Italien: Es wird einmal ein Wunder geschehen

13.6.2019. Gestern gab es die neuesten ökonomischen Kennzahlen für Italien. Die Schulden des Landes liegen bei rund 130 Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Die Gesamtverschuldung ist höher als 2.000 Milliarden Euro. Das ergibt so große Rückzahlungen, dass der Staatshaushalt extrem reduziert werden muss. Im Land wird dann Alles viel teurer. Treffen wird das vor Allem staatliche Angestellte, Rentner, Sozialleistungen und wohl auch den Verteidigungshaushalt. Der Staatspräsident kann einen neuen Regierungschef bestimmen oder Neuwahlen ausrufen.Der in Palermo lebende Landeskenner Roman Mahrun erörterte jetzt solche Fragen im Gespräch mit der Münchner Abendzeitung.

Wenn auch das Militär sparen muss, dann wird es sich wehren. Wohl nicht mit militärischen Mitteln, aber in anderen Ländern hat es in der Vergangenheit auch Putschversuche gegeben, wenn die Zivilisten nicht mehr weiter wussten. Die Rentner und alle Anderen, die schon seit vielen Jahren sparen mussten, können sich nicht auflehnen.

In zwei Artikeln habe ich die Situation schon untersucht:

„Italiens Zukunft“ am 5.6.19: http://luft.mind-panorama.de/italiens-zukunft/

„Die finanzielle Rettung Italiens“ am 24.5.19:

http://luft.mind-panorama.de/die-finanzielle-rettung-italiens/

Natürlich kann die bedrohliche Krise nicht innerhalb von drei Wochen gelöst werden, aber es verstärkt sich der Eindruck, dass die gut verdienenden Verantwortlichen einfach weiter abwarten, wie schon in den letzten Jahrzehnten. Schon in den Sechziger Jahren kamen die ersten Gastarbeiter in Deutschland aus Süditalien, weil dort das Überleben besonders schwer war. Seitdem sind sechzig Jahre vergangen !

Wie einfach Lösungen sein können, kann man auch im Kleinen lernen. Ein Ladenbesitzer in München wollte kürzlich aufgeben, weil er nicht genug verdiente. Als Stammgast habe ich mich einfach umgeschaut. Das Sortiment musste dringend umgestellt werden, weil er für seine Backwaren bereits eine dreifache Konkurrenz in der Nähe hatte. Die Preise waren im Vergleich mit der Nachbarschaft zu niedrig. In dem kleinen Verkaufsraum standen drei Tische mit Stühlen, die zu viel Platz wegnahmen. Stattdessen reichten mehr kleine Stehtische, mit Barhockern, an denen die Kundschaft auch weiterhin essen und trinken konnte, aber nicht stundenlang bei einem Glas Limonade die Sitzplätze blockierte. Ein Imbiss musste her, ohne rasch vergammelnde heiße Gerichte, dafür aber mit Häppchen, zum Beispiel Scheiben von Brotscheiben oder Baguettes, die mit Käse, Wurst und dergleichen belegt waren. Das erhöht sogar die Laufkundschaft, wenn es nichts Ähnliches in der Nähe gibt. Fünf verschiedene Sorten von Kaugummi kann man platzsparend leicht auf eine Einzige reduzieren. Und so weiter.

Wir haben gestern darüber gesprochen, und heute will er mir seine eigenen Ideen präsentieren. Schlechter kann es auf keinen Fall werden. Denn auch hier gelten die Gesetze der Ökonomie.

Das Kleine ist wie das Große. Diese Inschrift steht auf der antiken Tabula Smaragdina.

Deshalb wird es immer weniger verständlich, warum das große und ruhmreiche Italien nicht endlich ganz allein schnell laufen kann. Viele Gründe dafür sind sogar längst bekannt. In Rom gibt es eine Anti-Mafia-Behörde, die zum Beispiel bei Verdächtigen, die nicht nachweisen können, woher ihr Vermögen stammt, einfach Alles beschlagnahmt. Die krassen Bestechungsfälle korrupter Kreise haben schon oft für Schlagzeilen gesorgt, aber nicht immer für eine wirksame Bekämpfung. Und das Schlimmste: Die fortdauernde Besetzung von wichtigen Führungsposten mit unfähigen Persönlichkeiten.

Ein alter Freund von dort hat zum Beispiel auf seiner Webseite einen irrwitzigen, sinnlosen Kreisverkehr beschrieben, den die Gemeinderäte seiner Heimatstadt ihm direkt vor die Haustür gesetzt haben, ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, Ampeln und Zebrastreifen für Fußgänger. Seine drastischen Fotos dazu sprechen eine deutliche Sprache:

http://www.uricchio.de/rotatoria_a_pomarico.htm

Dieser Mensch spricht fließend deutsch. Ich kenne ihn seit dreißig Jahren. Manchmal betont et in seinem einwandfreien Deutsch die Konsonanten zu stark. Dann klingt es so: „Das Wetterr wirrd immerr besserr.“ Er verweist dann auf die unvergessene Zarah Leander, die in einem ihrer bekannten Lieder laufend wiederholt: „Wunderrbarr ! “ So ist es. Und darum ist sie es, die den guten Weg in Italiens Zukunft zeigt:

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen.“ Hier kann man das hören und sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=LFKM2VYDPjg