Kay in altem Glanz – wieder dabei

12.6.2019. Kay Wörsching hatte Jahrzehnte lang ein weltbekanntes Prominentenlokal am Viktualienmarkt. Danach ging er auf Sparflamme. Sein kleines Bistro „Kay’s Champagneria“ am Stachus hatte nur noch acht Barhocker, aber die schwelgende Ausstattung erinnerte wie ein Miniaturbild sofort an alte Zeiten. Seit drei Tagen gibt es sein neues Lokal, etwas versteckt, in bester Lage zwischen Viktualienmarkt und Gärtnerplatz. Viele Jahre lang waren diese mitgenommenen und halbdunklen Räume ein angeräucherter Treffpunkt und tägliche Endstation für schwule Alkoholiker.

Diese Zeiten sind vorbei. Kay hat Alles gründlich renoviert. Sein Ausstatter Achim Neumann hat wieder ein Schmuckstück geschaffen. Die Wände leuchten in einem kräftigen Farbton von Dunkelrot wie in der Oper. Große Fotos von Berühmtheiten schauen aus goldenen Rahmen – nicht nur Maria Callas, Edith Piaf und Marlene Dietrich. Neben dem unscheinbaren Eingang mit der Theke zum Gedankenaustausch gibt es jetzt einen zweiten Raum wie ein Wohnzimmer, mit eleganten Biedermeier-Möbeln und Großfotos echter Stars wie Antonio Banderas. In dessen südamerikanischer Heimat kenn man ein Musikinstrument, das auch den Namen dieses neuen Lokals trägt. Wer neugierig ist, soll selbst einmal suchen. Ich war froh, dass heute Mittag noch genug Platz und Zeit für ein Gespräch mit Kay waren.

Er ist ein Musterbeispiel dafür, dass ein Einzelner ohne fremde und staatliche Hilfe, ein Künstlerkopf, noch viel Umsatz und verdiente Gewinne machen kann. Das ist in der übersubventionierten Kulturlandschaft immer noch die Ausnahme. Ringsum gibt es viele andere Läden und Wirtshäuser, aber als Konkurrenz wohl nur ein ganz anderes Haus, das ich am 11.5.19 hier beschrieben habe:

„Ehrt eure deutschen Meister“ :

http://luft.mind-panorama.de/ehrt-eure-deutschen-meister/

Sängerin Caterina Valente, die den Wirt in der Vergangenheit gelegentlich besucht hat, war übrigens noch nicht da. Auf diesen Scherz hin meinte Kay nur, „Wir haben ja erst vor drei Tagen geöffnet.“

Die Zahl der Besucher wird sich noch vervielfältigen. Auf der Getränkekarte gibt es nicht nur Hochprozentiges, sondern auch Alkoholfreies. Das lockt eine Kundschaft, die nicht nur im Rausch die Zeit vernebelt. Das “ Café “ ist schnell mit der Straßenbahn ereichbar, also auch ein Treffpunkt für die angeheiterten Nachtschwärmer, die nach Geschäftsschluss um 21.00 Uhr noch ihre Runden drehen.

Zu Kay passt auch Marlene Dietrich, mit Ferdinand Raimunds Hobel-Lied von der Vergänglichkeit der Welt. Hier kann man es hören:

https://www.youtube.com/watch?v=hxN-YqguUR8