Die Schlangenbeschwörerin

15.2.2016. Das Tatzenkreuz spielte bei den Kelten vor dreitausend Jahren eine wichtige Rolle, genau so wie das henkelförmige Anch-Kreuz im Alten Ägypten zur gleichen Zeit. Es waren religiöse Symbole, die es auf der ganzen Welt in völlig unterschiedlichen Formen gibt. Die logischen Naturwissenschaften haben mit ihren exakten Forschungen viel von den alten Denkrichtungen zerstört, doch die religiösen Bedürfnisse sind immer noch vorhanden, haben aber in den offiziellen Amtskirchen oft keine richtige Heimat mehr..

Das Gemälde „Die Schlangenbeschwörerin“ von Henri Rousseau ist vor einem Jahrhundert entstanden. Hier kann man es sehen:

http://artgen.billerantik.de/articles/B_A3/02251_D.jpg

Das Bild zeigt eine exotische nächtliche Dschungel-Landschaft mit einem silbernen Vollmond über einem dunklen Fluss. Nur schattenhaft erkennbar ist am Ufer eine Gestalt, die von Flamingos und Schlangen umgeben ist und auf einer Flöte spielt. Die Figur ist kein Mensch, sondern eine mythologische  Erscheinung, also eine Sagen- oder Götterfigur.  Auch heute noch glauben im nördlichen Europa viele Isländer, dass in jeder Naturerscheinung ein Lebewesen verborgen ist, in Steinen, Sträuchern und Stürmen.

Seit ein paar Wochen höre ich viel vom Orchideengott als Inbegriff einer positiven Energie, weil diese Pflanze empfindlich und edel aussieht. Das andere Extrem ist der Grünschlangen-Satan, der kriminelle Aktivitäten steuert. Das stammt nicht aus einem Buch, sondern es ist das Lieblingsthema eines interessanten Gesprächspartners, der in seiner Phantasie sich eine ganze Welt dieser Symbolfiguren erschaffen hat und sogar beim Anblick von  Pressefotos mitteilen kann, wie viel Prozent der jeweiligen Energie in dem veröffentlichten Bild des Politikers oder sonstigen Prominenten enthalten ist.

Das kann man glauben oder nicht, aber respektieren. Denn außer vom logischen Verstand wird der Mensch auch von der Phantasie gesteuert.  Das  sind die beiden wichtigsten Antriebskräfte für die Fortentwicklung. Die Logik erforscht mit immer feineren Messinstrumenten die Realität. Die Phantasie bietet Ausblicke auf mögliche Alternativen in der Zukunft. Nächtliche Träume enthalten verschlüsselte Informationen über die Verarbeitung negativer oder positiver Alltagseindrücke, die sich nach den Regeln der Psychoanalyse aufklären lassen. Nach dieser Methodik sind alle Formen der Absurdität zunächst verwirrend, haben aber eigene Regeln, die große Erkenntnisse bringen.

Die willkürlichen, sinnlosen Tintenklecks-Bilder des psychologischen Rorschach-Tests lassen Rückschlüsse auf den Betrachter zu.  Hier kann man dazu Genaueres in der Wikipedia finden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rorschachtest

Doch ein großer Rest des menschlichen Bewusstseins bleibt ein Geheimnis. Die mächtigen Ozeane des Unterbewusstseins kann Niemand restlos entschlüsseln, aber dort ein ganzes Universum entdecken, das die Handlungen des Menschen steuert.

Henri Rousseaus starkes Gemälde der schemenhaften, flötespielenden  „Schlangenbeschwörerin“ gibt einen direkten Hinweis: Die Schlange, Zeichen der lautlosen List. Der Dschungel, als Bild der labyrinthischen Emotionen.  Und die Flöte, als Instrument unsichtbarer Klangwelten mit  spürbaren Wirkungen. Beim Schreiben der Blog-Artikel ist oft plötzlich eine Melodie im Ohr, die auf den ersten Blick keine Verbindung zum Text hat, aber nicht grundlos sich meldet. Warum, das ist eine andere Frage, die große Tore zu noch ganzen anderen Welten öffnet.

Zum Beispiel jetzt, ohne Vorplanung: Wilhelm Furtwängler dirigiert im Jahr 1942 Schuberts Neunte Sinfonie:

https://www.youtube.com/watch?v=xvcJz2FDxpU

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