einem Beispiel, Europa, erkennt man eine vermeintlich allmächtige Zentralregierung in Brüssel, die matt und wenig tatkräftig auftritt. Grund sind die Parlamentarier. Verfolgt man einzelne Lebensläufe, fällt man von einem Schrecken in den nächsten. Und die früher auf ihre nationale Selbständigkeit stolzen Einzelstaaten ordnen sich vertragsgemäßig einem solchen Zentrum unter. Die Regierungen wirken imme kraftloser und matter, fallen nur noch durch langweilige Sonntagsreden auf und überlassen die Feinarbeit den Parlamenten, die sich dem ganzen Durcheinander einfach angepasst haben.

Die Zukunft wird ganz anders aussehen. Bereits jetzt gibt es internationale Machtzentren, denen die große Politik völlig gleichgültig ist. In langen Berufsjahren habe ich endlose Besprechungen erlebt, bei denen die ranghöchsten Hierarchen in der Hackordnung ständig redeten. Oft zog sich das stundenlang hin. Manche dominanten Erscheinungen rissen sogar das Wort an sich und wollten mit ihren Monologen über Nebensachen gar nicht mehr aufhören. Bei Tagungsende verabredeten sich dann Alle für „das nächste Mal“ in drei Wochen, wo es genauso wirkungslos weiterging und den angeschlossenen Organisationen gar nichts nützte.

Eine andere Methode war da schneller und praxisnäher. Bei der Einteilung als Projektleiter hat der Betroffene die Möglichkeit, einzelne Experten direkt anzusprechen, innerhalb und außerhalb der Firma. Am schnellsten geht das per Mail, Telefon oder Videokonferenz. Wenn die notwendigen Informationen auf diese Weise gesammelt worden sind, kann der Leiter sie selbst zu einem schriftlichen Ergebnis verabeiten, das Überflüssigkeiten vermeidet. Diese Arbeit wird dann den wichtigsten Mitwirkenden noch einmal per Mail zum Korrektulesen übersandt. Innerhalb weniger Tage sind damit wertvolle Ergebnisse möglich, die auch schnell realisiert werden können, weil nur tatkräftige, praxisnahe Teilnehmer berücksichtigt und, je nach Wert des Projekts, auch zu Recht belohnt werden.

Das Thema muss jetzt nicht zerredet werden. Wer darüber nachdenkt, kommt auf eigene Ideen. Die Regierungen werden immer noch gewählt oder dem Volk einfach vor die Nase gesetzt. Das hat auf Dauer keinen Bestand, sondern ist teure Zeitverschwendung. Das Internet sorgt für immer mehr Informationen, aber ohne Durchblick bleibt es beim Chaos. Darüber werden in Zukunft nicht nur Experten entscheiden, sondern Jeder, der Ideen hat und vernachlässigte Reformen erkennt. Anders geht es nicht.