Erntezeit

10.3.2016. Die Jahreszeit der Ernte ist der Herbst, in neun Monaten. Unabhängig vom Kalender ist eine andere Ernte. Der Erfolg nach einer gelungenen Aufgabe. Dazu später der Rückblick auf das Leben. Was gelang, was nicht?

Das Schicksalsrad dreht sich. Das Untere rollt nach oben, auch der Sumpf, Eine ruhige Wasserfläche schlägt Wellen, wenn man einen Stein hineinwirft.. Das war ein Hauptprinzip der genialen Hitchcock-Filme. Andere sind nicht so genial. Gestern beim Durchqueren eines Kaufhauses steht da ein junger Mann mit schwarzem Anzug und Krwatte, winkt heran. Er will eine Visa-Karte der Kreditkarten-Firma verkaufen. Die protokolliert alles, was der Inhaber wann und wo kauft. Mehr noch als die Kundenkarte mit Rabatt, die festhält was der Kunde bei einer einzelnen Firma kauft. Freundlich sage ich zu ihm, „Das dient doch nur zum Ausspionieren.“ Er nickt heftig, will aber darüber nicht diskutieren. Es ist ja auch sein Arbeitsplatz. Also gehe ich fort. Unfreundlich war er nicht.

Vielleicht hatte er keine persönlicheAlternative. Immer mehr Arbeitsplätze fallen weg. Immer mehr Menschen – nicht nur die Flüchtlinge – suchen Arbeit. Und dann winken die krummen Dinger, mit goldenen Händen.

Charles Baudelaire (1821 – 1867) achrieb ein wunderbares Gedicht: „Der Albatros“. Zitat, in der Übersetzung des Dichters Stefan George:

„Oft kommt es vor, dass das Schiffsvolk, zum Vergnügen, die Albatros,die großen Vögel fängt, die sorglos folgen, wenn auf seinen Zügen das Schiff sich durch die schlimmen Klippen zwängt. Kaum sind sie unten auf des Deckes Gängen, als sie – die Herren hoch oben im Himmelslicht – ungeschickt die großen weißen Flügel hängen. Und an der Seite schleifen wie geknickt. Der sonst so flink, ist nun der matte Steife. Der Lüfte König duldet Spott und Schmach. Der Eine neckt ihn mit der Pfeife. Ein Anderer ahmt den Flug des Armen nach. Der Dichter ist wie jener Fürst der Wolke. Er haust im Sturm – er lacht dem Bogenstrang. Doch hindern drunten zwischen frechem Volke die riesenhaften Flügel ihn am Gang.“

Die Matrosen behandeln dasTier als exotisches Spielzeug,haben aber selbst nicht die Kraft zu fliegen. Neid und Bosheit vereinigen sich. Herrschen wollen, Gier nach Macht und Geld sind Hauptursache für alle Krisen, auch für ein schlechtes Betriebsklima. Für Korruption. Bestechung. Betrügereien. Wo nachts die Schlingpflanzen wuchern, Schlangen lautlos durch die Sümpfe gleiten, da ist ein Leben in der Dunkelheit, das sich den Blicken entziehen will

Doch wir stehen am Ende aller Geheimnisse. Das Internet deckt alles auf.  Eine magische Kraft, die Impulse aussendet, die niemand beeinflussen kann, ohne Datenspuren zu hinterlassen. Darüber wachen die Gesetze des Universums, die Alles lenken und die Versiöße bestrafen. Sie haben Zeit. Sie warten ab. Die Lebensdauer eines Menschen reicht aus dafür.  Und für historische Epochen gilt ein längerer Atem. Doch das wird auch dann offenbar.

Gustav Mahler (1860 – 1911) vertonte altchinesische Gedichte. Darunter auch das „Trinklied vom Jammer der Erde“.

„Schon winkt der Wein im goldenen Pokale,
Doch trinkt noch nicht, erst sing‘ ich euch ein Lied !

Das Firmament blaut ewig und die Erde
Wird lange feststehen und aufblühen im Lenz.
Du aber, Mensch, wie lang lebst denn du?
Nicht hundert Jahre darfst du dich ergötzen
An all dem morschen Tande dieser Erde“

Fritz Wunderlich singt „Das Trinklied vom Jammer der Erde“

https://www.youtube.com/watch?v=Wp8GMBTmhpU

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