Falsche Prognosen

4.10.2016. Fast schon Novemberwetter. Kalt und regnerisch. Doch  die frühe Dunkelheit dämpft den Blick auf die flachen Äußerlichkeiten, die trügerischen Fassaden. Wunschgemäß geht man auch dorthin, wo  sonst die Touristenmassen sich drängen. In eine alte Großgaststätte, deren Inneres sich seit vielen Jahren nicht verändert hat. Das passt zu Rückblicken, Gesprächen über die Vergangenheit. Was hat man erreicht? Die materielle Kategorie bringt viele Misserfolge, weil an der Spitze der Pyramide nur Wenige Platz haben. Eine andere Kategorie sind Erinnerungen, Erfahrungen. Und da ist es schon erstaunlich, wie Fakten unterschiedlich bewertet werden, je nach Kenntnisstand und Intelligenz. Das erklärt auch, warum in Großkonzernen und anderen Organisationen schwere Fehler gemacht werden, die dann auf alle nachgeordneten Ebenen durchschlagen,ihre Wirkung  vervielfältigen und in kurzer  Zeit immer unlösbarer werden.

 In rotgoldenen Farben nähert sich die Natur dem blattlosen Winter, dessen lebloser Kälte ein Neubeginn folgt. Ein Naturprinzip, das für viele Bereiche gilt, aber gern ignoriert wird, wenn Macht und viel Geld die Beweglichkeit bremst oder verhindert. Wenn eine inkompetente Regierung die Staatsfinanzen mit der Gießkanne verteilt, fehlt das Geld für Arbeitsplätze, Lohnerhöhungen, Renten, Straßenbau, Schulen, Universitäten. Unkontrolliert anschwellende Einwandererströme aus allen Kontinenten  überschwemmen den Niedriglohnsektor und verlagern die Arbeitslosigkeit auf Gruppen, die nicht nur im Gastronomiebereich täglich  körperliche Höchstleistungen für wenig Geld erbringen. In bester Münchner Innenstadtlage erzählte mir heute eine ältere Kellnerin, dass sie bei einem Netto-Einkommen von 640 Euro es nicht leisten könne, in die Rente zu wechseln.

Es fehlen Seismographen, die unterirdische Erdbeben schon dann registrieren, wenn sie an der Oberfläche noch gar nicht erkennbar sind. In der wissenschaftlich durchleuchteten Geologie funktioniert auch das nicht immer. In anderen Bereichen noch weniger. Seriöse Ergebnisse werden ignoriert, falsch analysiert oder sogar manipuliert. Ein vorprogrammiertes Chaos, trotz aller Experten mit akademischem Abschluss gilt das im juristischen, ökonomischen, politischen Bereich. Und überall. Die aus dem Mittelalter überlieferte „Tabula Smaragdina“ bringt es auf den Punkt; „So wie die große Welt funktioniert auch die kleine.“ Das Innere des Makrokosmos spiegelt also den Mikrokosmos und seine Regeln.

Dazu kommt die Relativität. Heute fragte mein vorher unbekannter Tischnachbar: „Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie erreicht haben?“ „Zufriedenheit ist das falsche Wort. Erstrebenswerte Ziele gibt es immer. Was man nicht erreichen kann, muss man loslassen. Das ist einer von vielen Schritten zur Ausgeglichenheit und zur Erkenntnis, deren höchste Stufe der Renaissance-Dichter Dante (1265 – 1321) als „Paradies“ bezeichnete.

Hier fand dieses Gespräch statt:

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Johann Sebastian Bach hat zwei Gegensätze vereint: Eine hoch komplizierte Orchestersprache, die selbst von Virtuosen manchmal nur ansatzweise bewältigt wird, aber ganz einfache Aussagen zur Konzentration und Meditation enthält. Zum Beispiel in seinen Violinkonzerten;

https://www.youtube.com/watch?v=DFLN2z3bNDw

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