Fliegende Wolken am Himmelsrand

13.1.2017. Nach zehn Jahren Bauzeit wurde gestern die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. Eine Filmdokumentation zeigte die vielen Pannen und Streitereien, die alles verlangsamten und zwischendurch sogar lahmlegten. Aber man sah auch die filigrane Feinarbeit der Akustiker, die jedes Detail so lange veränderten, bis es den bestmöglichen Klang zu einer Kathedrale aufbaute.

„Das Große ist wie das Kleine“ (Tabula Smaragdina). Die Arbeit am vollkommenen Menschen erzeugt keine fehlerfreien, kalten Roboter. Aber alle Einzelschritte führen  immer weiter aufwärts. Der Weg allein ist auch das Ziel. Die Dämpfung negativer Impulse. Die Weckung positiver Energie.

Das sind keine nutzlosen Gedankenspielerei. Im letzten Sommer öffnete ein verzweifelter Mensch die Türen zu seinem Innenleben. Und im Angesicht der Dunkelheit wurden Gegenkräfte langsam stärker, aus dunklen Farben, aus Erinnerungen und Enttäuschungen wuchsen Konzentrationn und Meditation, bündelten sich zu einem Brennglas, das  ein helles klares, Licht erzeugte.

Ein Mensch mit Goldkette und Tätowierungen ist eigentlich schon abgestempelt, bis er es zulässt, das man unter die Oberfläche schaut.

Wenn zu ungewohnter Zeit ein Freund sich meldet, dann gibt es dafür Gründe, die nicht sofort erkennbar sind, aber sichtbar werden, wenn die Zeichen immer stärker werden und sich dann entziffern lassen.   .

Arnold Schönberg (1874 – 1951), der Erfinder der kühlen, übermäßig logischen Zwölftonmusik, hat vor hundert Jahren die „Gurre-Lieder“ komponierte, die ganz anders klangen als seine Spätwerke, hoch romantisch, voll tiefer Gefühle und zu dem folgendem Text, der die Außenwelt im Innenleben spiegelt und steigert:

„Nun dämpft die Dämmerung jeden Ton von Meer und Land.
Die fliegenden Wolken lagerten sich wohlig am Himmelsrand.
Lautloser Friede schloss dem Forst die luftigen Pforten zu,
und des Meeres klare Wogen wiegten sich selber zur Ruhe.

Im Westen wirft die Sonne von sich die Purpurtracht
und träumt im Flutenbette des nächsten Tages Pracht.
Nun regt sich nicht das kleinste Laub in des Waldes prangendem Haus.
Nun tönt auch nicht der leiseste Klang.
Ruhe aus,mein Sinn,
ruhe aus!
Und jede Macht ist versunken in der eigenen Träume Schoß,
und es treibt mich zu mir selbst zurück,
stillfriedlich,sorgenlos.“

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Hier kann man das hören:
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