Eine neue Epoche am 27.9.1987

9.9.20. Das Leben besteht aus vielen einzelnen Abschnitten, aber manchmal sind es drei Epochen. Die Jugend in einer westfälischen Kleinstadt 1949 – 1971. Die Jahre in Münster 1972 – 1987. Das sind 28 Jahre. Und dann Nummer 3: Der Wechsel nach München, am Sonntag, 27.9.87. Das ist jetzt fast 33 Jahre her. Das Wetter war damals wie heute. Strahlender Sonnenschein, aber ungewiss, nicht voraussehbar war die Zukunft, die noch viel abwechslungsreicher war als die Vergangenheit, aber auch Licht und Schatten deutlicher erkennbar machte. Der erste Tag, mit einem kleinen Umzugstransporter endete nach acht Stunden vor dem Ziel in Schwabing, das aber noch für die restlichen drei Monatstage vom bisherigen Vormieter belegt war. Langweilig wurde das nicht. Frühmorgens zum Duschen in das öffentliche Olympiabad. Tagsüber Anschauen der neuen Heimat, wie ein Tourist. Die großen Sehenswürdigkeiten. Abends vorerst nur das die „Schwemme“, wo die Tagesbesucher zum hochprozentigen Tanken im Hofbräuhaus landeten. Die erste Kapsel blieb klein und öffnete sich noch nicht. Der einzige Bekannte stammte aus Münster. James Wagner, ein farbiger ameikanischer Operntenor, geboren in New Orleans. Sofort lud er mich zum Essen ein. In seiner Wohnung stand ein großer schwarzer Konzertflügel, mit einem handsignierten, gerahmten Farbfoto des spanischen Königs Juan Carlos. „Vor dem habe ich einmal gesungen.“ In einer nahen Pizzeria folgte das Mittagessen. Dann ging jeder wieder seine eigenen Wege. Er verstarb leider schon vor zwanzig Jahren.

Und dann ging der große Vorhang auf. Tagsüber eine neue Arbeitsstelle mit bayerischen Kollegen, deren kernigen Dialekt ich zunächst gar nicht verstand. Und abends auf die Rampe. Das waren die nächtlichen Vergnügungslokale, deren Mehrheit es schon lange nicht mehr gibt. Ganz schnell entstand ein großer Bekanntenkreis, der sich aber mangels Qualität in den nächsten sechs Jahren stark verkleinerte.

Das war eine wichtige Zeit für Erfahrungen und Beobachtungen, die in keinem Buch stehen. Lange Wanderungen durch die Flusslandschaften der Isar. Reisen von Berchtesgaden bis zum Bodensee, von Nürnberg bis Würzburg. Wien. London. Viele Fotos, ab 1990 die ersten eigenen Videofilme, deren damalige optische und akustische Amateur-Ergebnisse zehn Jahre später völlig eingestellt wurden.

So viele Tageszeitungen habe ich vorher nie gelesen. Manche Berichte hinterließen Eindrücke, die zunächst verschwanden, aber immer mehr anwuchsen, deren Details und Bewertung sogar im Lauf der Zeit das Interesse an Lokalbesuchen und Reisen dämpften. Wenn nichts Neues grundsätzlich dabei herauskommt, verlieren sie ihre Kraft, und die Energie verlagert sich, auch die Gewohnheiten. Im besten Fall ist das ein riesiger Schatz, der sich mit Geld nicht bezahlen lässt. Auch Macht hat mich nur interessiert, wenn die Entscheidungen etwas bewirkten, verbesserten oder Probleme lösten. Die Werkzeuge dafür wuchsen, die Methoden zur Analyse und Bewertung auch. Die Zeit selbst wird immer kostbarer. Auch das mangelnde Verständnis für Bremsklötze wächst, die Steigerungen von Arbeitsabläufen bremsen, die Erleichterungen und trotzdem wachsende Gewinne für alle Betroffenen voraussehbar machen.

Das offensichtliche Ergebnis sind alle 462 Artikel, die bisher hier in diesem Blog seit Januar 2015 erschienen sind und die Jeder lesen kann. Auf der Startseite findet man weitere, ältere Blogs und meine Mail-Adresse. Ernst gemeinte Fragen werden gern beantwortet, allerdings gibt es bereits viele Tipps und Hinweise, bei denen Jeder sich selbst gründlich informieren kann. Das Urheberrecht ist zu beachten. Gesprächsstoff mit anderen Menschen stösst manchmal an Grenzen. Juristische Kommentare findet man vor Allem in „Die Säulen der Gerechtigkeit“, rechts unten auf dieser Seite.

Die Muik war dabei immer ein eigenes Universum. Die Auswahl geschieht nicht nach einer Hit-Liste, sondern nach dem Zufallsprinzip, wenn ein Klang plötzlich im Gedächtnis auftaucht.

Zum Beispiel jetzt: Bachs Orchestersuite Nr. 3, in der festlicher barocker Trompetenschall und die Stille der Meditation sich gegenseitig steigern:

https://www.youtube.com/watch?v=FuMtEof9MWs

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