Drei Tolle Tage

7.2.2016. Am heutigen Sonntag beginnen die drei Tollen Tage, das Finale des Karnevals, der schon seit dem Mittelalter vor neunhundert Jahren den Beginn der wochenlangen Fastenzeit einläutete, die erst nach sechs Wochen, am 27. März, dem Ostersonntag endet. Eine Zeit der Bescheidenheit und Mäßigung soll das sein, die allerdings heute keine wichtige Rolle mehr spielt. Vor 28 Jahren erlebte ich den ersten Münchner Fasching, von Samstag bis Dienstag, vier Tage nonstop, nur von kurzen Schlafpausen unterbrochen.  Das spielte sich damals nicht mit aufwändigen Umzügen auf der Straße ab, sondern vor allem in kleinen Lokalen, wo man ständig neue Leute kennenlernen konnte, die sich umarmten und wie alte Freunde benahmen. Manche wurden es dann tatsächlich. Andere sind vom Wind verweht.

Zur Zeit spielt im Karneval die Sicherheitslage eine große Rolle. Tausende von Polizisten sind im Einsatz, um Übergriffe und Gewalttaten wie in der letzten Kölner Silvesternacht zu verhindern. So ändern sich die Zeiten. Vom Internet aus lassen sich Zwischenfälle organisieren, mit jedem Smartphone. Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, dass aggressive Online-Spiele wie „World of Warcraft“ labile Mitspieler aufheizen, auch viele Filme auf YouTube, dazu die vermeintlich anonymen Hasskampagnen auf Facebook und in anderen Netzwerken.

Die Justiz wirkt dabei oft teilnahmslos oder machtlos. Dabei könnten wenige überschaubare Einzelfälle in Musterprozessen schon das überhitze Klima dämpfen und Trittbrettfahrer abschrecken. Der Missbrauch der weltweiten Datenübermittlung lässt glasklare Rückschlüsse auf die Täter zu, vor allem, wenn der Müll  an andere verbreitet wird und deshalb vom Verursacher nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist.  Die Produktion gefälschter Fakten und manipulierter Bilder wird immer raffinierter und einfacher. Aber auch die Möglichkeit, kleinste Spuren auszuwerten und die Verursacher aufzuspüren, sogar in der professionellen, überbesetzen Medienbranche, wo große Teile von Arbeitslosigkeit bedroht sind  und eine Minderheit sogar dazu bereit ist, für eine Statistenrolle und „eine Hand voll Dollar“ die eigene Großmutter in den Wahnsinn zu treiben.

In den Vororten bemerkt nicht viel vom Fasching. Ein grauer Wintertag, mehr nicht. Doch auch das ist nur die Oberfläche.

DSCN0309 DSCN0310

Gestern sah ich mal wieder die bemerkenswerte BBC-Verfilmung von Gustav Holsts Orchestersuite „Die Planeten“. Ein Teil heißt „Jupiter, der Freudenspender“. Man sieht ein spanisches Fest. Flamencotanz. Stierkampf. Prozessionen. Fackelzüge.  Kreisende Feuerräder. Darüber auf einem hohen Berg eine stählerne Monumentalfigur, ein Gigant, der spätnachts von Licht durchflutet wird und langsam beide Arme hebt zum sternenfunkelndelnden Himmel. Der Herrscher aller Welten. Der gläserne Mensch, das Ziel hungriger Datensammler. Aber auch Jupiter, bei den antiken Römern vor zweitausend Jahren  der höchste Weltenherrscher. Der Magier. Der Freudenbringer.

Richard Strauss komponierte kurz vor seinem Tod im Jahr 1949 die „Vier letzten Lieder“. Zum Schluss geht es um den Abschied. Als Text verwendete er Joseph von Eichendorffs Meisterwerk

Im Abendrot

Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand:
Vom Wandern ruhen wir beide
Nun überm stillen Land.

Rings sich die Täler neigen,
Es dunkelt schon die Luft,
Zwei Lerchen nur noch steigen
Nachträumend in den Duft.

Tritt her und laß sie schwirren,
Bald ist es Schlafenszeit,
Daß wir uns nicht verirren
In dieser Einsamkeit.

O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot,
Wie sind wir wandermüde –
Is dies etwa der Tod?

Anneliese Rothenberger singt: „Im Abendrot“

https://www.youtube.com/watch?v=b7LHGtSzQeA

.