Helden der Arbeit

19.9.2019. Helden der Arbeit gibt es Viele. Sie haben Urkunden bekommen oder fünf Mal den Oscar als wandernde Vogelscheuche. Wichtiger sind diejenigen, die kaum Anerkennung bekommen haben. Wie soll Jemand von fünfhundert Euro Rente leben, wenn er das Dreifache an Ausgaben hat? Das geht zwar, ist aber ein eigenes Thema für sich.

Beim gemeinsamen Bierchen wird Vielen die Zunge locker. Sie erzählen Dinge, die längst allgemein bekannt sind, aber aus erster Hand noch frischer und lebendiger wirken. Zum Beispiel der Hansi. Ich habe mich gern mit ihm unterhalten und auch im Bekanntenkreis davon erzählt. Jetzt redet der Hansi nicht mehr mit mir. Sein Stammlokal öffnet erst mittags, aber wenn ich morgens zum Stadtbus gehe, ist er bereits drinnen und putzt die Räume, sagt dabei kein Wort. Wie gern würde ich einmal wieder mit ihm über die Bienenzucht und die letzte Weinernte reden, aber er darf nicht. Schade, denn eigentlich haben wir uns gut verstanden.

So etwas passiert aber öfter. Vielversprechende neue Gesprächspartner sprechen ehrliche Dankesworte auf den Anrufbeantworter, aber das bricht plötzlich ganz ab. Wenn man sie trotzdem sieht, grüßen sie nicht mehr oder schauen in nicht vorhandene Luftspiegelungen.

Das macht je nichts. Zum Leben gehört auch der Abschied, aber wenn der Ablauf sich wiederholt, steckt eine Methode dahinter. Meist will jemand unerkannt Macht ausüben. Oder es ist Neid und Einschüchterung.

Das fällt natürlich auf. „Nur wer gegen den Strom schwimmt, findet die Quelle.“ So heißt ein altes Sprichwort. Es geht auch anders. Die Quellenforschung ist eine ernstzunehmende Wissenschaft, die bei der Beseitigung von Störungen, Krisen und Spannungen unersetzliche Hilfe leistet. Und Wege zu einem Ziel gibt es Viele.

Sehr ergiebig sind Bereiche, in denen noch hierarchischer Gehorsam verlangt wird. Bei der Bundesweht lernten wir, „Sie können sich über jeden Befehl beschweren, müssen ihn aber zunächst ausführen.“ So absolut galt das vor hundert Jahren tatsächlich, aber auch Disziplin darf nicht nur selbstgeflliger Selbstzweck sein. Wer rechtzeitig Gefahren erkennt, darf später dafür nicht bestraft werden. Und ein wichtiger Politiker, der sich mit Polizeisirene und Blaulicht nach Hause fahren lässt, ist ein gefundenes Fressen für die Medien. Das endgültige Ende seiner Karriere ist dann schon voraussehbar, auch wenn er noch so kämpferisch auftritt.. In München hat vor Jahren eine wichtige Person im ungezähmten Karrieredrang vor den entsetzten Augen ihrer versammelten Parteifreunde eine grüne Mappe aus der Aktentasche gezogen und offen verkündet, „Hier drin habe ich über Alle von Euch etwas.“ Danach konnte sie sich nicht mehr blicken lassen, hat aber in einer winzigen Mittelgebirgs-Stadt einen Wahlkreis als Europa-Abgeordnete bekommen – und gewonnen. Jetzt sind alle zufrieden.

Helden der Arbeit sind nicht hochbezahlte Manager, die ohne Not Abgasmessungen bei teuren Autos manipulieren. Aber einfache Mitarbeiter, Kellner zum Besipiel, die sich von der dummen Kundschaft viel gefallen lassen müssen und trotzdem nicht viel davon haben.

Pflicht – das kingt so langweilig. Immanuel Kant hat es so formuliert: „Lebe stets so, dass dein Handeln zur Grundlage eines allgemeinen Gesetzes werden könnte.“ Der römische Kaiser Marc Aurel schrieb, „Verhalte dich an jedem Tag so, als ob es dein letzter wäre.“ Das ist der einzige Schlüssel zum Glück auf Erden. Aber auswendig lernen reicht nicht. Man muss es tun. Und zu den Pflichten gehört nicht nur die körperliche Arbeit.

Die Architekten der mittelalterlichen Kathedralen mit ihren zahllosen, himmelstürmenden Verzierungen und starken Symbolbildern wollten ein weltliches Abbild des Paradieses schaffen.

Dieser Bau wird niemals vollendet, aber Einige arbeiten daran mit ihrer ganzen Kraft. Sie haben ihre Geheimnisse und ein Recht darauf. Denn das endgültige Ziel ist ein Mysterium. Man kann es nicht auflösen, sondern sich daran nur anähern. Aber allein das ist eine Arbeit, die länger dauert als ein einziges Leben.

Sie kennen zu lernen, hat Voraussetzungen. Die wichtigste ist die eigene Kraft und der Wunsch, nicht nur bekanntes Wissen zu wiederholen.