Geister-Reiter am Himmel

24.8.2020. „Geister-Reiter am Himmel“ ist ein beliebtes amerikanisches Lied (Ghost Riders in the Sky). Es verarbeitet den Eindruck schwarzer Sturmwolken, wenn der Wind sie am Himmel entlang treibt, als wäre es ein Heer geisterhafter Krieger. Das ist nicht neu. In skandinavischer Frühzeit entstand das Bild von gepanzerten kriegerischen Frauen, (Walküren), die umgekommene Krieger auf dem Schlachtfeld, der Walstatt, auswählten und mit ihnen nach Walhall flogen, wo sie in Wotans Götterburg verehrt, an langen Festtafeln gefeiert wurden und gemeinsam weiter lebten, bis zur letzten Schlacht, dem Ragnarrök.

Die Idee hat mehrere Quellen. Sie stammt aus der fernen Urzeit, als ständig Kriege geführt wurden, um den Reichtum und den Ruhm der weit herumziehenden Stämme zu steigern. Damals glaubte man, dass in sämtlichen Naturerscheinungen stumme Lebewesen das Schicksal der Menschen beobachteten, begleiteten und ihnen ein ewiges Leben schenkten, wenn sie tapfer und mutig waren. Damit sicherten sie auch die Zukunft ihres Volkes.

In Amerika ist es ein Lied aus dem Wilden Westen, als bei der Eroberung des Landes viele Indianerkriege geführt wurden. Gesungen haben es wohl europäische Einwanderer, die sich noch an die altn Sagengeschichten aus ihrer vorherigen Heimat erinnerten. Als Farmer (Bauern mit Haus und Hof) und Bewacher großer Pferde- und Büffelherden, und weiter nach Westen marschierende Cowboys (Wanderhirten) sangen sie abends am gemeinsamen Lagerfeuer die Lieder, die man in Nordamerika unter dem Begriff „Country and Western“ überall kennt.

Ein fast vierstündiger Kinofilm parodierte 1980 das Leben und die ganze Musik des Landes in einer turbulenten Verfolgungsjagd und einer derart aufgekratzten Form, dass die Empfindlichkeiten dabei nicht verletzt wurden. Lachen muss nicht immer falsch sein, wenn es im Zusammenhang mit abendlicher Geselligkeit und guter Laune die Stimmung in die Höhe treibt. Das kurz gespielte Lied von den „Ghost Riders in the Sky“ hört man hier von den „Blues Brothers“ :

https://www.youtube.com/watch?v=vOVWx3iWrAI

Viel zu lachen hatten die ersten Einwanderer allerdings nicht, weil eine Riesenarbeit auf ungenutztem Neuland und viele lange Gewaltmärsche vor ihnen lagen. 1789 war George Washington der erste Gründungspräsident der Vereinigten Staaten. Im gleichen Jahr hatte die Französische Revolution den letzten König in Paris auf der Flucht verhaftet und öffentlich hinrichten lassen. Die Alleinherrscher waren danach unerwünscht, nachdem der „Sonnenkönig“ Ludwig IV. vorher das ganze Geld des Landes für sich verpulvert hatte und befahl, „Der Staat – das bin ich.“ Diese brutalen Sitten wollte die Flüchtlinge aus diesem Treibens in ihrem neuen Ziel Amerika nicht mehr dulden. Bis heute gilt dort die staatliche Verfassung, die allen Bürgern zahlreiche Freiheitsrechte garantiert. Die Pressefreiheit ist ein Verbot jeder willkürlichen Kontrolle und Zensur. Gleichzeitig hatten Alle das Recht auf freie Meinungsäußerungen, ohne Strafandrohung. Scharf getrennt wurden die Gesetzgebung (Legislative), Rechtsprechung (Jurisdiktion) und der Machtbereich der Behörden (Exekutive). Über alle drei Bereiche bestimmte vorher ganz willkürlich der Alleinherrscher. Auch Deutschland bekam 1949, nach dem Zeiten Weltkrieg, ein offenes Grundgesetz, das die Bürger sogar zum Widerstand aufforderte, wenn die Regierung Gesetze brach. Dazu gehören auch gewaltsame Übergriffe der Polizei, anderer Staatsorgane und alle Fehlurteile von Gerichten, deren Verursacher korrigiert und bestraft werden müssen, wenn sie vorsätzlich oder grob fahrlässig handeln, also das Unrecht hätten erkennen müssen.

Das geschieht oft gar nicht. Aber es bleibt nicht unbemerkt. Wie mühselig war noch vor einem halben Jahrhundert die Spurensicherung, die Entdeckung und Auswertung von Verbrechen. Heute ist das – eigentlich – ganz einfach. Aber die Methoden sind oft noch von vorgestern. Obwohl sie im Prinzip ein streng vorgeschriebenes Muster haben: Jeder Vorfall und jede Strafanzeige muss schriftlich protokolliert werden, selbst wenn der Zuhörer sie für Unsinn hält. Diese Beurteilung ist allein Sache der Staatsanwaltschaften, die ein rasch auffindbares Aktenzeichen nach einem festen System festlegen müssen. Falls dann nichts geschieht, mus es begründet werden. Bei Fahrraddiebstählen und Massendelikten reicht die Formel: „Die Ermittlungen haben zu keinem Ergebnis geführt.“ Gegen solche Pauschalantworten kann Jeder Einspruch und Beschwerden abgeben, die noch einmal geprüft und begründet werden müssen. Damit ist nicht Schluss, sondern anhand des durchnumerierten, nicht unterbrochenen Aktenzeichens können sämtliche Aktivitäten nachgeschaut und beanstandet werden. Ein Bekannter erzählte mir vor Jahren, dass dann amtliche Unterlagen einfach verschwinden und vernichtet werden. Doch jedes einzelne Blatt muss eine fortlaufende Nummer haben, damit Lücken sofort auffallen. Oder es gibt Kopien, die sich jeder Beteiligte, jederzeit machen kann. Oder unbeachtet andere Beweisdokumente, Zeugenaussagen und Spuren, die bis zum rechtskräftigen Prozessende aufbewahrt werden müssen. Wertvoll sind auch die Kantinengespräche von Prozessbeteiligten in den Pausen, bei denen Jeder Kaffeetrinker zuhören kann.

Noch bequemer sind die Ermittlungen, wenn elektronische Datenspeicher auch zusätzliche Querverbindungen und unbeachtete Zusammenhänge melden und dabei immer mehr Licht ins Dunkel bringen. Verstärkt müssen dabei Themen-Filter und andere automatische Assistenten für Verstärkung sorgen.

Das wird zwar schon seit Jahren gemacht, aber nicht überall und nicht so kräftig wie es sein müsste.

Deshalb müssen die internen Arbeitsabläufe noch mehr uabhängig, von betriebseigenen und außenstehenden neutralen Experten untersucht werden. Die Polizei hat zentrale Dienststellen, wo das Fehlverhalten von Kollegen genu unter die Lupe genommen wird. Beschweren sich Besucher auf dem Oktoberfest übe prügelnde Polizisten, werden sie auf Volksfesten nicht mehr eingesetzt. Außerdem beginnt ein Disziplinarverfahren, mit dem Ziel der endgültigen Entfernung aus dem Dienst, Gehalts- und Pensionskürzungen.

Polizisten arbeiten schwer, tagsüber und nachts. Trifft man sie auf der Straße, sind die meisten nett und hilfsbereit. Auch Staatsanwälte trinken in ihrer Freizeit gern mal ein Bier. Ich habe damit niemals schlechte Erfahrungen gemacht. Sie wundern sich nur manchmal, dass man sie an ihrer Sprache, den Lieblingthemen und der privaten Sportausübung schnell erkennt.

In den frühen Siedlungsjahren der Vereinigten Staaten haben die Einwanderer in einsamen Gegenden oft selbst für „Law and Order“ (Recht und Ordnung) gesorgt. Wenn Gangster das teure Ackervieh klauten oder das von fleißigen Händen gesparte Geld mit der Pistole an der nächsten Bank abholten. Dann war die nächste Polizeistation oft Hunderte von Kilometern entfernt und ein selbst gezimmerter Holzgalgen meistens schon sehr nahe. Halunken nannte man „Galgenvögel“. Der Wilde Westen ist seit dem vorletzten Jahrhundert vorbei. Das Gespür für Gerechtigkeit hat sich nicht geändert. Einer zahlenmäßig großen Minderheit ist das zwar egal. Aber die Datenbanken und deren neutrale Auswertungsmethoden für Fakten werden immer durchsichtiger und treffsicherer. Ein gutes Zeichen für die Gegenwart.

Eine gute Version der „Ghost Riders in the Sky“ sangen 1990 Willie Nelson und Johnny Cash:

https://www.youtube.com/watch?v=nOWjX4BpC24

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