Frank

17.10.2019. Frank Sinatra ( 1905 – 1998 ) hat schon als Jugendlicher Schallplatten aufgenommen, ließ seine Atemtechnik dann von einem professionellen Opernsänger verbessern und schrieb danach Musikgeschichte. Nicht alle seine Aufnahmen sind hörenswert, aber er hat so viel große Kunst hinterlassen, dass sie auf der ganzen Welt immer wieder zu hören ist.

Dabei waren es nicht nur beliebte Schlager. Im Jahr 1955 nahm er das erste Themenalbum auf, also kein Sammelsurium unterschiedlicher Stücke, sondern die ganze Platte war einem einzigen Motiv gewidmet: Seiner Trennung von der Schauspielerin Ava Gardner, die dabei allerdings mit keinem Wort erwähnt wird. Die Lieder-Sammlung „In the Wee Small Hours“ beschränkt sich auf Gedanken über die Einsamkeit an nächtlichen Bartheken, die schmerzliche Sehnsucht nach einem anderen Menschen und wird überwiegend von herben, melancholischen Violinen begleitet. Allseits bekannte Stücke sind nicht dabei, aber allein den klaren Gesang und die eindringlichen Melodien kann man immer wieder anhören.

Beim Privatleben von Sinatra fand die Klatschpresse immer wieder reichlich Stoff. Die Fotos in seiner Begleitung mit bekannten Mafiabossen konnte er nicht verhindern. Er sagte nur, „Wenn die Leute meinen, dass das Alles so einfach ist, dann haben sie sich geirrt.“ Damit hatte er Recht. Im ersten Teil von Francis Ford Coppolas Kino-Trilogie „Der Pate“ bringt ein Sänger namen Johnny Fontana einer geschlossenen Hochzeitsgesellschaft ein Ständchen. Fontana bedeutet „Fountain“ (Brunnen). Ein Welterfolg von Sinatra war die Kinomelodie „Three Coins in the Fountain“. Das ist natürlich nur ein Zufall. Später in dem Film will der Sänger Fontana in einem neuen Hollywoodfilm mitspielen. Der Regisseur lehnt das jedoch ab. Daraufhin schickt ihm de Boss Don Vito Corleone ( Marlon Brando ) seinen Hausanwalt vorbei. Auch der erreicht nichts, zeigt aber dem Gast seinen Stall mit edlen Reitpferden und seinem schwarzen Lieblings-Rappen. Die nächste Szene zeigt den Regisseur schlafend, im Bett seiner Traumvilla. Wach wird er, weil eine schwere Flüssigkeit an seiner Hand klebt. Er schaut nach und sieht den abgehackten Kopf senes Lieblingspferds. Sonst ist Niemand da. Er bekommt einen lauten Schreikrampf, und Johnny Fontana bekommt die gewünschte Filmrolle. Die Handlung ist natürlich frei erfunden.

Eine zwei Geschichte stammt von einem amerikanischen Fernsehkomiker. In seiner Sendung machte er sich über den mächtigen Sinatra lustig. Passiert ist dann erst einmal gar nichts. Aber in seiner nächsten Sendung erzählte der Fernsehkomiker: „Gestern saß ich auf meiner Terrasse zu Hause und genoss den Sommerabend. Plötzlich hat Jemand aus dem Dunkeln auf mich geschossen. Ich weiß nicht, wer es war, aber eine Stimme sang: ‚Shoo bi doobi doo‘ “ Mit diesen Worten endet tatsächlich Sinatras berühmtes Lied „Strangers in the Night.“

Sinatra war bei seinen Kollegen aus der Filmbranche beliebt, weil er ihnen menschlich oft zur Seite stand. Sammy Davis Jr., der einäugig war, farbig und jüdischen Glaubens, also kein glamouröser Hochglanz-Star, berichtete in einem Interview von dieser Seite Sinatras, mit der er sich niemals in der Öffentlichkeit wichtig machte. Und als „The Voice of America“, ohne Orchesterbegleitung, einmal „Old Man River“ sang, war unter den Gästen auch der Bürgerrechtler Martin Luther King, der heftig zu weinen begann, weil die, auch als Dokumentarfilm aufgezeichnete, eindringliche Interpretation des Mississippi-Songs ihm sehr nahe ging.

Faszinierend sind viele Details seines abwechslungfreichen, auch von schweren Enttäuschungen nicht verschonten Lebens. Viele Schatten sind um ihn herum gezeichnet und aufgeschrieben worden. Einmal wurde er sogar von Kongressabgeordneten verdächtigt, Kommunist zu sein. In den Fünfziger Jahren, bei den zunehmenden schweren Spannungen mit der damaligen Sowjetunion, war deas ein schwerer Verdacht. Er berichtete in einem Interview, dass er sich daraufhin ins Auto setzte, persönlich bei den Herren aufauchte und sie energisch von ihrem Fehler überzeugte. Danach hat man ihn in Ruhe gelassen.

Es gibt sehr spannende, ausführliche Dokumentarfilme über den Sänger. Einmal trat er vor Lebenslänglichen im Hof eines amerikanischen Gefängnisses auf. Auf hohen Wachttürmen ringsum standen bewaffnete Scharfschützen, aber zwischen Sinatra und seinem begeisterten Publikum waren überhaupt keine Absperrungen, und mit Begleitorchester sang er seine beliebtesten Hits, ohne jeden Zwischenfall. Übertrieben Angst unnd Misstrauen waren ihm fremd, aber dumm war er bestimmt nicht.

Sehr bekannt ist seine Lebesbilanz „My Way“. Der Sänger Paul Anka hat dieses von ihm komponierte Stück auch selbst in einem Film aufgezeichnet. Aber wenn Sinatra ein Lied übernahm, gehörte es ihm. Es beginnt (sinngemäß ) mit den Worten: „Und jetzt ist das Ende nahe, und so schaue ich auf den letzten Vorhang… Ich lebte ein volles Leben und wanderte auf allen Fernstraßen. Und mehr, viel mehr als das: Das habe ich gemacht – auf meine Weise.“ Hier kann man es hören:

https://www.youtube.com/watch?v=qQzdAsjWGPg