Grün ist die Heide

10.8.2020. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs funktionierte die Welt nach ganz anderen Regeln. Eine Währungsreform brachte neues Geld, das sich rasch vermehrte. Die Fresswelle verjagte den Hunger der Angstjahre. Dann wuchsen die ersten Häuser in die Höhe, die auf den Trümmern des Kriegsschutts ganz neu auftauchten, wie reale Wunder und finanziert wurden als private Eigenheime , mit günstigen Krediten vom Staat. Als Nächstes sparten Viele für Abenteuer mit einem eigenen Auto, mit dem es dann gleich über die Alpen ging. Rimini, vorher ein Fischerdorf am Strand der Adria, lag plötzlich am „Mare Teutonicum“, am Deutschen-Grill. Der Ort sorgte dafür, dass der Ortsname sich in ganz Europa verbreitete.

Im Kino gab es vorher meist Komödien oder teure Musikrevuen, damit die Leute überhaupt noch an etwas Anderes dachten als an Bombenangriffe und Flucht in Luftschutzkeller.

Und dann kam die Heimat-Welle. Man reiste wieder durch das eigene Land oder ließ es sich nenzig Minuten auf der Leinwand zeigen, natürlich in Farbe und mit vielen lachenden Gesichtern. Käutnersbekannter Film mit Hans Albers, über das lockere Vergnügungsviertel der Hamburger Reeperbahn am Hafen, wurde noch mit ständigen Zwangspausen gedreht, noch während die britischen Kampfbomber im Anflug waren. Dann passte die melancholische Handlung nicht mehr ins militärische Kampf-Konzept, und das harmlose Stück wurde noch vor der Premiere verboten.

Doch dann wurde es ein Riesenerfolg, bis heute. Auch andere Kassenschlager mobilisierten die großen Gefühle. Was hatte man nicht Alles verpasst… Überall warteten alte Flüsse in blühenden Weingebauten. Romantik. Heidelbergs Schloss im nächtlichen Mondschein. Rothenburgs unzerstörte Märchenwelt aus niedrigen Fachwerkhäusern, hoch über dem stillen Taubertal. Das Traumschloss Neuschwanstein im Allgäuer Alpenvorland wurde von friedlichen japanischen Touristen für Jahrzehnte erobert. Sie haben mittlerweile Alles gesehen. Aber jetzt sind die Chinesen da. Je nach Reisekasse findet man sie auch im stillen Böhmerwald.

Eine mitreißende Aufbruchstimmung wurde damals immer stärker. Aber es war nicht das glückliche Ende vom Lied. Die schunkelnde Jubelwelle überschritt ihren Höhepunkt, als die Deutschen plötzlich fleißige, arme Nachbarvölker brauchten, um auch in Duisburg oder Stuttagart den Zauber fremder Länder preiswert serviert zu bekommen. Dann kamen die aufgeheizten Berliner Studentenunruhen, schon ab 1968, die den verschwenderischen, freigebigen Staat selbst abschaffen wollten. Ein Tiefpunkt: Auf den klugen, energischen Bundeskanzler Helmut Schmidt, der in Hamburg hoch angesehen war als leitender Senator für die Polizei, lauerten intrigante Parteiführer und Verräter, bis er 1982 als Regierungschef zurücktrat. Ihm folgtne viele seltsame Figuren, die weder Begabung, Intelligenz oder erfolgreiche Erfahrungen für ihre Arbeit anzubieten hatten.

Deshalb kam es zu vielen Krisen, Ungerechtigkeiten und falschen Entscheidungen. Bei Renten, der Arbeitslosenhilfe, am schimmsten bei schlecht besetzte Führungspositionen in großen Konzernen. Das gibt es ja auch in Nachbarländern und auf der ganzen Welt. Aber da war doch mal was !

Nämlich die deutshen Aufbruchsjahre nach dem letzten Krieg. Dass sie so großartig funktionierten, hatte Ursachen, die in anderen Artikeln schon oft genannt, bewertet und zur Neubelebung dringend empfohlen wurden.

Die Gesetze der Ökonomie erzwingen unerbittlich Beachtung, sonst folgen Katastrophen. ERfunden hat die Regeln kein Mensch, aber immer wieder gefunden. Es sind – wie viele andere – die ältesten Fundamente unseres Planeten. Selbst die noch unbekannten Teile des Kosmos können nur mit eigenen Regeln funktionieren. Das gesamte Räderwerk zeigt sich nicht. Aber seine Wirkungen sind erkennbar.

Man kann sie erforschen und anwenden. Wer das nicht macht, ist rasch erkennbar. Trotzdem ist das immer noch eine offene Zukunftsaufgabe. Die wichtigste. Realistische Pantasie und aktiver Mut gehören dazu. Die Hoffnung hilft nicht. Nur wenn sie sich verbindet mit nachprüfbarenen Erfahrungen und Aktivitäten, die keinen absichtlichen Schaden anrichten.

Das Lied „Grün ist die Heide“ war früher sehr beliebt, wird aber aber kaum noch gespielt. Große Gefühle sind aus der Mode oder geheuchelt, ein aufblitzendes Ampelsignal für billige Reklame oder unerwünschte Pläne. Richard Tauber (1891 – 1948), umjubelt in anspruchsvollen Opern und Operetten, hat hier auch den Text ernst genommen:

https://www.youtube.com/watch?v=VtFcYKm6udQ

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