Dies Irae

26.3.2016. Nach einem verregneten, grauen Karfreitag gestern wird morgen die Brücke geschlagen zu einem universalen Thema: Katharsis. Die innere Reinigung von  aufgestauten Konflikten. Reinkaranation: Die Wiedergeburt, die auch auf fernen Kontinenten ein Teil des zentralen Denkens ist. Friedrich Nietzsche sagte sinngemäß: Der Mensch muss sterben, um neu geboren zu werden. Er meinte die wechselnden Erkenntnisstufen im Leben. Viele Phasen mit Fehlern und  Enttäuschungen sind die Basis für die nächsten, die darauf aufbauen und vorherige Irrwege hinter sich lassen. So kann man bei entsprechender Übung im Halbschlaf die Orte, die man früher oft besucht hat, abrufen wie einen glasklaren Film, ohne ablenkende Nebensachen, kann Straßen, Plätze, Gebäude im Detail wieder erkennen und durchwandern, die längst abgerissen sind, ebenso eindringliche Erlebnisse mit Menschen, die längst außer Sichtweite sind.

So ist es auch mit der richtigen Auswertung der elektronischen Datenflut. Sie wird gebremst durch wertlosen Informationsmüll, der Fehlerquellen auslöst, die in die Irre führen, sogar gerade dann, wenn ausgeklügelte Analyseprogramme nur Falschbewertungen erzeugen. Die Welt hat unendlich mehr Augen und Ohren als jemals zuvor. Doch das ist nicht immer von Vernunft begleitet. Die Berliner Regierung bleibt unbeirrbar auf ihrem betonierten Kurs, auch wenn ringsum die Welt zusammenbricht und deutliche Alarmsignale für Jeden leicht erkennbar sind.

Dies Irae. Die Tage des Zorns. Das ist der Anfang eines mittelalterlichen Liedes über das Jüngste Gericht. Im Auge eines Orkans, dem Zentrum eines Wirbelsturms, ist es ganz reglos und still, während ringsum eine Luftwalze alles durcheinenander wirbelt und mit sich reißt. Ähnliches geschieht bei der Meditation. Konzentriert man sich auf archaische Urlandschaften, werden assoziative Querverbindungen hergestellt. Zum Beispiel der nordamerikanische Grand Canyon mit seinen gewaltigen, ausgetrockneten Flussbetten. Das Monument Valley mit mit seinen zerklüfteten, hoch ragenden Felsnadeln haben suggestive Wirkungen auf das Bewusstsein und verknüpfen es mit starken eigenen Erfahrungen.

Der flammende Stern, das mit der Spitze zum Firmament zeigende fünfzackige Pentagramm, ist ein Merkmal der weißen Magie. Ein uraltes, energiegeladenes Zeichen, das auch heute noch verwendet wird, zum Beispiel im Grundriss des Pentagon, von dem aus weltweite militärische Aktionen gesteuert werden. Die Pyramiden, monumentale Grabkammern der altägyptischen Könige, zeigten mit der Spitze ihrer drei Außenflächen ebenfalls zum Himmel, der Verbindung zum Kosmos

Das Osterfest ist nicht nur ein Zeichen der Wiedergeburt. In Pietro Mascagnis (1863 – 1945) Oper „Cavalleria Riusticana“ (Bauern-Ehre) spielt sich vor  und nach dem Ostergottesdienst in einem sizilianischen Dorf eine düstere Eifersuchtstragödie ab. Doch mittendrin schließt sich ein paar Minuten lang der Vorhang, und es erklingt eine überirdische Melodie, als Gegensatz und Kontrapunkt zur bitteren Realität.

„Mascagni, „Intermezzo“ :

https://www.youtube.com/watch?v=BIQ2D6AIys8

Mit dieser Musik endet auch der dritte Teil des Kinofilms „Der Pate“. Der Boss, Michael Corleone, erlebt, wie seine Tochter auf der Eingangstreppe der Oper von Palermo, vor seinen Augen niedergeschossen wird. Danach sitzt der Alte allein im Garten. Vor seinen Augen ziehen starke Bilder der Vergangenheit vorbei, und er stirbt zu den hymnischen Klängen einer anderen Dimension:.

https://www.youtube.com/watch?v=pYvNcEnoAtc

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