Die Schläge des Kausfhausdetektivs

18.9.2020. Kaufhausdetektive schlichen früher durch alle Etagen, hatten noch kein Handy, sondern ein Funkgerät und bekamen für jeden erwischten Kunden eine Geldprämie. Das ist längst vorbei. Die Arbeit machen jetzt Sicherheitsfirmen. Security. Sie schauen nicht mehr so oft durch venezianische Spiegel, die von hinten aus durchsichtig sind, sondern benutzen die hauseigene Videoüberwachung. Die Kameras sind mittlerweile so klein, das man sie auch in Preisschildern verstecken kann oder in den Wänden. Meist sind es drei winzige, halb runde Glasaugen für jede Perspektive in der Länge, Breite, Höhe. Das Errgebnis landet, gestochen scharf vergrßert, auf großen Monitoren in einem Nebenraum oder ist auf Knopfdruck direkt verbunden mit der weiter entfernten Einsatzleitung oder den Eisbären auf Alaska. Dann stehen plötzlich zehn sportliche Polizisten mit schwarzen Wollmützen im Raum, die nur durch schmale Augenschlitze schauen, wie bei einem Fußballspiel oder einer politischen Demonstration.

Die langsam verschwindenden Kaufhausdetektive waren oft Einzelgänger. Sie hatten manchmal Probleme, weil sie vorher als Schläger rausgeflogen waren, drohende Flüche riefen oder ihre dicken Muskeln zu auffällig zeigten. Einer stand oft in der Zeitung, weil er verdächtige Kunden mit Gewalt zu Boden drückte, vor allen neugierigen Augen. Unterwegs zu seinem Büro setzte es dann, im leeren Aufzug die ersten Faustschläge. Nach der Ankunft in seinem Einzelbüro ging das weiter. Er hätte das nicht tun dürfen, nur zurückhaltend am Weglaufen hindern und per Telefon die Polizei holen, die in Großstädten ganz rasch kommt. So aber war es gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Beleidigung gleichzeitig gewesen. Und er selbstlängt ein Grund zur sofortigen Verhaftung und Kündigung.

Vor vierzig Jahren sah man das noch nicht so eng, obwohl die gleichen Gesetze galten. Er, Mister Ladenschnapper, war wegen derartiger Übegriffe schon bei der Polizei herausgeflogen, hatte dort aber noch gute Kontakte, mit direktem Zugriff auf sensible Akten und gleichzeitig auch auf den Wissensschatz des Polizeicomputers. Wenn Razzien bevorstanden, Hausdurchsuchungen, konnte er die Betroffenen vorher warnen. Dann fand man keine Beweise oder beschaffte sich ein wasserdichtes Alibi. Verstecke für Alles gab es immer in der Nähe. Und de Informationen flossen in alle Richtungen.

Bevor im Prozess die ertsen Zeugen hereingerufen wurden, war ich als einziger Zuhörer in der öffentlichen Verhandlung. Betroffen von dem ganzen Ärger überhaupt nicht, aber durch viel Theken-Geschwätz neugierig gemacht. Er suchte einen Blitzableiter und schrie, an der Seite seines Anwaltts, „Der da steckt dahinter !“ Geholfen hat ihm das nichts und Niemand reagierte darauf. Die meisten Zeugen litten unter pötzlichem Gedächhtnisschwund, obwohl sie hautnah die heftigen Vorfälle erlebt hatten.

Das spätere Urteil war in den Lokalzeitungen nicht zu finden und sowieso unwichtig, weil es gar nicht stimmen konnte, aufgrund der lückenhaften Beweislage. Und auch kein Einzelfall. Jahre später saß ich in einem Stammlokal, da tauchte er auf und setzte sich freundlich neben mich. Er sprach nur über sein eigenes Privatleben und die Familie, war sehr nett und zurückhaltend. Beim Fortgehen meinte er nu, „Wenn wir uns mal wieder sehen, dann grüßt du mich aber.“ Kein Problem, aber er blieb weit weg, in seiner gewohnten Welt und wurde hoffentlich auch beruflich immer zufriedener.

Solche Leute suchen prvat keinen Ärger, sondern große Anerkennung. Deshalb habe ich noch nie mit Einem gestritten, dabei aber auch keine schleimigen Komplimente gemacht.

Einfache Wachmänner verraten keine Dienstgeheimnisse, aber sie erzählen gern von ihren beliebtesten Einsatzorten, bei der Überwachung von Prominenten oder wertvollen Ausstekllungen. Mit ihren Kollegen verstehen sie sich gut, auch die Chefs müssen fast alle nett, hilfsbereit und verständnisvoll sein, selbst wenn sie früher mal harte, durchtrainierte Einzelkämpfer waren. Ein einzelner, diskreter Aufpasser konnte – nur zufällig – aus der Nachbarwohnung zuschauen, wie ein Lokaljournalist in seinem Wohnzimmer Zeitungen las, mit seiner Freundin und sah dabei auch, dass die gemeinsamen Räume ganz preiswert möbliert waren. Wenn die Zielperson sich verdächtig benommen hätte, konnte er mit einem versteckten Alarmknopf an seinem Handy sofort Hilfe anfordern, was aber bei dem ahnungdlosen, harmlosen Zeitungsfritzen niemals notwendig war.

In Kurzform sind das schon schwere Fehler: Verstoß gegenn Datenschutz, Verbreitung von Dienstgeheimnissen an unbefugte, bösartige Schwatztanten und andere Gesetzesbrüche. Verschwiegenheit gegen Außenstehende und Fremde kannte der schwarze Nachtmann auch nicht. Manchmal wussten die gehässigen Berufskollegen oder die aktiven Gegner der Opfer mehr als der Betroffene selbst.

Da ist etwas außer Kontrolle geraten. Zahlreiche Gesetze verbieten das. Nur ein Beispiel – im Grundgesetz heißt es ausnahmslos: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für jede heimliche Neugier muss ein Richter die Spuren prüfen und genehmigen. Gutachten dienen oft als bequemer Ersatz. Aber nicht alle Gutachter sind unbestechlich. Ihre Fachkenntnisse haben zu große Wissenslücken oder sind veraltet. Deshalb hat der Gesetzgeber genaue Fristen gesetzt. Wenn Ermittlungen nicht nach wenigen Monaten abgeschlossen sind und an die Gerichte gehen, platzt der gesamte Fall, und Alles muss noch einmal mühsam bei Null beginnen. Oder sofort endgültig eingestellt werden. Bis zu einem rechtskräftgen Urteil muss jeder Verdächtige wie ein Unschuldiger gut behandelt und darf nicht belästigt werden. In der östlichen DDR wurden Kritiker nicht so oft körperlich misshandelt, sondern mit ausdauerndem Psychoterror attackiert. Diese Methoden sind in der Bundesrepublik, schon seit ihrer Gründung 1949, streng verboten, ausnahmslos.

Der fällige Handlungsbedarf ergibt sich aus dem hohen Risiko. Wer beim Schnüffeln auffällt, muss fristlos entlasen oder erst einmal in Urlaub geschickt werden. Sofortiges Hausverbot. Privatfirmen können sofort dicht gemacht werden, Eine Katastrophe für den Chef und alle Mitarbeiter.

Das wissen sie oft gar nicht, sind dankbar für solche Informationen, grüßen aber dann, vorsichtshalber, nicht mehr. Feindselig sind sie dabei nicht, dürfen aber plötzlich nicht anders. Auch die ganze Strategieder illegalen Methoden muss sofort geändert werden. Im biologischen Körper gibt es dafür Selbstheilungskräfte. In jeder beruflichen Organisation kann das auch so sein.

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