Island – Panoramen

2.6.2019. Es gibt viele Bilder von Island. Vor allem bunte Ansichtskarten oder auch Reiseführer. Etwas ganz Anderes bot vorgestern ein Film von Reinhard Kungel. Hier sah man die Archetypen.

Archetypen nannte der Schweizer Forscher C.G. Jung alle Bilder, die seit frühesten Zeiten im Gedächtnis der Menschen gespeichert sind. Das können KLänge sein. Ereignisse. Oder gewaltige Landschaften, die eine starke Wirkung auslösen.

Die vier Ur-Elemente sind Feuer, Wasser, Luft und Erde. Island ist eine altive Vulkan-Insel mit Lava-Böden, und kochend heiße Geysire schleudern Wasser in die Luft. Der Fischfang ist eine Haupt-Einahmequelle des Staates. Die Luft ist oft sehr kalt, aber auch klar. Die Erde ist vergleichsweise dünn besiedelt. Die meisten Menschen leben im Ballungsgebiet der Hauptstadt Rejkjavik.

Der Film konzentrierte sich auf den Rest des Landes, das eine karge Vegetation hat. Dünne Grasböden. Kaum dichte Wälder. Dafür viele faszinierende Fels-Formationen, als hätten Riesen dort ihre Spuren hinterlassen. Die alten Sagen (Sagas) sind voll davon. Die Geschichten der Edda handeln vom Heldenmut ihrer Bewohner. Aus Skandinavien kamen einst auch die Wikinger, um reiche Beute in ihren europäischen Nachbarländern zu rauben.

Richard Wagners zehn wichtigste Werke gleichen einem dreiflügeligen Triptychon. Links die frühen – Holländer. Tannhäuser. Lohengrin. Rechts die späten – Tristan. Meistersinger. Parsifal.

Und der Altar in der Mitte? Das sind die vier langen Abende der Tetralogie „Ring des Nibelungen“, die alte skandinavische Motive in gigantische Klanggebirge verwandelt, deren Struktur an ferne Urzeiten erinnert. Man könnte die vier Abende sogar als Spiegelbild der Jahreszeiten zeigen Das Rheingold spiel zwei Mal in blühenden Gebirgslandschaften. Die Winterstürme weichen in der Walküre dem Sommermond. Siegfried ist schon der herbstliche Beginn des Untergangs. Und in der eisigen Kälte düsterer Intrigen endet die Götterdämmerung.

Solche Bilder kann kein Musiktheater zeigen. Aber ein farbenprächtiger Film. Für die Musik kann man eine der hervorragenden Aufzeichnungen der Fünfziger und Sechziger Jahre kostengünstig verwenden, zum Beispiel die überragende Deutung von Hans Knappertsbusch als Mysterienspiel. Durch Perspektiven, behutsam wechselndes Licht, Farben, magische Schauplätze und den Einsatz guter Schauspiele kann hier etwas ganz Neues entstehen.

Leider hat die Münchner Staatsoper in ihrer „Nibelungen“-Inszenierung vor sieben Jahren wichtige, kurz vor der Premiere von mir veröffentlichte Ideen verwendet, zum Beispiel eine ungewohnte Zahl von vielen Statisten.

Hier ist schon wieder das Urheberrecht verletzt worden. Was das heißt und welche kostspieligen Folgen es hat, kann Jeder selbst im Internet nachschlagen.

Und solche gewaltigen Naturbilder zeigte der recht kurze Film in einer Überfülle wie selten, aber eben nicht einfach abgefilmt, sondern mit dramatischer visueller Wucht und starken Naturpanoramen. Musikalische Mitschnitte der Musikdramen gibt es längst in Überfülle, als CDs oder abgefilmte Theateraufführungen. Eine derartige Verfilmung in voller Länge gibt es noch nicht.