Hippokrates

25.5.2016. Hippokrates (ca. 460 – 370 v. Chr. ) fand eine universale Grundregel der Medizin und gab ihr die Kraft eines Eides, eines Schwures: Jeder Arzt darf seine Kenntnisse nur zur Heilung des Patienten verwenden. Das steht zwar in keinem Gesetzbuch, ist aber trotzdem eine  zeitlose Verpflichtung. Im medizinischen Bereich werden immer mehr Skandale gemeldet, zum Beispiel die Korruption bei den Organtransplatationen, wo Patientenakten gefälscht wurden, die Bestechung von Ärzten durch Pharmafirmen zur Förderung des Verkaufs von Medikamente und eine riesige Palette von Variationen aus dem ganzen heilenden  Berufsbild. In Hitlers Konzentrationslager Auschwitz hat der gutaussehende Arzt Dr. Josef Mengele Menschenversuche durchgeführt. Natürlich ist das verboten, aber er hat es getan. Wegen solcher Verstöße gegen Völkerrecht und Menschenrechte wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg die höchsten Repräsentanten des Dritten Reichs zum Tode verurteilt, unter anderem von amerikanischen  Richtern. Alle Staatsbürger der „westlichen Welt“ müssen das beachten, auch wenn sie im Ausland tätig sind. Denn die Gesetze gelten nicht für ein nationales Territorium, sondern für alle Einzelpersonen, egal. wo sie gerade aktiv sind.

Die Psychologie ist an sich schon ein schwieriges Gebiet, auf dem immer noch viele Fehler gemacht werden, aber der vorsätzliche Missbrauch ist besonders verachtenswert. Viele Klassiker des Kinofilms handeln davon, zum Beispiel „Das Haus der Lady Alquist“ mit Ingrid Bergman, wo eine reiche Erbin von ihrem habgierigen Ehemann mit hinterlistigen Methoden in den Wahnsinn getrieben werden soll. Ein Meister dieses Themas war Alfred Hitchcock. Jeder Filmfreund kennt „Psycho“, „Vertigo“, „Frenzy“ und  seine Agentenfilme wie „Der Mann, der zu viel wusste“ oder „Der unsichtbare Dritte“.  Hitchcock reicht es nicht seine Zuschauer nur zu erschrecken, wie der Münchner Filmregisseur Roland Emmerich in „Joey“, sondern „Hitch“ zeigte die Ursachen, Motive und Methoden der Kriminellen, unter Anwendung der genialen Erkenntnisse der Psychoanalyse von  Sigmund Freud ( 1856 – 1939).  Als Adolf Hitlers Truppen am 12.5. 1938 Österreich besetzten, wurde der jüdische Arzt Freud massiv bedrängt. Freunden gelang es, für ihn die Ausreise nach London durchzusetzen. Kurz vorher sollte er ein Dokument der Geheimen Staatspolizei unterschreiben, dass er gut behandelt worden sei. Er tat das und fügte handschriftlich hinzu: „Ich kann die Gestapo jedermann auf das beste empfehlen.“ Sonst hätten sie ihn nicht abreisen lassen. Erpresste oder manipulierte Aussagen sind sowieso völlig wertlos und dürfen von keinem rechtsstaatlichen Gericht verwendet werden.

All das ist längst ausführlich dokumentiert, auch wenn die Beteiligten damit nie gerechnet hätten. Wer in die aktuelle Tagespresse schaut, findet ständig neue Fälle. Bei den geheimen Geldverstecken in Panama wurden die Namen der Mitwirkenden erst vor ein paar Tagen der gesamten Weltöffentlichkeit bekannt, weil die „Süddeutsche Zeitung“ mit anderen internationalen Kollegen  das Material ausgewertet hat. Hier findet man die Details:

http://panamapapers.sueddeutsche.de/

Kein Grund zur Panik. Das alles gab es schon vor zweitausend Jahren, kam aber damals nicht heraus. Der unvergessene Franz Josef Strauß liebte den Spruch, „Man darf alles tun, aber sich nicht  erwischen lassen.“

Darüber lacht heute Keiner mehr. Wikileaks, Greenpeace – „Leaks“ sind die undichten Risse in einem wasserdichten Schiff, wie bei der Titanic, die von Eisblöcken gerammt wurde.

Trotzdem muss man kein Pessimist sein. Die klugen  Denker der Aufklärungszeit haben im Jahr 1789 das Ende der französischen Monarchie beschleunigt. Trotzdem ist das Land Frankreich nicht untergegangen, stark geworden und befreundet mit seinen Nachbarn, auch dem früheren Kriegsfeind Deutschland. Vernünftige Gesetze regeln die Zusammenarbeit. Dass sie beachtet werden, dafür sorgt immer mehr das Internet, das Alles weiß und nichts vergisst. Fehler passieren, das wird sich nie ändern, aber man muss sie auch reparieren. Information ist keine Einbahnstraße, sondern auch ein Bumerang. Das wissen Viele. Die jüngere Generation am meisten. Es sind zu Viele, die Karriere machen wollen und keinen Platz mehr finden. Wenn sie auf die Smartphones tippen, schauen sie auf unbekannte Kontinente, denken nach und kommen zu Ergebnissen, die heute noch keiner kennt.

Dante Aleghieri (1265 – 1321) wurde berühmt mit seiner „Göttlichen Komödie“. Sie besteht aus drei Teilen: Dem Aufstieg des unwissenden Menschen aus der Hölle („Inferno“)  zum Berg der Läuterung und Erkenntnis („Purgatorio“) bis in das Paradies („Paradiso“), der höchsten Stufe des Wissens und der Vereinigung mit dem Numinosen, das sind die Zeichen Gottes, die der Menschen erkennen kann.

Gustav Mahler (1860 – 1911) nannte seine Zweite Sinfonie „Auferstehung“. Im fünften Satz verwendete er folgenden Text:

„Auferstehen, ja auferstehen wirst du,
Der Herr der Ernte geht
Und sammelt Garben
Für uns ein, die starben.
Was entstanden ist, das muss vergehen,
Was vergangen, auferstehen!
Bereite dich, zu leben!
Mit Flügeln, die ich mir errungen,
Werde ich entschweben
Zum Licht, zu dem kein Aug gedrungen.“

Zubin Mehta dirigiert den letzten Satz von Mahlers Zweiter Sinfonie:

https://www.youtube.com/watch?v=b69UU5PxxJg

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