Fest im Sattel – der Stiefel

23.8.2020. Mandolinen sind bekannte, aber nicht sehr verbreitete Musikinstrumente. Als Teil der Volksmusik findet man sie in Neapel. Giacomo Puccini blätterte in der Partitur von „Tristan und Isolde“, als er zu einem Besucher sagte, „Gegen den sind wir doch nur ein Mandolinenorchester.“ Das alte Saiten-Instrument wird oft „Unisono“ gespielt, also auch in mehrköpfigen Gruppen mit nur einer einzigen Melodie. Die gesamten Metallsaiten erzeugen eine wellenförmige Melodie, die an beruhigendes Meeresrauschen erinnert. Die unruhige Großstadt Neapel liegt fast direkt am Meer. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit den musikalischen Klang-Wellen. Gemeinsam mit berühmten Sehnsuchtsliedern über Liebe und Einsamkeit ist Neapel das Tor zum feurigen Süden, dem Mezzogiorno, direkt unter der Kniescheibe des „italienischen Stiefels“, wie man die trittfeste geographische Form des ganzen Staates bezeichnet. Uber der Mitte des Schuh-Absatzes, dem“Steigbügel“ liegt die Region Basilicata, die oft mit dem benachbarten Apulien verwechselt wird und immer noch zu den vergessenen Armenhäusern im reichen Europa gehört. Kinoregisseure haben hier mehrfach Bibelfilme gedreht, weil es dort aussieht wie vor zweitausend Jahren. 1945 veröffentlichte der von Mussolini in die Basilicata verbannte Schriftsteller Carlo Levi seine düsteren Eindrücke in dem Buch „Christus kam nur bis Eboli“. Damit landete er einen Fußtritt zum sofortigen Handeln in der weit entfernten Hauptstadt Rom. Die in Steinzeit-Felsenhöhlen lebenden Bewohner von Matera bekamen Neubau-Wohnungen, wussten allerdings nicht, was für einen Zweck die eingebauten Badewannen hatten. Also pflanzten sie dort Blumen an.

Matera war letztes Jahr die „Kulturhaupstadt Europas 2019“, gewählt von der „Europäischen Union“. Die Wahl hatte bereits fünf Jahre vorher stattgefunden. Die lange Wartezeit sollte offensichtlich die Vorfreude anheizen und den Fremdenverkehr auf Hochtouren bringen. Aber vom Erfolg sah man in den Straßen nicht viel. Einige befragte Passanten vertrauten dort immer noch auf die Zukunft. Nach zweitausend Jahren!

Europa ist, von Spanien bis Norwegen, trotz der hohen Zahl von 27 vereinigten Länder, immer noch ein schemenhaftes Phantom, das im Morgennebel sich in Luft auflöst. Die Zentrale in Brüssel ist voller Politiker, die bessere Tage gesehen haben oder dort gelandet sind, ohne zu wissen, warum eigentlich. „Frag nicht, warum ich gehe,“ sang einst Marlene Dietrich. Es könnte die Gemeinschafts-Hymne sein:

https://www.youtube.com/watch?v=V7DrJTCF-FA

Das Lied ist schöner als die Wirklichkeit. Und mit der tristen Realität müssen die Verlassenen einfach leben. Obwohl es ja ganz anders ginge. Zum Beispiel durch Überprüfung und Neuverteilung der staatlichen Subventionen. Einsparen muss man da gar nichts, nur anders ausgeben. Für andere Projekte und durch Streichung alter Zöpfe, die mit der gefüllten Gießkanne auch lebendige Flüsse bewässern und den Schiffsverkhr verdoppeln.

Konkrete Einzelfälle gibt es genug. Sie werden von gesenkten Köpfen betrachtet, die selbst auch von der allgemeinen Schläfrigkeit, Bewegungslosigkeit verlangsamt werden. Eine Krise dauert nicht ewig. Aber was danach kommt, ist oft noch unerfreulicher. Aber auch das gibt es: Ein Wundermittel, das immer noch funktioniert, kann man hier ausprobieren und als zuverlässiges Heilmittel anwenden:

„Wirtschaftswunder“

https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswunder

In der Musikwelt gibt es mittlerweile einige Gruppen, die mit bekannten Liedern als „drei Tenöre“ auftreten. Eine davon heißt „Il Volo“. Ihr zehnjähriges Jubiläum feierte sie im Jubeljahr 2019 auf dem Markplatz von Matera. Auch ein Beitrag zur Unterstützung der Region. Hier kann man das vollständige Konzert hören (1.37 Stdn.) :

https://www.youtube.com/watch?v=B-DrS_PvOd0

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